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Göttingen Biber in Göttingen überrascht Fachleute
Die Region Göttingen Biber in Göttingen überrascht Fachleute
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00:21 28.03.2019
Biber schwimmen nicht nur, sie sitzen auch mal im hohen Gras. Wo sich das Exemplar vom Göttinger Leinekanal versteckt hält, wenn es nicht gerade Einwohnern über den Weg läuft, ist nicht bekannt. Quelle: dpa
Göttingen

Die Sichtung eines Bibers im Göttinger Leinekanal hat Fachleute überrascht. Ein Landwirt, ein Jäger und ein Mitglied vom Naturschutzbund (NABU) Göttingen ordnen das Auftauchen des Nagetiers ein.

Dieter Hildebrandt, Vorsitzender der Jägerschaft Göttingen, hätte nicht damit gerechnet, dass sich ein Biber im Landkreis aufhält. Andererseits biete der Leinekanal sich als Aufenthaltsort für die großen Nager durchaus an. „Biber bevorzugen langsam fließende Gewässer“, sagt Hildebrandt. Dies sei wichtig für die Biber, damit ihre gebauten Dämme und Burgen sicher seien. Ob ein Biber seinen Lebensraum in der freien Natur oder in Städten nahe des Menschen bevorzugt, spiele daher keine Rolle. „Den kümmert das nicht“, sagt Hildebrandt zur unmittelbaren Nähe des Bibers zum Menschen.

Dämme an schmalen Gewässerstellen

Biber begeben sich zu Frühlingsbeginn auf die Suche nach neuen Revieren, erklärt Hildebrandt. Dabei bewegen sie sich auch weite Strecken über Land und verlassen das Wasser, um nach neuen Biotopen zu suchen. Nicht selten bauen sie Dämme an schmalen Gewässerstellen und stauen das Wasser.

Biber im Leinekanal: Daniela Böning sichtete das Nagetier auf Höhe des Waageplatzes. Quelle: Böning

Zuständige Behörden, wie der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, müssen dann nach Angaben von Hildebrandt auf Kosten der Steuerzahler die Dämme entfernen, um die Flüsse wieder fließen zu lassen und eventuelle Überflutungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen zu verhindern. Der Biber stelle mit seinen Dämmen schließlich auch langsam fließende Wasser, die er bevorzugt, her.

In Bayern, wo die sich vermehrenden Biber teilweise zum Problem wurden, werden die geschützten Tiere in Einzelfällen zum Abschuss freigegeben, so der Jäger. Doch im Raum Göttingen bleibt der Biber vorerst ein seltenes Exemplar. „Uns ist keine andere Sichtung bekannt“, sagt Hildebrandt.

Zeichen für eine Natur, die sich erholt

Die Sichtung eines Bibers wertet Achim Hübner vom Landvolk Göttingen als positives Zeichen. „Wir finden es gut, dass der Biber da ist“, sagt er. Dies zeige, dass die Natur sich erhole und in einem guten Zustand sei.

Hübner zufolge bleibt die Frage, wie mit einem möglichen Siedeln des Bibers umgegangen werden kann. Denn der Biber soll, falls er im Landkreis Göttingen bleibt und siedelt, nicht zum Problem werden. „Doch für solche Überlegungen ist es noch zu früh“, betont Hübner.

Genug Nahrung und Bäume?

Dirk Zimmermann vom Naturschutzbund (NABU) Göttingen findet es ungewöhnlich, dass Passanten einen Biber in der Stadt sichteten. Trotzdem ist er der Meinung, dass es dem Biber in der Innenstadt an Nahrung und Bäumen mangele. Zimmermann kann sich vorstellen, dass der Biber den Leinekanal wieder verlässt und an der Leine in der Nähe einer Streuobstwiese oder an einer Stelle mit genügend Sträuchern auch im Landkreis Göttingen siedelt.

„Wir haben nichts dagegen, dass der Biber da ist. Aber er muss sich selber einrichten“, sagt Zimmermann zu eventuellen Schutz- und Fördermaßnahmen des Tieres. Außerdem müsse er erstmal Artgenossen finden, mit denen er sich niederlässt. Und solange das Tier die einzige Sichtung in der Gegend bleibe, werde er zur Partnersuche wohl weiterziehen.

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Von Lisa Marie Bohlander

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