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Göttingen Ex-Chef von UMG-Tochter klagt vor Arbeitsgericht
Die Region Göttingen Ex-Chef von UMG-Tochter klagt vor Arbeitsgericht
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19:54 31.01.2019
Quelle: dpa
Göttingen

Die UMG hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im vergangenen Dezember dem Geschäftsführer der für „infrastrukturelles Gebäudemanagement“ zuständigen Tochtergesellschaft gekündigt. Der geschasste Geschäftsführer hatte daraufhin eine Kündigungsschutzklage eingereicht.

Am Donnerstag fand nun die zunächst die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht statt. Der Kläger nahm daran nicht selbst teil, sondern ließ sich durch seinen Anwalt vertreten. Da keine gütliche Einigung erzielt wurde, wird es demnächst einen Kammertermin geben, zu dem der Kläger dann auch persönlich erscheinen muss.

Bestechlichkeit und Untreue

Hintergrund des Verfahrens sind Ermittlungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Braunschweig. Diese hatte Ende November nach einem anonymen Hinweis Räumlichkeiten der UMG-Tochtergesellschaft sowie mehrere Privatwohnungen und Geschäftsräume in Göttingen und anderen Orten in Südniedersachsen und Thüringen durchsucht. Nach Angaben eines Justizsprechers besteht der Anfangsverdacht des besonders schweren Falls der Bestechung und Bestechlichkeit sowie der Untreue.

Mitarbeiter der UMG-Tochterfirma stünden im Verdacht, gegen Schmiergelder und andere Vergünstigungen Aufträge an bestimmte Firmen vergeben zu haben. Außerdem stehe der Vorwurf im Raum, dass ein Beschuldigter Firmeneigentum und Firmenpersonal des Göttinger Unternehmens für private Belange eingesetzt habe. Diese strafrechtlich relevanten Vorwürfe seien der Grund für die außerordentliche Kündigung des Geschäftsführers gewesen, sagte die Anwältin, die in dem Arbeitsrechtsverfahren die UMG-Seite vertritt.

Falsche Rechnungen von 10 000 Euro

Der Kläger, der seit 2004 bei der UMG beschäftigt war, sei „nicht mehr tragbar“. Den Ermittlungen zufolge habe dieser Handwerkerleistungen für eine Gaststätte, die er gemeinsam mit dem stellvertretenden Geschäftsführer betrieben habe, über die UMG-Tochtergesellschaft abgerechnet.

In den Unterlagen der Gaststätte habe sich beispielsweise eine Rechnung über mehr als 10 000 Euro für Handwerksleistungen gefunden, die nicht für die UMG erbracht, aber über die UMG-Tochterfirma abgerechnet worden seien. Außerdem hätten auch Mitarbeiter ausgesagt, dass sie auf privaten Baustellen des Geschäftsführers tätig gewesen seien. Auch diese Arbeiten seien über die UMG-Tochtergesellschaft abgerechnet worden.

Von Vertragsabschlüssen profitiert

Nach Angaben der Anwältin soll der Ex-Geschäftsführer zudem zahlreiche Leiharbeitnehmer beschäftigt haben, deren Tätigkeit einen so großen Umfang gehabt habe, dass die Stellen hätten ausgeschrieben werden müssen. Diese Leiharbeitnehmer seien alle über die gleiche Personaldienstleistungsfirma vermittelt worden.

Außerdem sei festgestellt worden, dass Bewerber, die sich auf Stellen bei der UMG-Tochtergesellschaft beworben und nach einem Vorstellungsgespräch auch ausgewählt worden seien, stattdessen einen Arbeitsvertrag von eben jener Personaldienstleistungsfirma bekommen hätten. Es bestehe der Verdacht, dass der Kläger eng mit dieser Firma verknüpft gewesen sei und von dieser Absprache profitiert habe. Die betreffende Firma soll im nordthüringischen Kyffhäuserkreis ansässig und auch im Kfz-Handel tätig sein.

„Alles aus der Luft gegriffen“

Laut UMG wurde der Geschäftsführer vor der außerordentlichen Kündigung mehrfach persönlich angehört. Der Versuch einer Einigung sei unter anderem daran gescheitert, dass dieser eine Abfindung von 300 000 Euro gefordert habe. Der Anwalt des Klägers sagte, dass sein Mandant die Vorwürfe abstreite. Seinen Angaben zufolge sei „alles aus der Luft gegriffen“.

Inzwischen hat sich die UMG auch von einem weiteren Mitarbeiter der Tochtergesellschaft getrennt. Mit diesem habe es einen Abwicklungsvertrag gegeben, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. „Er ist nicht mehr im Dienst.“

Von Heidi Niemann