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Göttingen Neues Göttinger Kompostwerk entsteht für 13 Millionen Euro
Die Region Göttingen Neues Göttinger Kompostwerk entsteht für 13 Millionen Euro
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15:09 13.08.2019
Den offiziellen ersten Spatenstich nahmen gemeinsam mit Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (von li.) die technische Betriebsleiterin der GEB Maren Reimann, Marieke Kromkamp, Sales Manager der Firma WTT und Dirk Brandenburg, kaufmännischer Betriebsleiter der GEB, vor. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Wenn schon neu gebaut werden muss, dann richtig. Das sagten sich die Verantwortlichen in der Stadt Göttingen nach dem Brand des Bioenergiezentrums am Standort Entsorgungszentrum Königsbühl. Die Anlage war im August 2016 wahrscheinlich aufgrund von Brandstiftung ein Raub der Flammen geworden. Drei Jahre später hat nun der Wiederaufbau begonnen. Der symbolische erste Spatenstich erfolgte am 13. August. Das Auftragsvolumen für die Baumaßnahme beläuft sich auf 12,8 Millionen Euro netto. Die Versicherung zahlt für die Wiederherstellung des Werkes auf Grundlage des Wertes der alten Anlage rund 3,5 Millionen Euro, den Rest für den Aufbau der neuen Anlage muss die Stadt Göttingen finanzieren.

Anlage soll im November 2020 in Betrieb gehen

„Man ist zwar gut versichert und wenn die Sonne scheint, ist der Schirm auch da. Kommt Regen, wird er weggezogen.“ Mit diesen Worten umschreibt Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) die Verhandlungen mit der Versicherung nach dem verheerenden Brand. Die Not zur Tugend gemacht hätten Stadtverwaltung und die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB). Die GEB als Eigenbetrieb der Stadt betreiben das Kompostwerk. Das neue Bioenergiezentrum (BEZ) werde über beste Technologien verfügen, betont Köhler. Läuft beim Bau alles nach Plan und wird der Winter nicht zu hart, könne die Anlage im November 2020 in Betrieb gehen, sukzessive, wie es heißt.

Das Feuer hatte die Annahme- und Sortierhalle des Kompostwerkes und damit auch die zentrale Steuerung der gesamten Anlage zerstört, bilanzierte die technische Betriebsleiterin Maren Reimann vor zwei Jahren den Schaden. In der neuen Anlage soll nun weiter betrieben werden, was erhalten blieb: das Blockheizkraftwerk etwa und der Fermenter (Bioreaktor). In der neuen Tunnelkompostierungsanlage können im Jahr bis zu 22500 Tonnen an Bioabfällen und Grüngut verarbeitet werden, darunter 5500 Tonnen an Bioabfällen aus dem ehemaligen Landkreis Osterode.

Anlage läuft in geschlossenen Systemen

Planer Nils Oldhafer überreicht den BEZ-Leuten den kleinen Drachen Grisu als Maskottchen. Quelle: Meinhard

„Wir machen hier alles dicht“, stellt Planer Nils Oldhafer klar. Die Anlage werde in geschlossenen Kreisläufen betrieben – Geruchsbelästigungen könnten so auf ein Mindestmaß heruntergefahren werden. Oldhafer spricht von einer Holzfassade und einer Dachbegrünung, damit sich das Kompostwerk harmonisch in die Landschaft einfüge. Er überreicht der stellvertretenden BEZ-Abteilungsleiterin Alexandra Köhler und ihren Kollegen mit dem Stofftier „Grisu“ ein Maskottchen. In einer Kinderfilmserie will der kleine Drache nämlich Feuerwehrmann werden. „Damit hier nie wieder ein Brand ausbricht“, unterstreicht Oldhafer.

Jährlich 111 100 Badewannen voll mit Kompost

„Bei Vollauslastung werden hier jährlich neben circa 1,6 Millionen Kubikmeter Biogas auch 7500 Tonnen Qualitätskompost erzeugt“, erläutert Fachfrau Reimann. Um für den Laien einen Maßstab für die Menge an Kompost zu geben, spricht sie von 111 100 gefüllten Badewannen. Das gewonnene Biogas werde teilweise für den Strom- und Wärmebedarf des Bioenergiezentrums genutzt, der Rest werde über eine „Mikrogasleitung“ zur ebenfalls GEB-eigenen Abwasserreinigungsanlage (ARA) zur Verstromung geleitet. Beide Anlagen – BEZ und ARA – seien damit weitgehend energieautark. Fällt überschüssiger Strom an, werde er ins Netz eingespeist. Die insgesamt aus dem Biogas erzeugte Elektrizitätsmenge entspreche dem Durchschnittsverbrauch von 1200 Privathaushalten.

„Am Ende der Kompostierung soll ein herausragender Qualitätskompost herauskommen“, so der BEZ-Abteilungsleiter Jörg Bittner. „Unser Ziel ist die Vermarktung des gütegesicherten Komposts nach den Vorgaben des Ökolandbaus“, ergänzt er. Sein Appell an alle Göttinger: „Jeder hat seinen Einfluss auf die Qualität des Bioabfalls.“ So landen immer wieder Fremdbestandteile wie Plastik in den grünen Tonnen. Kaum zu glauben, aber jährlich fischen die BEZ-Mitarbeiter auch 300 Kilogramm Batterien aus den Bioabfällen heraus.

Große Einsparung an Kohlendioxid

In der Zeit nach dem Brand wurde der Göttinger Bioabfall in zwei Fremdwerke gefahren. Die Planungs- und Bauleistungen für die neue Anlage sind europaweit ausgeschrieben worden. Für die Errichtung der Gesamtanlage zeichnet das Unternehmen Waste Treatment Technologie (WTT) mit Sitz in Oldenzaal (Niederlande) verantwortlich. Mit der Planung und Bauüberwachung ist die Bietergemeinschaft Umwelttechnik & Ingenieure GmbH und Iba Ingenieurbüro für Abfallwirtschaft & Energietechnik GmbH (Hannover) beauftragt worden. Die Projektsteuerung wird durch die Gavia GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin wahrgenommen. Die auf einem 20 000 Quadratmeter großen Gelände stehende Anlage soll nach ihrer Fertigstellung auch als externer Lernort genutzt werden, etwa für Schulklassen zur Umweltbildung. Die erreichte jährliche Einsparung an Kohlendioxid durch das gewählte Verfahren beträgt nach Angaben der GEB 3240 Tonnen, in in etwa so viel wie 18 Millionen gefahrene Pkw-Kilometer.

Von Ulrich Meinhard

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