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Göttingen Entspannte Stimmung im Evakuierungszentrum in der UMG
Die Region Göttingen Entspannte Stimmung im Evakuierungszentrum in der UMG
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10:53 13.10.2019
Evakuierung während der Aufklärung des mutmaßlichen Bombenfundes am Schützenanger. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Es war noch dunkel, als sich viele Göttinger für einen langen Sonnabend wappneten. 14 000 Bewohner mussten rund um den Schützenanger evakuiert werden. Diejenigen, die östlich der Bahnstrecke wohnten, wurden in die Klinikmensa der Universitätsmedizin eingeladen. Hier wurde ein Evakuierungszentrum eingerichtet, das um 7 Uhr morgens öffnete. 540 Personen registrierten sich vor Ort. Der Pianist Gregor Kilian sorgte für sanfte Klänge im Hintergrund, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) für die Ausgabe einer Mittagssuppe. Um 14 Uhr gab der Einsatzleiter des ASBs Ronald Kirstan die freudige Nachricht bekannt: Am Schützenanger liegt kein Blindgänger.

Hilfsorganisationen sorgen für gelassene Stimmung

14 Freiwillige vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) halfen im Evakuierungszentrum des Universitätsklinikums. „Eine stolze Zahl“, findet Hans-Dieter Hense vom ASB. Allgemein sei die Evakuierung gründlich geplant worden. Dabei arbeiteten die großen Hilfsorganisationen kollegial zusammen – die Malteser und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) waren auch vor Ort.

Der reibungslose Ablauf der Evakuierung, spiegelte sich in den Gesichtern der Leute, die in der Mensa saßen. Die Menschen schienen entspannt und im Großen und Ganzen zufrieden mit der Organisation ihres Aufenthalts in der UMG. Es gab genug Kaffee, Brötchen, Tee und Suppe für die Wartenden.

Die Wartenden wurden vom ASB versorgt.   Quelle: Niklas Richter

Ronald Kirstan, Einsatzleiter des ASB behielt im Blick, wie viel Personal und Freiwillige im Klinikum herumschwirrten und wann das Essen ausgegeben werden sollte. Auch für medizinische Notfälle war man gewappnet. In der Mensa wurden nur Menschen untergebracht, die keine spezielle medizinische Betreuung brauchten. Bettlägerige Personen wurden an anderer Stelle im Klinikum versorgt.

Gregor Kilian unterhielt die Evakuierten am Piano.   Quelle: Niklas Richter

Für Kirstan war es die fünfte Evakuierung. Seit 31 Jahren ist er im ehrenamtlichen Katastrophenschutz tätig. Im Jahr 2010 war er im Max-Planck-Gymnasium im Einsatz, als das Unglück passierte. „Toi, toi, toi, dass heute alles gut läuft“, meinte er am Vormittag.

Wer fand den Weg in die Mensa?

Qianru ist eine Studentin aus China und 25 Jahre alt. Morgens lief sie zusammen mit ihrem Freund zum Klinikum. Erfahren habe sie von der Evakuierung über einige E-Mails vom Studentenwerk. Außerdem gab es in ihrem Wohnheim im Christophorusweg einige Aushänge. Am Dienstag schreibt sie eine Klausur, deswegen lernte sie in der Mensa des Klinikums. Als sie von der Bombe hörte, erschrak sie: Deutsche Freunde klärten sie dann jedoch darüber auf, dass ein solcher Fund in Deutschland normal sei.

Die Mensa der UMG. Quelle: Swen Pförtner

Auch die Familie Hassan vertrieb sich für ein paar Stunden die Zeit in der Mensa. Sie wohnen in der Lichtenbergstraße. Diaa Hassan erzählte, dass er aus Ägypten stamme. Dort versteckten sich viele Bomben in der Sahara, im Westen des Landes. Die Bomben stammen aus dem Zweiten Weltkrieg von den deutschen Soldaten, so Diaa. Jeden Monat gingen dort einige Bomben hoch und viele Menschen würden sterben. Das sei eine Katastrophe. Leider gebe es wenig Hilfe von deutscher Seite: Diaa erklärt, die Deutschen müssten die Ägypter mit ihren technologischen Möglichkeiten dabei unterstützen, die Bomben zu finden.

Von Anja Semonjek

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