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Göttingen Fahranfänger: „Ich weiß, was geht“
Die Region Göttingen Fahranfänger: „Ich weiß, was geht“
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20:42 26.03.2012
Von Ulrich Schubert
Informieren über Gefahren im Straßenverkehr: Karl-Heinz Siebert und Korinna Sander.
Informieren über Gefahren im Straßenverkehr: Karl-Heinz Siebert und Korinna Sander. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Was es für Drogen gibt, wissen sie ganz genau. Wie und wie lange sie im Körper wirken, allerdings  kaum. Und bei den Promillegrenzen raten sie bunt durcheinander. Dabei machen die meisten von ihnen gerade den Führerschein. Kein Wunder, dass ihre Altersgruppe überproportional an Unfällen beteiligt ist, eine Beobachtung aus den Unfallstatistiken, die auch die Polizei alarmierten. Ein Verkehrssicherheitstag für rund 600 Fahranfänger an allen drei berufsbildenden Schulen in Göttingen soll diesem Trend entgegen wirken.

„0,1? Nee, 0,8! Oder 0,0?“ Alle möglichen Werte rufen die 15- bis 18-jährigen Berufsfachschüler für Einzelhandel an der Arnoldischule (BBS I) in den Raum, als der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Göttinger Polizei, Karl-Heinz Siebert, nach den gesetzlich verankerten Promillegrenzen im Straßenverkehr fragt. Die Wenigsten wissen, dass für sie in der Probezeit als Fahranfänger die 0,0-Grenze gilt, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind. Und die meisten unterschätzen, was schon wenige Promille Alkohol im Blut bewirken. Erst ein Ballspiel mit Taucherbrille macht es ein wenig deutlich – die Brille simuliert das Sehverhalten und Reaktionsvermögen nach ein paar Bierchen.

Filmdokumentation über Unfälle

Dass Alkohol am Steuer noch ganz andere Folgen haben kann, haben die jungen Frauen und Männer zuvor in einer Filmdokumentation gesehen – ein Bericht über Unfälle. Obwohl Fahranfänger nur acht Prozent der Bevölkerung ausmachen, stammen laut Polizeistatistik 20 Prozent der getöteten oder schwer verletzten Unfallopfer aus dieser Altersgruppe. 58 Prozent von ihnen haben den Unfall selbst verschuldet.

Besonders besorgt sind Polizei und Schulen, wenn die Jugendlichen auf Disco-Tour sind. Dann seien auch die Mitfahrer erheblich gefährdet, so Siebert. Darum sei es wichtig, auch Jugendliche ohne Führerschein für dieses Thema zu sensibilisieren, erklärt Anke Kelling-Nafe, Beratungslehrerin an der Arnoldischule. Sie müssten lernen, ihren Fahrer im Auge zu behalten und im Ernstfall auch deutlich Nein zu sagen, wenn sich ihr Freund betrunken ans Steuer setzt. Besonders eindringlich warnt Siebert die Jugendlichen vor Drogenkonsum. Die Wirkung solcher Rauschmittel sei viel schwerer einzuschätzen und wirke länger im Körper nach.

Den 17-jährigen BBS-Schüler Delil Berisha hat der Verkehrssicherheitstag „schon ein wenig nachdenklich gemacht“. Aladin Fakhran kann der Aktion hingegen nur wenig abgewinnen: „Ist doch immer das Gleiche“, kritisiert der 18-Jährige. „Ich weiß, was geht“, ist er sicher und will „natürlich“ weiter trinken – auch wenn er fährt.