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Göttingen Fahrplan zur Entscheidung über Zukunft der Stadthalle steht
Die Region Göttingen Fahrplan zur Entscheidung über Zukunft der Stadthalle steht
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15:46 30.03.2017
Von Michael Brakemeier
Stadthalle am Albaniplatz in Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Für Kulturdezernentin Petra Broistedt ist die Sache klar: Als Lösung für die 1964 eröffnete Halle bevorzugt sie, wie sie im Kulturausschuss deutlich machte, eine umfassende Sanierung. Doch Teile der Ratspolitik sind sich nicht so sicher: »Eine vorschnelle Entscheidung in Richtung Sanierung sehen wird skeptisch«, sagte der Grünen-Politiker Ulrich Holefleisch.

Doch viel Zeit bleibt nach Einschätzung der Architektengruppe Wagner nicht mehr: »Der Lebenszyklus der Stadthalle hat eine sehr problematische Phase erreicht, nachdem jahrzehntelang immer nur die notwendigen Investitionen für Modernisierungen und Reparaturen ohne ein Gesamtkonzept getätigt wurden, um den Veranstaltungsbetrieb zu ermöglichen«, heißt es in ihrem mehr als 150-seitigen Gutachten, das vorerst nur der Ratspolitik vorliegt. Was die Gutachter vorsichtig formulieren, nennen Ratsmitglieder hinter vorgehaltener Hand »jahrelange Flickschusterei«.

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Auf Anfrage der CDU hatte Stadtbaurat Thomas Dienberg erläutert, dass die Mängel nicht »durch kleinere Sanierungsmaßnahmen« behoben werden könnten. »Ein Betrieb über 2018 hinaus wäre nicht möglich.«

Von den 1204 im Gutachten erfassten Bauteilen hätten »maximal 236 ein Chance, die Sanierung zu überleben«, heißt es darin. Ein bislang grober Terminplan für eine Sanierung sieht einen Baubeginn ab Anfang Juni 2018 und eine Wiedereröffnung Mitte Mai 2020 vor - knapp vor den Jubiläumshändelfestspielen.

Unklar ist noch, wohin während der Bauzeit das Göttinger Symphonie-Orchester und die Händelfestspiele als Hauptnutzer der Halle ausweichen. Die Verwaltung sei mit der Universität über Alternativen im Gespräch, weitere Möglichkeiten würden geprüft. Doch erst wenn die Sanierungsentscheidung getroffen sei und der Bauzeitenplan vorliege, könne konkret geplant werden, sagte Dienberg.

Die Gutachter beziffern die Kosten für die Sanierung der Halle auf brutto 22,8 Millionen Euro, ohne Einrichtungen für etwa Saal und Küche. »Eine Garantie kann nicht gegeben werden, aber die Versicherung, dass die Kosten auf höchstem Niveau ermittelt wurden«, heißt es im Gutachten.

Kosten für einen möglichen Anbau geben die Gutachter »grob hochgerechnet« mit knapp 11 Millionen Euro an. Für einen Hallenneubau hatten sie 40 bis 45 Millionen Euro Kosten genannt. Dienberg weist darauf hin, dass dazu derzeit »keine genauen Aussagen“ gemacht werden könnten, »da Umfang, Funktion, Ausstattung und Standards für den Neubau unklar sind«. Eine genaue Kostenschätzung dafür würde nach Broistedts Angaben eine »mittlere sechsstellige Summe« kosten. Dienberg gibt die Bauzeit für einen Neubau mit drei bis fünf Jahren an.

Den Fahrplan zur Stadthallenentscheidung hat Broistedt skizziert: Für den 6. April ist eine Sitzung von Kultur- und Bauausschuss geplant. Dazu will die die Verwaltung eine Vorlage erstellen, in der die einzelnen Varianten vorgestellt und erörtert werden sollen. Vier Wochen haben die Fraktionen dann Zeit. Am Donnerstag 4. Mai, sollen beide Ausschüsse zu einer Empfehlung an den Rat kommen. Dieser, so der jetzige Plan, entscheidet am Freitag, 12. Mai, abschließend über die Zukunft der Stadthalle.