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Göttingen Rollstuhlfahrer trainieren für mehr Mobilität
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13:42 25.02.2019
Der Göttinger Marco Woltermann im Parcours. Quelle: Heller
Göttingen

Die Funsporthalle des SC Hainberg diente als Übungsstätte. „Der SC Hainberg hat uns mit offenen Armen empfangen“, erzählt Marco Woltermann, der zusammen mit Lisa Steinert die Idee hatte, das Angebot nach Göttingen zu holen. Ein bisschen mehr Zuspruch hatte sich das Duo schon erhofft, denn lediglich fünf Teilnehmer nutzten die Möglichkeit des Mobilitätstrainings.

Die Absicht, die dahinter steckt: Die betroffenen Personen sollen einen souveränen Umgang mit dem eigenen Hilfsmittel lernen und diesen zu verbessern. Dadurch ist eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft möglich. Voraussetzung für eine Teilnahme war das Mindestalter von 16 Jahren und die Fähigkeit, einen Rollstuhl manuell über eine Strecke von mindestens 100 Metern bewegen zu können.

Kostenfreie Termine

Die beiden kostenfreien Termine in Göttingen, wie auch in allen anderen Städten, wurden in Abständen von vier Wochen angeboten. In der Zwischenzeit erhielten die Teilnehmer einen Zugang zu der dazugehörigen Onlineplattform, um das Training zu Hause weiter durchzuführen.

Das FIBS entsendet zu den jeweiligen Trainingstagen ein Team, zumeist bestehend aus einem Rollstuhlfahrer und einem Fußgänger. Eine Einweisung zu Beginn des Projektes bekommen alle Teilnehmer, ehe es dann mit dem Training losgeht. Zwei Einstufungen kommen dazu, damit auch der Grad der Verbesserung deutlich gemacht werden kann.

Keine Überforderung

Der Teilnehmerkreis bewegt sich in der Altersspanne 30 bis 65 Jahre. „Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt“, erklärt Sabine Trost, die bei dem Projekt angestellt ist, für die Trainingseinheiten zuständig ist. Aus Frechen bei Köln ist sie nach Göttingen gekommen, hat über alles ein wachsames Auge, achtet auch darauf, dass keine Überforderung der Teilnehmer erfolgt. Von 9 bis 17 Uhr dauert ein solcher Tag. „Darin enthalten sind aber auch Feedback-Gespräche und ein gemeinsames Mittagessen“, erläutert Trost.

Mobilität 2020 heißt ein bundesweites Projekt von FIBS (Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport). Dabei geht es um mehr Mobilität für Rollstuhlnutzer.

Lisa Steiner ist mit ihren Fortschritten sehr zufrieden. Die Göttingerin, die seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt, freut sich sehr, „dass ich gelernt habe, auf zwei Rädern zu fahren. Dies ist enorm wichtig, wenn es beispielsweise nötig ist, hohe Bordsteine zu überwinden.“

Radius hat sich unheimlich erweitert

Marco Woltermann sieht den Rollstuhl als wichtigen Teil seines Lebens. „Er ist keine Strafe, sondern ein Hilfsmittel, mit dem sich mein Radius unheimlich erweitert hat“, sagt Woltermann. Die Beweggründe, bei dem Projekt mitzuwirken, sind unterschiedlich. So hatte beispielsweise Stefan Matysiak aus Göttingen ein ganz festes Ziel vor Augen. „Ich möchte aus dem Bus aussteigen können, ohne die Hilfe des Busfahrers in Anspruch nehmen zu müssen“, erläutert er.

So viel wie möglich selbstständig tun können, diesen Ansatz haben alle. Auch Günter Babatz, der sogar aus Rinteln angereist ist. „Ich habe es bei Facebook gelesen und wollte gern mitmachen“, erzählt er. Er fühlt sich wohl in der Gruppe, kann jetzt die eine oder andere Situation im Alltag deutlich besser meistern.

Ein Hindernisparcours ist in der Funsporthalle des SC Hainberg aufgebaut worden. Gundlegende Techniken werden dort geübt, wie beispielsweise Kippen und Balancieren, aber eben auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die Hindernisse sind vom Forschungsinstitut mitgebracht worden. Doch bald werden die Göttinger eigene Übungsmittel zur Verfügung haben. „Wir haben die Baupläne dafür bekommen, und der SC Hainberg wird uns die Hindernisse bauen“, ist Marco Woltermann sehr glücklich über den verlässlichen Partner.

Denn es ist ein regelmäßiges Rolli-Training unter dem Dach des SC Hainberg geplant. Der Startschuss soll im März erfolgen. Das Mobilitätstraining ist für alle Menschen gedacht, egal ob mit Rollstuhl, Rollator, Gehstock oder zu Fuß. Dabei geht es darum, ganz viel auszuprobieren, voneinander zu lernen und Hindernisse zu überwinden. Aber es sollen auch Kontakte geknüpft werden. „Raus aus dem Alltag und Spaß haben“, lautet die Devise.

Kontakt unter rollitraining@sc-hainberg.de

Von Vicki Schwarze

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