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Göttingen Fahrgastverband Pro Bahn Südniedersachsen kritisiert Deutschland-Takt
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Fahrgastverband Pro Bahn Südniedersachsen kritisiert Deutschland-Takt

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17:33 23.07.2020
Der Fernverkehrshalt in Göttingen werde „nur auf dem Papier etwas aufgewertet“, kritisiert der Verband Pro Bahn. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Fahrgastverband Pro Bahn Südniedersachsen sieht in den von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und den Verkehrsverbänden vorgestellten Plänen für den Deutschland-Takt zwar einige Verbesserungen für den Bahnverkehr. Insgesamt sei der Verband aber enttäuscht, teilte dessen Vorsitzender Gerd Aschoff mit.

„Es gibt nur vereinzelte Taktverdichtungen. Ein langfristiger Masterplan für ganz Deutschland müsste anders aussehen. Manche Umsteigezeit ist für unsere Region so knapp kalkuliert, dass nur wenige Minuten Verspätung ausreichen, um einen Anschluss zu verpassen“, kommentiert Aschoff das Konzept. „Der Schuss könnte deshalb nach hinten losgehen, wenn die Strecken nicht ausreichend beschleunigt werden.“ Insgesamt sei zweifelhaft, ob mit den nun vorliegenden Plänen die propagierte Verdoppelung der Fahrgastzahlen auf der Schiene realisiert werden könne.

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Fernverkehrshalt soll „etwas aufgewertet“ werden

Auf dem Papier werde nach Analyse des Fahrgastverbandes der Fernverkehrshalt Göttingen etwas aufgewertet. Voraussichtlich würden ab 2025 stündlich acht Fernzüge in der Universitätsstadt halten. Nur ein Teil der Linien wie Hamburg-München verkehre dann im exakten Stundentakt, die übrigen Linien würden „erst durch Überlagerung zu einem Stundentakt, aber nicht minutengenau. Nach Frankfurt geht es mal schnell, mal langsam“, heißt es in der Mitteilung. „Eine Fernlinie soll alle zwei Stunden in beiden Richtungen in Göttingen durchfahren. Um das zu ermöglichen, stehen aber andere Fernzüge eine Weile in Göttingen herum.“

Das Angebot auf zwei schnellen Regionallinien solle laut den Plänen verdoppelt werden. Und im Leinetal soll der Nachfolger des aktuellen „Metronom“ alle 30 Minuten Richtung Hannover verkehren – „allerdings nicht mehr darüber hinaus“, so der Verband.

Keine guten Aussichten im klassischen Nahverkehr

Weitaus weniger gut sehe es im klassischen Nahverkehr aus. „Auf der Südharz- und der Sollingstrecke passiert wenig bis nichts“, so der Harzer Fahrplanexperte Michael Reinboth – womit man dem erklärten Ziel, für das ganze Land flächendeckende Verbesserungen zu erwirken, nicht näherkomme.

Positiv aus Fahrgastsicht sei, dass die Anbindung von Einbeck-Mitte analog zum Leinetal-Regionalexpress zum Halbstundentakt verdichtet werde. „Ebenfalls auf der Plus-Seite, aber eigentlich kein Verdienst des Deutschland-Takts: Zwischen Kreiensen und Holzminden soll im Stundentakt gefahren werden, sobald die Strecke ausgebaut ist“, heißt es in der Mitteilung. Das Zugangebot auf den Strecken GöttingenNordhausen, GöttingenKassel/Bebra, GöttingenPaderborn, GöttingenBad Harzburg, NortheimBodenfelde und BraunschweigHerzberg bleibe nach den Entwürfen aus dem Bundesverkehrsministerium jedoch nahezu unverändert. Spürbar bessere Anschlüsse könnten sich in Elze in Richtung Hameln und in Richtung Hildesheim ergeben, so Pro Bahn.

Anschlussverbesserungen für Südharz und Northeim?

Für den Südharz und den Solling könnten die Anschlüsse in Northeim nach und von Hannover besser werden. Ob die Verbindungen in der Praxis funktionieren würden, „muss bezweifelt“ werden, so Pro Bahn, da die Gutachter des Bundesverkehrsministeriums auf den Südharzstrecken „einen sehr knappen Fahrplan mit Umsteigezeiten in Herzberg und Northeim von nur drei Minuten konstruiert“ hätten, der aus Fahrgastsicht unrealistisch sei. „Die Übergänge in Herzberg von Osterode nach Göttingen sind schon für junge Leute eine Herausforderung und für jeden anderen definitiv nicht zu schaffen“, kritisiert Pro-Bahn-Sprecher Aschoff. In diesem Punkt müsse die Landesnahverkehrsgesellschaft LNVG als Aufgabenträger „dringend“ nachbessern. Aschoff: „Die leidgeprüften Fahrgäste benötigen Anschlüsse, die sicherer sind als heute.“

Eine weitere Verschlechterung sieht Pro Bahn im Wegfall der ICE-Anschlüsse „in der Relation Berlin – Südharz in Braunschweig: drei Minuten Übergang seien „völlig unrealistisch“. Auch die Kappung der durchgehenden Verbindung zwischen Nordhausen und Bodenfelde sowie ein Umsteigezwang in Bodenfelde „dürften die Relation Südharz-Westdeutschland spürbar schwächen“, so Pro Bahn. Eine „völlige Enttäuschung“ sei auch der neue Fahrplan für die Strecke GöttingenPaderborn. Hier sei zwar ein reaktivierter Bahnhalt in Verliehausen eingerechnet, ansonsten bleibe es aber bei zu langen Aufenthalten in Bodenfelde – „elf Minuten in Richtung Göttingen und Adelebsen, fünf Minuten in Richtung Paderborn“.

Keine Änderungen für Nahverkehr von Göttingen nach Kassel

Auch für die Nahverkehrslinien von Göttingen nach Kassel und Bebra seien nach Analyse des Fahrgastverbandes „leider keine Erweiterungen geplant“. Es bleibe beim stündlichen Angebot, das jedoch in Bebra künftig Anschluss an einen schnellen Regionalzug nach und von Frankfurt bieten solle, so Pro Bahn.

„Für die West-Ost-Strecken fehlt der Wille zu Verbesserungen. Viele Anschlüsse sehen nur auf dem Papier gut aus. Generell ist der Deutschland-Takt auf Kante genäht und lässt Aspekte der Betriebsqualität zugunsten einer geschönten Optik außen vor. Als Basis für weitere Überlegungen ist der Entwurf zu gebrauchen, für eine 1:1-Umsetzung in den kommenden fünf bis zehn Jahren eignet er sich allerdings kaum“, heißt es in der Mitteilung von Pro Bahn.

Von Stefan Kirchhoff