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Göttingen Das sagen Busfahrer: „Ohne die Baustellen könnten wir den Takt halten”
Die Region Göttingen Das sagen Busfahrer: „Ohne die Baustellen könnten wir den Takt halten”
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19:13 26.07.2019
Linienbus der Göttinger Verkehrsbetriebe auf der Bürgerstraße. Quelle: jes
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Göttingen

Eine Stunde, drei Linien, sechs Stopps: und das alles pünktlich auf die Minute. Derzeit fahren die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) mit eingeschränktem Angebot. Eine Testfahrt von SPD-Mitgliedern zeigt, in der Ferienzeit schaffen es die Fahrer, den engen Zeitplan einzuhalten.

„Kommen Sie mal in der Schulzeit wieder, dann stünden wir jetzt noch auf der Kasseler Landstraße in Höhe Stadtfriedhof”, sagt Busfahrer Michael Vetterick. Er fährt heute die Linie 32 – Abfahrt 7.35 Uhr ab Kaufpark über Grone-Süd zum Bahnhof. Pünktlich und 7.54 Uhr steigen seine Fahrgäste der SPD-Ratsfraktion dort aus.

Testfahrt mit der SPD: Wedrins, Bury, Grothey und Binkenstein steigen ein. Quelle: bib

„Jetzt, in der Ferienzeit ist es viel entspannter”, erzählt der Fahrer. Dennoch sei, vor allem wegen der vielen Baustellen, bei regulärem Berufsverkehr der Takt kaum zu schaffen. Normal sei eine Baustelle pro Line, derzeit seien es bis zu drei. Kollege Uwe Nolte, der die Linie 32 um 7.14 Uhr ab Bahnhof zum Kaufpark steuert, ist Kraftfahrer aus Passion. Seit mehr als 30 Jahren ist er Busfahrer, hat mehrere Millionen Kilometer in seinem Leben hinter dem Steuer verbracht. Nolte weiß: „Seit 15 Jahren wird der Ton der Fahrgäste immer rauer. Früher, das galt der Busfahrer noch etwas”, sagt er. Der resolute Mann weiß damit umzugehen. Als wegen eines Gefahrstoffunfalls tagelang die Autobahn gesperrt war, bediente er die Linie nach 14 Rosdorf – inklusive Dauerstau. „Eine Frau pöbelte mich an, dass ich doch mal Gas geben sollte. Ich hielt den Bus an, öffnete die Tür und sagte ihr, dass sie ja fahren könne, wenn sie alles besser weiß. Danach war Ruhe”, sagt er.

„Fahren, das ist mein Leben“

Mit unflätigen Fahrgästen und mit dem üblichen Stress können Vetterick und Nolte umgehen. „Ohne die Baustellen könnten wir den Takt halten”, sagt Nolte. Nach all den Jahren hat er die Freude am Busfahren nicht verloren. „Fahren, das ist mein Leben”, sagt er.

Noltes junger Kollege Burjah Salija, der heute die Linie 61 steuert, sieht das ganz ähnlich. Auch wenn die Baustellen und der mangelnde „Respekt“ der Fahrgäste eine zusätzlich Belastung sind, als Busfahrer trage man die Verantwortung für die Fahrgäste. „Man muss den Job attraktiver machen und besser bezahlen”, findet er. „Trotzdem mach es mir Spaß, ich bin gerne unterwegs”, sagt der junge Mann.

Hermann (li) und Windwehe. Quelle: bib

Erst am Bahnhof, dann an der Haltestelle Markt treffen die Sozialdemokraten auch auf Hubert Windwehe. Der Mann von der GöVB hat ein Tablett dabei, auf dem er die Bustouren verfolgen kann. „Bislang keine Probleme”, sagt er am Morgen am Bahnhof. Tom Wedrins, Fraktionschef der SPD im Rat, will von den Fahrern unter anderem wissen, ob sie denn auch geteilte Dienste leisten müssen. Das bestätigen sie. Zwei Frauen, die regelmäßig durch die Stadt und nach Rosdorf fahren, haben Verständnis für die Maßnahmen. „Ich brauche nur am Mittag wenige Minuten länger“, sagt die Rosdorferin.

SPD-Mann Klaus Peter Hermann, der wie auch Volker Grothey im Aufsichtsrat der GöVB sitzt, sagt, dass etwa 60 Busfahrer fehlen. „Derzeit sind 50 der 250 Fahrer erkrankt, 22 sind chronisch krank”, sagt er. Die Krankenquote hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. 2016 lag sie bei den Busfahrern noch bei 7,8 und stieg bis 2018 auf 21,1. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres betrug der Wert 15,6.

CDU und SPD bringen Thema in den Rat

Die Ausfälle, die seit Beginn des Jahres immer wieder zu dem eingeschränkten Fahrplan geführt haben, sind auch Thema in der Politik. „Die SPD-Ratsfraktion fordert ein innovatives Personalmanagement mit einer vorausschauenden Personalentwicklung für die GöVB damit Engpässe zukünftig besser überbrückt werden können“, so Wedrins. „Wir werden dazu nach der Sommerpause eine Ratsinitiative ergreifen.“ Hermann gibt ihm recht, er fordert „eine angemessene tarifliche Bezahlung und Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen.“ Hermann: „Eine zeitlich begrenzte Ausdünnung von nicht gut frequentierten Linien ist eine vernünftige Maßnahme, um für die gesunden Mitarbeiter die Möglichkeit zu schaffen, aus 2018 zurückgestellten Urlaub auch wirklich zu nehmen.” Die Informationen über die Änderungen aber müssten rechtzeitig auch den Haltestellen ausgehängt werden, meint Sylvia Binkenstein. Auch die CDU hatte sich bereits geäußert. Die CDU-Fraktion will das Thema im Umweltausschuss des Rates der Stadt am 29. August diskutieren.

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