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Göttingen Von Cramon (Grüne) feiert Einzug ins EU-Parlament
Die Region Göttingen Von Cramon (Grüne) feiert Einzug ins EU-Parlament
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00:21 29.05.2019
Die glückliche Europa-Kandidatin der Grünen Viola von Cramon (2. v. l.) mit ihrem Wahlkampfteam. Quelle: Richter
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Göttingen

Bei der Europawahl 2019 haben SPD und CDU auf Bundesebene deutliche Verluste einstecken müssen. Sieger sind die Grünen mit zweistelligen Zugewinnen. Ein Trend, der sich auch im Wählerverhalten im Landkreis Göttingen widerspiegelt.

Nach Auszählung aller Stimmen lagen die Grünen in der Gunst der Wähler im Landkreis mit 25,3 Prozent knapp hinter der CDU mit 25,6 Prozent. Die SPD fiel mit 22,3 Prozent auf den dritten Platz zurück. In der Stadt Göttingen machten 34,8 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei den Grünen. Gleichzeitig wurden CDU und SPD mit unter 20 Prozent abgestraft.

Bei der Europawahl 2019 haben SPD und CDU auf Bundesebene deutliche Verluste einstecken müssen. Sieger sind die Grünen mit zweistelligen Zugewinnen. Ein Trend, der sich auch im Wählerverhalten im Landkreis Göttingen widerspiegelt.

Riesenfreude an der Wendenstraße

Riesenfreude über das Ergebnis im Parteihaus an der Wendenstraße. Dort feierten am Sonntagabend die neue Göttinger EU-Abgeordnete Viola von Cramon und andere Parteimitglieder. „Ich bin absolut begeistert, vor allem, weil ich wirklich nicht damit gerechnet habe”, sagte von Cramon. Sie brauchte ein Wahlergebnis der Grünen von knapp 20 Prozent, um auf ihrem Listenplatz (Nummer 19) einen Sitz im EU-Parlament zu bekommen.

Gregor Kreuzer vom Grünen Kreisvorstand freute sich über das Rekordergebnis. „Wir haben die Wahl zu einer Klimawahl gemacht. Das Ergebnis zeigt, dass die junge Generation uns die Zukunft anvertraut”, so Kreuzer. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin ergänzte spürbar euphorisch über den sehr wahrscheinlichen Einzug von Cramons ins Europaparlament: „Überall in Europa gewinnen die, die sich für Europa und für den Klimaschutz stark gemacht haben.“ Die klare Botschaft der Grünen gegen Nationalismus sei bei den Wählern offenbar angekommen.

„Das ist ein bitteres Ergebnis“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann kommentierte das Wahlergebnis am Sonntagabend mit den Worten: „Das ist ein bitteres Ergebnis.“ Dass seine Partei nach der Bundestagswahl noch einmal so stark einbrechen würde, bezeichnete er am Sonntagabend als historischen Tiefpunkt. Ein „weiter so“ könne es jetzt nicht mehr geben. Mit Blick auf seinen Wahlkreis ergänzte er: „Ich glaube, auch in Göttingen müssen wir überprüfen, ob wir unsere Wähler noch erreichen.“

Sozialdemokrat Bernd Lange, seit 2009 wieder Mitglied des Europäischen Parlaments, nannte das Wahlergebnis der SPD in Niedersachsen „eine Katastrophe für die SPD. Wir haben gekämpft und versucht, den Bundestrend, wie er vorhergesagt wurde, umzudrehen. Das haben wir nicht geschafft.“ Als Abgeordneter, so Lange, sei er zufrieden. Der auf Platz sechs der Bundesliste Nominierte bleibt Mitglied des Europäischen Parlaments. Für Niedersachsen wolle er sich für Entwicklungen im ländlichen Raum einsetzen, um die Situation zu verbessern. Die höhere Wahlbeteiligung bei dieser Wahl liegt seiner Meinung nach in der stärkeren Beteiligung der Jungwähler, „aber die meisten haben nicht die SPD gewählt“, vermutet Lange.

Stimmung bei CDU verhalten

Im CDU-Parteihaus an der Reinhäuser Landstraße herrschte am Sonntag verhaltene Stimmung. Göttingens CDU-Chef Fritz Güntzler fand die gleichen Worte wie sein SPD-Gegenüber Oppermann und nannte es „ein bitteres Ergebnis”. Die Themen der CDU hätten die Wähler offenbar nicht erreicht, es fehlten schlüssige Antworten, so der Bundestagsabgeordnete. „Unsere Themen haben bei der Wahl keine Rolle gespielt, weder die innere Sicherheit noch die Finanzen”, sagte er.  

„Gratulation an die Grünen“, fasste die Hildesheimer CDU-Kandidatin Ute Bertram die Wahlergebnisse zum Europa-Parlament zusammen. Es sei enttäuschend, dass die CDU so viel verloren habe. „Wir haben offenkundig nicht überzeugen können“, bilanzierte sie. Das hingegen sei den Grünen mit dem Themenfeld „Klimaschutz“ gelungen. Allerdings, so Bertram und verwies auf die Koalition in Baden-Würtemberg, müssten Klimaschutz und Ökonomie zusammengehen und äußerte mit Blick auf die Bündnis-Grünen: „Willkommen in der Realität. Die Grünen müssen jetzt liefern.“ Für sich selbst sah Bertram keine nennenswerte Wahrscheinlichkeit, vom Listenplatz 6 aus ins Europäische Parlament einzuziehen.

FDP nimmt es entspannt

Enspannte Stimmung hingegen im FDP-Parteibüro: Der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle und EU-Kandidat Julius Graack nannten das Ergebnis der FDP „solide”. Zwar habe man ein deutlich besseres Ergebnis als bei der vorherigen Wahl geholt. „Aber es hätte mehr sein können”, so Kuhle. Der 21-jährige Graack ergänzte, er habe im Wahlkampf „viel Zuspruch von jungen Wählern bekommen.“

Die Partei um Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn machte ebenfalls Boden gut. Der Parteichef darf sich voraussichtlich auf Verstärkung im Parlament freuen. Sein Kommentar zum Ausgang der Wahl: „Die SPD ist tot, die Grünen sind die neue SPD, und wir sind die neuen Grünen. Nur dass wir nicht unsere Ideale nach kurzer Zeit verraten werden.“ Ein konkreter Plan für die Parlamentsarbeit gibt es auch bereits. „Wir werden jeden Monat einen Film über das Abstimmungsverhalten der konservativen Abgeordneten veröffentlichen.“

Das Ergebnis der AfD blieb im Landkreis deutlich unter dem Bundestrend. Die Landesvorsitzende Dana Guth zeigte sich mit dem Ergebnis von 6,8 Prozent dennoch vorsichtig zufrieden. Im Wahlkampf habe ihre Partei mit Einschränkungen kämpfen müssen, daher zolle sie im Nachhinein allen Aktiven ihrer Partei großen Respekt.

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