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Göttingen Europaquartier: Bürger haben erhebliche Bedenken
Die Region Göttingen Europaquartier: Bürger haben erhebliche Bedenken
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00:21 04.02.2019
Schon jetzt ist der Eingang zur Europaallee auf dem Holtenser Berg ein Nadelöhr. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen/Holtensen

Auf einer 11,5 Hektar großen Fläche direkt nördlich des bestehenden Wohngebiets sollen bis zu 600 Wohneinheiten entstehen. Investoren und Bauherren sind zunächst die Klosterkammer Hannover und die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG). Geplant sind in erster Linie Geschosswohnungsbau und Reihenhäuser.

Zum Wochenbeginn hatten Stadt und Investoren eine Bürgerinformationsveranstaltung im Nachbarschaftszentrum Holtenser Berg angeboten. Die platzte aus allen Nähten, der Veranstaltungsraum war komplett überfüllt. Eines der Themen, das die Bewohner des jetzigen Wohngebiets umtrieb: die zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Neuansiedlung. Bei 600 neuen Wohneinheiten könne das pro Tag zu zusätzlichen gut 1200 Fahrten von der Holtenser Landstraße ins neue Wohnviertel führen – und in die andere Richtung noch einmal so viele, erklärte Heinz Mazur von der Gesellschaft PGT Umwelt und Verkehr.

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Europaallee an der Grenze

Das könne die Europaallee – zentrale Straße im Holtenser Berg – noch verkraften, sie gerate allerdings an ihre Belastungsgrenzen. Eine weitere Möglichkeit: eine seitliche Zufahrt zum neuen Europaquartier, wie sie einige Bürger forderten.

Das wiederum bereitet einigen Bürgern aus Holtensen Sorgen. Der Grund: Eine Möglichkeit wäre die Öffnung der Straße Unterm Hagen, die von der Ortsmitte zur Nordwestecke des derzeitigen Wohngebiets Holtenser Berg führt. Das wäre fatal, meint beispielsweise der Holtenser Wolfgang Siegmann. Nicht ohne Grund sei die Straße, die früher gern als „Rübenschnellweg“ zum Holtenser Berg genutzt wurde, gesperrt worden. Das habe erheblich zur Verkehrsberuhigung im Ort beigetragen.

Sorge zu Hochwasser

Vorwiegend von Holtenser Bürgern kamen Nachfragen zum Hochwasserschutz. Holtensen ist durch seine Lage schon jetzt hochwassergefährdet, die Bewohner befürchten, mit der Versiegelung der 11,5 Hektar „Europaquartier“-Fläche oberhalb des Dorfes könne die Gefahr noch größer werden.

In der Tat sei der Niederangergraben als Entwässerungskanal an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit, räumt auch Mareike Schäfer von der Klosterkammer ein. Planer und Investoren würden durch geeignete Maßnahmen jedoch sicherstellen, „dass sich die Situation auf keinen Fall verschlechtert, sondern vielleicht sogar etwas entspannt“. Geplant ist, an der Nordwestecke des Baugebiets – also nahe Holtensen - ein Regenrückhaltebecken zu bauen. Das sei auch deshalb sinnvoll, weil das Baugelände ein Gefälle von Südosten nach Nordwesten aufweise, erklärt Schäfer. Höhenunterschied: gut 20 Meter.

Nachfragen kamen bei der Bürgerversammlung auch zum Thema Infrastruktur. Hier erklärten die Planer, das neue Viertel werde auch über Spielplätze, Veranstaltungs- oder Begegnungsräume und möglicherweise eine Erweiterung des Nahversorgungsangebots, beispielsweise durch einen Bäcker, geben. Das könne durchaus zu einem Mehrwert auch für die derzeitigen Bewohner des Holtenser Bergs führen, sagt Schäfer.

Häuserriegel

In der Bürgerversammlung kamen auch Bedenken zur Bebauung auf. Unter anderem wurde die Befürchtung geäußert, am nördlichen Ende der bisherigen Bebauung könne ein Häuserriegel entstehen, der jeglichen Blick auf die Landschaft versperre. Hier sagten die Planer eine gestaffelte Bebauung zu.

Insgesamt sei die Bürgerveranstaltung zwar durchaus kritisch, aber auch sehr konstruktiv gewesen, erklärten Schäfer und Architekt Michael Linker. Die Vorschläge und Ideen aus dem Publikum würden jetzt in den weiteren Planungsprozess eingebunden.

Von Matthias Heinzel