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Göttingen FKK-Verein und Sportclub: Bund für natürliche Lebensgestaltung Göttingen
Die Region Göttingen FKK-Verein und Sportclub: Bund für natürliche Lebensgestaltung Göttingen
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20:43 17.07.2014
Gut organisiert: Das Logo am Tor zeigt die Mitgliedschaft im Deutschen Verband für Freikörperkultur. Quelle: Heller
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Bördel

Der Verein widmet sich in mehreren Sportbereichen der Freikörperkultur (FKK), mit der viele Menschen heute die abenteuerlichsten Dinge verbinden.

Dabei ist das 63 000 Quadratmeter große Areal bei Bördel ein schöner, aber eigentlich wenig abenteuerlicher Ort. Ein Ort, zu dem Gartenzwerge, Rasenmäher und Blumenbeete passen.

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Auch Hauss, Vorsitzender des BfnL und hauptberuflich in einem Versicherungsbüro tätig, sitzt an einem sonnigen Nachmittag nicht nackt, sondern in Hemd und Krawatte im holzvertäfelten Vereinsheim. Hier sieht es genauso aus, wie man sich ein Vereinsheim vorstellt: Die Wände sind voll mit Urkunden, Abzeichen und Fotos von vergangenen Wettbewerben. Hinten rechts, ebenfalls in Buche natur, ein Tresen mit Zapfanlage.

„Die meisten denken heute an Saunaclub und anderes“

Hauss schüttelt den Kopf, wenn er über die heutige Verwendung des Begriffs FKK spricht. „Es wurde damals leider versäumt, den Begriff zu schützen. Die meisten denken heute an Saunaclub und anderes.“ Und anderes. Davon ist man hier, wo ein Schild mit „Bitte nicht vom Beckenrand springen“ am Swimmingpool steht, meilenweit entfernt.

Die beträchtliche Ausstattung mit Volleyballplätzen, Boule-Feldern und anderen Ertüchtigungsmöglichkeiten macht deutlich, dass es hier vor allem um Sport geht. Neben Volleyball und Boule werden Tischtennis, Fußball, Ringtennis und Leichtathletik angeboten.

Seit kurzem kann man hier sogar das deutsche Sportabzeichen erwerben – auch ohne blankzuziehen. Auf dem größten Bouleplatz der Region wurden bereits zweimal eine deutsche und einmal eine Europäische Meisterschaft ausgetragen.

Berühmten Vertreter der Freikörperkultur

Auch wenn der Verein sportlich viele Erfolge einfahren konnte, plagen Hauss Nachwuchssorgen. Die teilt er sich vermutlich mit allen FKK-Vereinen in Deutschland. „Die Mitgliederzahlen sind überall rückläufig“, sagt er. Die, die bleiben, sind meist alt. Gleichzeitig liege das nicht an der Grundidee selbst: FKK-Reisen, so Hauss, würden auch bei jungen Menschen immer beliebter.

Wahrscheinlich ist das Nacktsein also gar nicht das Problem, sondern die Angst vor Vereinsmeierei. Zumal es übrigens in Göttingen einen berühmten Vertreter der Freikörperkultur gab: Georg Christoph Lichtenberg veröffentlichte schon 1795 im „Göttinger Taschen Calender“ einen Aufsatz mit dem Titel „Das Luftbad“.

Hier preist er die gesundheitsfördernde Wirkung, „den nackenden Körper ganz einer angenehm kühlen oder auch selbst einer kalten Luft auf kurze Zeit auszusetzen“ – auch und gerade in Gesellschaft. Wer es Lichtenberg gleich tun möchte, versichert Marcus Hauss, könne das beim BfnL einmal selbst ausprobieren.

Von Jonas Rohde