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Göttingen Premiere für Dorfflohmärkte
Die Region Göttingen Premiere für Dorfflohmärkte
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13:15 20.06.2019
Dorf-Flohmarkt in Werxhausen Quelle: Peter Heller
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Gieboldehausen

Ohne Regenschutz und Abdeckplane ging am Wochenende auf den Flohmärkten in Göttingen und dem Umland fast nichts. Das Wochenendwetter war für Flohmarkt-Fans alles andere als ideal. Dennoch herrschte bei den Veranstaltungen Betrieb.

Dass dunkle Wolken am Himmel den Flohmarktspaß nur bedingt trüben konnten, bewiesen die Veranstalter der beiden Dorfflohmärkte in Wollershausen und Werxhausen. Während Werxhausen angesichts der Wetterprognosen am Sonntag die Standbetreiber kurzerhand ins Bürgerhaus auswichen, rückten Kunden und Anbieter auf dem Sportplatz von Wollershausen zeitweise unter Partyzelten und Schirmen zusammen.

Kundschaft trotz Regen

Und in Göttingen? Dort bauten die im Freien stehenden Händler ihre Tische bei den ersten Schauern am frühen Vormittag kurzerhand ab oder zogen unter das Dach des Real-Parkdecks in Weende. Kundschaft kam trotzdem, wenn auch nicht in Scharen – und zwar sowohl zum gewerblichen Flohmarkt in der Stadt als auch auch zu den Dorfflohmärkten in der Region. Dabei zeigte sich bei Standbetreibern wie Flohmarkt-Kunden, dass beide Veranstaltungsvarianten ihre Fans haben.

Fotos von den Dorfflohmärkten in Wollershausen und Werxhausen

Dorfflohmärkte in Wollershausen und Werxhausen

Am Wochenende fanden einige Dorfflohmärkte im Umland Göttingens statt, so zum Beispiel in Bishausen im Flecken Nörten-Hardenberg, in Lutterhausen in der Stadt Hardegsen, in Diemarden in der Gemeinde Gleichen, in der Ortschaft Rosdorf und auch in den Eichsfeldorten Wollershausen (Samtgemeinde Gieboldehausen) und Werxhausen (Stadt Duderstadt).

„Mehr Unterhaltung auf größeren Märkten“

Zum Stöbern eigens aufs Dorf zu fahren? Für die Obereichsfelderin, die am Sonntagvormittag über den gewerblichen Flohmarkt bei Real in Weende schlenderte, sei das nichts. „Das ist mir zu klein“, sagte sie. Sie bevorzuge lieber die Göttinger Märkte mit vielen Ständen. Diese besuche sie regelmäßig. Und auch die Göttinger Standbetreiberin, die bis zu zweimal im Monat auf Göttinger Flohmärkten ihren Tisch aufbaut, bleibt eigenen Angaben zufolge lieber auf den größeren Märkten. „Da hat man mehr Unterhaltung und trifft bekannte Gesichter“.

Flohmarkt statt Spielbetrieb auf dem Sportplatz

Auf dem Dorfflohmarkt in Wollershausen, der am Sonntag auf dem örtlichen Sportplatz Premiere hatte, hatten 35 private Anbieter ihre Stände aufgebaut. Etwa die Hälfte kam aus dem Ort, bilanziertem die Organisatorinnen Birgitt Riechel und Birgit Höfig. Im Vorfeld habe man für den Dorfflohmarkt an zentraler Stelle im Ort geworben, ergänzte Martina Bode, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig zeichnete. Als Veranstalter trat der Sportverein Wollershausen, auf dessen Rasen derzeit ohnehin kaum Spielbetrieb herrsche, sagte der Vorsitzende Thomas Weber. Mit dem Dorfflohmarkt etwas für die Gemeinschaft im Ort zu tun, hielt Weber für eine gute Idee.

Wer am Sonntag in Wollershausen einen Stand aufbauen wollte, hatte pauschal acht Euro Standgebühr zu bezahlen. Anderswo werde nach laufendem Meter abgerechnet, so Bode. Wofür der Erlös am Ende verwendet werde, wollen sich die Wollershäuser Flohmarkt-Organisatoren noch überlegen. Ein Teil werde sicherlich der Sportverein bekommen.

„Jeder hat sein eigenes Flair“

Sie gingen gerne sonntags über Flohmärkte, um eventuell „ein schönes Teil zu ergattern“, sagte Familie Fuhrmann. Dass in Wollershausen wie auch in Werxhausen die Stände der Dorfflohmärkte an zentraler Stelle aufgebaut waren, begrüßten die Duderstädter. Den Besuch des Dorfflohmarktes in Mingerode vor einiger Zeit blieb ihnen als „sehr anstrengend“ in Erinnerung, „weil die Stände viel zu weit auseinander waren“. Auch Werner und Martina Ulrich aus Herzberg fanden es in Wollershausen „schön, dass hier alles zentral an einem Platz ist“. Sie besuchten gerne Flohmärkte, egal ob auf dem Dorf oder die größeren Veranstaltungen, sagte das Paar: „Jeder hat sein eigenes Flair.“

Ortschaften kennenlernen

Ganz gleich, ob zentral an einem Platz, oder im Ort verstreut – Andrea Mattner aus Göttingen findet beide Varianten der Dorfflohmärkte nicht schlecht. Dorfflohmärkte, in denen die Stände in verschiedenen Straßen verteilt sind, seien eine schöne Gelegenheit, für einen Spaziergang durch Ortschaften, in die man sonst so nicht käme, gaben Franziska und Axel Ehrich aus Clausthal-Zellerfeld zu bedenken, die zusammen mit Tochter Marika oft auf Dorfflohmärkten stöbern. In Wollbrandshausen wurden sie auf dem Sportplatz gleich mehrfach fündig, so dass der ebenfalls erworbene rote Reisekoffer gleich gute Dienste leistete.

„Sehr familiär“

Sieben Stände waren unterdessen in Werxhausen im Bürgerhaus aufgebaut. Einige der Flohmarktbesucher, die in Wollershausen unterwegs waren, statteten auch der Veranstaltung des CDU-Ortsvereins einen Besuch ab. Der Erlös des ersten Dorfflohmarktes soll Initiatorin Regina Mentzel zufolge der Lebenshilfe Duderstadt gespendet werden. 300 Euro seien zusammengekommen. „Sehr familiär“ sei es am Sonntag zugegangen, bilanzierte sie. Im Vorfeld sei viel Mundpropaganda gemacht worden, Plakate in den umliegenden Dörfern sowie in Duderstadt lockten dann schließlich trotz des trüben Wetters die ersten Kunden schon früh nach Werxhausen. Am Ende gab sich Mentzel „sehr zufrieden“ mit der Premiere.

Unter den Standbetreibern war auch der sechsjährige Philip, der ausrangiertes Spielzeug verkaufte. Dabei stellte er sich sogar so geschäftstüchtig an, dass er Mentzel kurzerhand drei statt nur ein Plüsch-Schwein verkaufte und seine Mutter Anne-Christin Risse nur staunen konnte. Sie selbst habe auch schon einmal in Göttingen am Kaufpark einen Flohmarktstand aufgebaut. Der Markt sei ihr aber zu groß gewesen.

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Boom der Dorfflohmärkte

Dorfflohmärkte boomen. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Ortschaften im Göttinger Umland diese Veranstaltungen für sich entdeckt. Organisiert von Vereinen oder Institutionen sollen sie in erster Linie die Dorfgemeinschaft stärken und den Gemeinsinn stärken. „Eine wunderbare Gelegenheit, sich im Ort zu treffen. Und andere lernen so unseren Ort kennen“ - mit diesen Worten fasste vor im Jahr 2015 Heinz Wittkowski das Verbindende der Idee zusammen. Er zählte seinerzeit zu den Organisatoren des zweiten Dorfflohmarktes in Klein Lengden. 40 Standanmeldungen hatten die Klein Lengdener bei der zweiten Veranstaltung dieser Art in ihrem Ort.

Menschen zusammenführen

Überrascht von der Rückendeckung und Begeisterung auf die Idee zum ersten Dorfflohmarkt in Bischhausen waren auch deren Organisatoren im Jahr 2017. Auf Anhieb hatten sich 33 Haushalte des 360 Einwohner zählenden Ortes gemeldet, kaum waren die Handzettel verteilt. Und auch hier war die Intention des Veranstalter-Trios, die Menschen im Ort und aus der Nachbarschaft zusammenzuführen – Alteingesessene ebenso wie Neubürger und Besucher aus anderen Dörfern. Der Dorfflohmarkt sollte aber, so wurde betont, keine Konkurrenzveranstaltung zu Vereinsaktivitäten sein, sondern vielmehr eine Ergänzung.

Von anderen lernen

Wie andere Dörfer ihren Dorfflohmarkt organisieren, hatten sich 2016 die Lenglerner Organisatoren um Irmtraut Dreyer und Ortsheimatpfleger Bernd Mattner zuvor angeschaut. Denn bei der Premiere des Dorfflohmarktes in Lenglern aus Anlass der 1050-Jahr-Feierlichkeiten der Bovender Ortschaft sollte alles perfekt laufen. So legten die Organisatoren des Kultur- und Heimatvereins zum Beispiel Wert darauf, dass alle Verkaufsstände zum Marktbeginn bereits aufgebaut sind. Und für die Besucher des Flohmarktes wurde ein Dorfplan mit den Standorten der Stände, aber auch der Parkmöglichkeiten oder von Toiletten erstellt.

Parkplätze knapp

Bereits den dritten Flohmarkt des Jahres gab es Anfang Juni in Rüdershausen. Und dort war das Publikumsinteresse so groß, dass sogar die Parkplätze knapp wurden. Gegenstände, die nicht mehr benötigt werden, anderen Menschen anzubieten, damit sie weiter verwendet werden können, war der Grundgedanke, der einst in Rüdershausen Pate stand, als die Familien Thorn und Leutert auf die Idee brachten, einen Flohmarkt auszurichten. Schnell fanden sich im Dorf Mitstreiter. Im Vorfeld war mit Flyern für den Rüdershäuser Flohmarkt geworben worden.

Zentral oder mit Dorfplan?

Zwischenzeitlich gibt es zwei verschiedene Varianten von Dorfflohmärkten. In vielen Fällen bieten die teilnehmenden Haushalte ihren Trödel auf oder vor dem eigenen Grundstück feil. Wer dann über den Flohmarkt bummeln wolle, erhält einen Dorfplan mit den Standorten der Stände. So war das zum Beispiel auch als im Mai 2017 in Barterode der erste Dorfflohmarkt stattfand. Und auch in Rosdorf, wo am vergangenen Sonntag nach 2017 die zweite Auflage des Dorfflohmarktes veranstaltet wurde, gab es einen Lageplan.

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Ergänzung oder Konkurrenz zu gewerblichen Veranstaltungen?

Dass die Zahl der Dorfflohmärkte in den vergangenen Jahren gestiegen ist, hat auch Marco Haberlandt festgestellt. Er ist einer der gewerblichen Veranstalter, die in Göttingen Flohmärkte veranstalten – so wie auf dem Schützenplatz und auf dem Kaz-Platz in Göttingen, bei Fleischwaren Wulff im Industriegebiet und am vergangenen Wochenende beispielsweise bei Real in Weende.

„Am Anfang habe ich noch gedacht, dass das eine Konkurrenz für die gewerblichen Flohmärkte wird“, sagte Haberlandt zur steigenden Zahl an Dorfflohmärkten. „Dieses ist zumindest in meinem Fall nicht so.“ Haberland weiter: „Weder die Standbetreiber noch die Besucherzahlen sind rückläufig. Es bleibt mal ein Standbetreiber weg, da in seinem Ort ein Dorfflohmarkt stattfindet. Mehr aber auch nicht.“

Händler kaufen Nachschub ein

Der eine oder andere Standbetreiber bleibe weg, berichtete Markus Gaubert, der über Pfingsten in Göttingen bei Kaufland am Elliehäuser Weg einen Flohmarkt veranstaltet hatte. „Die gehen auf den Dorfflohmärkten Ware einkaufen, die sie beim nächsten Mal an ihrem Stand anbieten“, schilderte er seine Erfahrung. Bisher hätten sich die Dorfflohmärkte für ihn aber nicht so extrem bemerkbar gemacht. Gaubert ist mit seinen Veranstaltungen vorwiegend im Hildesheimer Raum aktiv.

Sind die privaten oder von Vereinen organisierten Dorfflohmärkte eine Konkurrenz für die gewerblichen Veranstalter? „Solange es ein wirklicher Dorfflohmarkt bleibt, wo die Verkäufer aus dem Ort auf ihrem Grundstück verkaufen, ist auch alles in Ordnung“, meinte Haberlandt. „Sobald aber irgendwo noch ein zentraler Platz mit genutzt wird, an dem auch Leute einen Standplatz mit kleiner Standmiete betreiben können, die nicht aus dem Dorf kommen, finde ich das nicht in Ordnung.“

Der Dransfelder begründet das damit, dass die gewerblichen Veranstalter diverse Auflagen erfüllen und „hohe Kosten für die Durchführung unserer Flohmärkte entrichten“ müssten. Das sei bei Dorfflohmärkten so nicht der Fall und stelle „einen finanziellen Nachteil für uns“ dar.

Definitionen, Auflagen und Genehmigungen

Ist ein privater Flohmarkt beim Ordnungsamt anmeldungspflichtig? Ansgar Papke, Fachereichsleiter der Samtgemeinde Gieboldehausen, erklärt die Regelungen. Handle es sich um einen einmaligen Garagenflohmarkt auf eigenem Grundstück oder wie am Sonntag auf dem Sportplatz der Gemeinde Wollershausen um eine nicht regelmäßig stattfindende Veranstaltung, sei das normalerweise nicht meldepflichtig. Papke empfiehlt jedoch, das Okay der Gemeindeverwaltung beziehungsweise des Ordnungsamtes einzuholen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Veranstalter privater Flohmärkte, und dazu zählen beispielsweise auch Vereine oder Institutionen, die zusätzlich Alkohol, Speisen und Getränke verkaufen wollen, müssen beachten, dass dann eine Erlaubnis nach dem Niedersächsischen Gaststättengesetz erforderlich ist, bestätigt die Duderstädter Leiterin des Fachdienstes Gefahrenabwehr und Feuerschutz, Sabine Holste-Hoffmann. Das hänge unter anderem mit Hygienevorschriften zusammen, erklärt sie.

„Ermessensspielraum“

Die Ordnungsbehörden in Duderstadt und Gieboldehausen hätten den Aussagen Papkes und Holste-Hoffmanns zufolge bei der Genehmigung „Ermessensspielraum“. Werde zum Beispiel lediglich Kaffee und Kuchen verkauft und der Erlös komme beispielsweise dem veranstaltenden Verein zugute, zeige man sich „relativ großzügig“.

Neuware nicht erlaubt

Nicht verkauft werden dürfen Neuwaren, denn dann handle es sich um einen Trödelmarkt, für den eine Genehmigung erforderlich ist. Diese werden üblicherweise vom Landkreis ausgestellt. „Bei den seitens des Landkreises festzusetzenden Veranstaltungstypen wie zum Beispiel Jahr- und Spezialmärkten handelt es sich um im allgemeinen regelmäßig in größeren Abständen wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltungen, auf denen eine Vielzahl von Anbietern Waren anbieten. Die Festsetzungsfähigkeit ist bei einem Dutzend oder mehr gewerblicher Anbieter gegeben“, erklärt Andrea Riedel-Elsner, Sprecherin der Göttinger Landkreisverwaltung. Im Unterschied dazu sei ein typischer Dorfflohmarkt, „bei welchem Privatleute ihre Gegenstände (Fundus vom Dachspeicher, aus Kellerräumen, etc.) ausstellen,“ hingegen eine sogenannte private Veranstaltung , die nicht den Vorschriften der Gewerbeordnung unterliege.

Verkehrsrechtliche Andordnung

Da ferner häufig Gehwege und sonstige öffentliche Flächen genutzt werden, empfiehlt Riedel-Elsner Kontakt mit der zuständigen Gemeinde aufzunehmen. Diese gebe auch Auskunft hinsichtlich bestehender Ruhezeiten und sonstiger Nutzungsbeschränkungen wie zum Beispiel feiertagsrechtliche Regelungen. Wenn für einen Dorfflohmarkt beispielsweise wie im vergangenen Jahr in Lenglern die Flohmarktstraßen teilweise für den Autoverkehr gesperrt werden, bedürfe das einer verkehrsrechtlichen Anordnung. Holste-Hoffmann von der Duderstädter Verwaltung nennt ein weiteres Beispiel, in dem weitere Genehmigungen erforderlich wären. Sollen die Flohmarktstände etwa in einer Scheune aufgebaut werden, müsse eine Nutzungsänderung beantragt und eine baurechtliche Genemigung eingeholt werden. Dabei spielten dann auch Themen wie Brandschutz oder Flucht- und Rettungswege eine Rolle.

Der Artikel wurde ergänzt und aktualisiert.

Von Britta Eichner-Ramm

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