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Die Region Göttingen Europaquartier Göttingen: Wohin mit den vielen Autos?
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11:00 21.06.2019
Sieben varianten haben die Planer untersucht – und kommen am Schluss auf die Nullvariante: die Europaallee. Quelle: Stadt Göttingen / GT/Tater
Göttingen

Auch wenn in ein paar Jahren vielleicht 2000 weitere Menschen auf dem Holtenser Berg in Göttingen wohnen, soll das Quartier weiterhin ausschließlich über eine Straße erreichbar sein: über die Europaallee. Das schlagen jetzt die Planer der Stadt vor. Sie haben auch andere Straßenvarianten prüfen lassen –aber verworfen.

In Göttingen fehlt Wohnraum. Vor diesem Hintergrund will die Stadt im Norden ein großes neues Wohnquartier erschließen: das sogenannte Europaquartier. Es soll an der Nordflanke des vorhandene Wohnquartiers Holtenser Berg entstehen – mit mindestens 600 Wohneinheiten.

Auf dem Holtenser Berg leben zurzeit etwa 4000 Menschen. Die bisher einzige offizielle Zu- und Abfahrt für motorisierte Fahrzeuge führt ab Holtenser Landstraße über die Europaallee. Unter anderem das hatten viele Bürger bei Infoveranstaltungen zum Euopaquartier kritisiert. Die Straße sei völlig überlastet, wenn weiterer Verkehr hinzukomme.

Bereits 2018 aber hätten Gutachter festgestellt, dass die Europaallee auch den erwarteten zusätzlichen problemlos aufnehmen können, stellt die Verwaltung jetzt in einer Zusammenfassung für die politischen Gremien fest. Eine zweite Anbindung sei nicht zwingend erforderlich. Mit Blick auf die Bürgersorgen und das große öffentliche Interesse habe sie dennoch ein Planungsbüro beauftragt sieben Varianten genauer zu untersuchen. Dabei seien finanzieller und planerischer Aufwand ebenso berücksichtigt worden wie Umweltbelange.

Sieben Varianten

Danach scheiden (laut Planern) die Varianten 2a und 2b sowie die Variante 4 aus. Die erstgenannten würden nach Osten über die Leine zur B3 führen, Variante 4 als lang gezogene Kurve zur Lenglerner Straße am Ortseingang Holtensen. Damit verbundene Eingriffe in die Natur seien nicht vertretbar.

Kann die Europaallee noch mehr Verkehr aufnehmen? Quelle: Christina Hinzmann / GT

Auch eine große neue Zufahrt aus Richtung Norden über den Königsbühl sei mit Blick auf Natur und Umwelt problematisch, könne aber während der Bauzeit als Behelfszufahrt genutzt werden.

„Am besten in nahezu allen Kriterien“ schneiden laut Verwaltung eine Variante 3 mit den Untervarianten 3a und 3b ab. Sie würden an der Westflanke des Holtenser Berges entlang führen, die B27 mit Brücke oder Unterführung queren und gegenüber der Hermann-Kolbe-Straße (Industriegebiet) auf die Holtenser Landstraße stoßen. Dies ist die einzige Variante, der die Gutachter einen hohen Verkehrswert beimessen – also eine wirkliche Entlastung und hohe Zustimmung. Allerdings seien die Herstellungskosten sehr hoch.

Allen Varianten über beziehungsweise durch Holtensen (5, 6, und 7) schreiben die Gutachter einen geringen Verkehrswert zu. Zudem seien dabei erhebliche Proteste aus Holtensen zu erwarten. Fazit der Stadtplaner: Die Nullvariante sei allen anderen vorzuziehen – und das ist die bestehende über die Europaallee.

Neue Initiative kritisiert Pläne

Unterdessen haben sich Bürger vom Holtenser Berg und aus Holtensen mit einer Presseerklärung zum geplanten Europaquartier zu Wort gemeldet. Darin kritisieren sie: „Das neue Baugebiet ist zu groß.“ Etwa 2000 Neubürger in den rund 600 geplanten Wohneinheiten seien bei den vorhandenen Strukturen am Holtenser Berg nicht integrierbar.

Auch für absehbare Verkehrsprobleme gebe es keine Lösung. Die Europaallee könne den zunehmenden Verkehr als alleinige Zufahrt nicht aufnehmen – zumal sie an mehreren Stallen einspurig verengt ist. Auch der öffentliche Personennahverkehr wäre bei der Anzahl neuer Bewohner überlastet.

Sorgen bereitet vor allem den Holtensern Oberflächenwasser aus dem Neubaugebiet. Die vorhandenen Kanäle und Gräben seien schon jetzt oft überlastet.

Darüber hinaus würden schon vorhandene infrastrukturelle Defizite verschärft: zu wenig Kita-Plätze, keine große Sporthalle in der Weststadt, keine Seniorenbetreuung. Darüber hinaus fordert die Bürgerinitiative unter Regie des Nachbarschaftszentrum Holtenser Berg eine Höhenbegrenzung für die geplanten neuen Häuser.

Über das Verkehrsgutachten und mögliche Anbindungen des neuen Wohnquartiers beraten am Donnerstag, 20. Juni, der Planungsausschuss des Rates (16 Uhr im neuen Rathaus) und der Ortsrat Holtensen (20 Uhr, Gasthaus Wille, Lenglerner Straße 37).    

Von Ulrich Schubert

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