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Göttingen Fährt doch bald wieder ein Bus zum Kehr im Göttinger Stadtwald?
Die Region Göttingen Fährt doch bald wieder ein Bus zum Kehr im Göttinger Stadtwald?
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11:21 03.12.2019
Fährt wieder: der Bus zum Göttinger Kehr. Quelle: r
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Göttingen/Geismar

Fährt bald doch bald wieder ein Kehr-Bus zum Wildgehege im Göttinger Stadtwald? Die gefühlt unendliche Geschichte um eine Busanbindung des beliebten Naherholungsgebietes ist politisch umstritten. Jetzt gibt es aber neue Ansätze: Die CDU bringt einen kleinen E-Bus ins Spiel – vielleicht in Kooperation mit dem Bürgerbus Dransfeld. Die SPD hingegen will – zumindest übergangsweise – so schnell wie möglich wieder Linienbusse zum Kehr fahren lassen. Im Mobilitätsausschuss des Rates konnten sich die Fraktionen allerdings nicht einigen.

Seit Ende der 1990er-Jahre fährt kein offizieller Bus mehr zum Kehr. Immer wieder aber werden Wünsche laut, die Verbindungen zu reaktivieren. 2017/18 starteten die Göttinger Verkehrsbetriebe einen Testlauf: Sie verlängerten an Wochenendtagen die Strecke der Linie 73 über Geismar in den Stadtwald. Im vergangenen Frühjahr aber erklärten die GöVB doch wieder das Aus. Begründung: Zu wenig Fahrgäste und eine desolate Straße, die für die großen Busse, Busfahrer und Fahrgäste unzumutbar sei.

„Straße für große Busse untauglich“

„Das Problem lässt sich doch mit wenig Aufwand lösen“, warb Hans-Georg Scherer von der CDU im Fachausschuss des Rates für Umwelt und Mobilität für einen neuen Vorstoß seiner Faktion. Die Idee: Wenn die GöVB in den nächsten Jahrenan der Grete-Henry-Straße ihre geplante Ladestation für elektrisch betriebene Stadtbusse bauen, könnte sie eine kleinere Ladesäule für Kleinbusse integrieren. Die könnten dann von dort aus zum Kehr fahren.

Seit 2017 pendelt ein E-Bus zwischen Dransfeld und dem Kauf Park in Grone – organisiert von einem Bürgerbusverein. Quelle: Swen Pförtner

„Für große Linienbusse ist die Straße in einem zu schlechten Zustand, das haben uns alle Experten bestätigt“, ergänzte Katharina Schüle-Rennschuh. Kleine Busse hingegen könnten die Schlaglöcher umfahren und der Betrieb wäre auch bei weniger Fahrgästen wirtschaftlich tragbar. Statt die Straße für Hunderttausende Euro zu sanieren sollten der GöVB 10 000 Euro für die Installation der zusätzlichen Ladestation zur Verfügung gestellt werden.

Auch für den laufenden Betrieb einer E-Buslinie hat die CDU eine Idee: Können die GöVB keinen eigenen kleinen Bus einsetzen, könnte das Team vom Bürgerbus Dransfeld die Strecke bedienen. „Der Verein kann sich das durchaus vorstellen“, so Schüle-Rennschuh. Er fährt zurzeit mit ehrenamtlichen Fahrern mit einem kleinen E-Bus auf der Strecke Dransfeld-„Kauf Park“, hat allerdings Probleme, genügend Busfahrer zu finden.

Testphase „war ein voller Erfolg“

Der SPD unterstützt den Vorstoß durchaus, ihr dauert das allerdings viel zu lange. „Wir brauchen eine schnelle Lösung“, konterte im Ausschuss Tom Wedrins. Und: „So lange noch kein E-Bus angebunden werden kann, sollten wir den Kehr in den Linienbusverkehr einbinden.“ Dazu stellte Wedrins auch gleich einen Ergänzungsantrag.

Besonders das Wild- und Wildschweingehege am Kehr lockt viele Besucher in den Stadtwald. Quelle: BB:Bernd_Beuermann

 

Der Bedarf sei da, die Testläufe seien ein „voller Erfolg“ gewesen. Das die Fahrbahn dafür untauglich sei, „kann ich nicht nachvollziehen“, so Wedrins. Schließlich dürften auch Autos zum Kehr hoch fahren. Wenn die Lage tatsächlich dramatisch sei, „müssten wir die Straße konsequent sperren“. Und gravierende Löcher „könnten sicher vom städtischen Bauhof ertüchtigt werden“.

Das ganze Jahr über ein beliebtes Ausflugsziel: Die Anlagen am Kehr im Göttinger Stadtwald. Quelle: Swen Pfoertner

Die FDP trägt den CDU-Antrag mit. „Wir sollten tun, was technisch und wirtschaftlich möglich ist“, erklärte Felicitas Oldenburg. Falsch wäre es aber, hoch subventionierte Stadtbusse auch noch in Randgebiete fahren zu lassen. Das sieht Nils König vom Klimaschutzbeirat anders: „Wir müssen den ÖPNV grundsätzlich besser ausbauen, können aber nicht jede Lücke mit ehrenamtlich betriebenen Bürgerbussen füllen. Ratsherr Francisco Welter-Schultes (Piraten) brachte die Idee ins Spiel, den Kehr generell zu bewirtschaften – mit Park- oder Zufahrtsgebühren.

Fazit: Alle haben das gleiche Ziel, nur der Weg ist umstritten. Das bleibt vorerst auch so: Der Ausschuss vertagte eine Entscheidung.

Darum fährt zurzeit kein Bus zum Kehr:

Der schwierige Testlauf mit dem Kehr-Bus

Seit Jahren rufen immer wieder Göttinger nach einer Busverbindung zum Kehr im Göttinger Stadtwald. Vor allem ältere Menschen und Vertreter von Behindertenverbänden setzen sich dafür ein, die Verbindung zu reaktivieren. Bis Ende der 1990er-Jahre war der Kehr ans Göttinger Stadtbusnetz angebunden.

2017 hatten die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) schließlich in einer Probephase den Parkplatz am Wildgehege jeweils an den Wochenendtagen angefahren – das Ergebnis ist umstritten. Allein am ersten Wochenende hatten 150 Fahrgäste das Angebot genutzt, berichtete damals das Tageblatt. Zum Saisonende zogen die Verkehrsbetriebe eine ernüchternde Bilanz: Durchschnittlich beförderten die Busse an Sonnabenden 34 und an Sonntagen 86 Fahrgäste. Pro Fahrt waren die Busse damit im Durchschnitt am Sonnabend mit 2,25 Fahrgästen, am Sonntag mit 5,37 Fahrgästen besetzt. Die höchste Auslastung gab es bei der Sonntagsfahrt zum Kehr um 14.33 Uhr. Es fuhren mehr Busnutzer zum Kehr hinauf als zurück. Vermutlich nutzten viele Fahrgäste die Verbindung, um vom Kehr einen längeren Spaziergang hinunter in die Stadt zu unternehmen, so die Erkenntnisse der GöVB.

Nach einer Winterpause nahmen die GöVB 2018 den Betrieb erneut auf. Ab Karfreitag fuhr die Buslinie 73 an den Wochenendtagen zu bestimmten Uhrzeiten über ihren eigentlichen Haltepunkt Grete-Henry-Straße hinaus bis zum Kehr hoch. Aber dann folgte das Aus. Im vergangenen Frühjahr erklärten die GöVB, dass sie den Dienst nicht weiter fahren könnten – im Schnitt 17 Fahrgäste am Tag waren ihr zu wenig.

Begründung: Bauarbeiten in der Innenstadt würden die Fahrzeiten der Linie 73 bereits über Gebühr dehnen. Die Busse könnten am Kehr zwischen dort häufig geparkten Autos kaum wenden. Vor allem aber sei die Straße vorbei am Jägerhaus in den Wald hinein in einem desolaten Zustand. Schlaglöcher und auch damit verbundene Ausweichmanöver seien eine hohe Belastung für die Fahrzeuge. Zugleich würden Fahrgäste dadurch immer wieder über Gebühr durchgeschüttelt und sogar gefährdet.

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Links zum Bürgerbus:

Von Ulrich Schubert

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