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Göttingen Fahrrad-Chaos in der City ruft Politiker auf den Plan
Die Region Göttingen Fahrrad-Chaos in der City ruft Politiker auf den Plan
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16:00 06.09.2019
Jede Möglichkeit zur Sicherung von Fahrrädern wird genutzt - wie hier am Nabel. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Das Fahrradchaos in der Unistadt, das auch im ersten Göttinger Tatort gestreift wurde, beschäftigt erneut die Kommunalpolitik. Ein Prüfantrag der SPD an die Stadtverwaltung zu Abstellplätzen in der Innenstadt für die Ratssitzung am 13. September fällt auch bei den anderen Ratsparteien auf fruchtbaren Boden. Grundlage des Antrags ist das 2012 einstimmig beschlossene Fahrrad-Abstellanlagenkonzept, das nur in Teilen umgesetzt worden sei. Das Konzept solle an den aktuellen Bedarf angepasst, bereits geplante Anlagen kurzfristig errichtet werden.

Wer sein Fahrrad direkt vor Geschäfte in die Fußgängerzone mitnehmen will, hat es nicht einfach, eine freie Laterne zum Anketten zu finden, die er sich mit das Bein hebenden Hunden teilen kann. Auch das Konzept, die Abstellanlagen am Busring um die Fußgängerzone zu bündeln, stößt an Kapazitätsgrenzen. Die Anlehnbügel und Fahrradständer an der Peripherie der Fußgängerzone reichen zumeist nicht aus, freie Flächen werden zugestellt, wildes Parken behindert immer wieder die Passanten. Tageblatt-Anfragen zur Konzeptumsetzung samt Zahlen könne die Stadt nicht zeitnah beantworten, sagt Verwaltungssprecherin Cordula Dankert und verweist auf den SPD-Prüfantrag.

Auch Pro City will mehr Stellplätze

„Wir brauchen unbedingt viel mehr Stellplätze“, sagt Pro-City-Vorsitzende Susanne Heller: „Die Fahrräder stehen unsortiert in langen Reihen, viele Kunden kommen mit immer hochwertigeren Rädern, um deren Sicherheit sie bangen.“ Seit Jahren sei in relevanten Bereichen nichts passiert. Wenn die öffentliche Hand ordnend eingreife, würden sich auch die Gewerbetreibenden einbringen. „Platz ist vorhanden“, meint Hellers Stellvertreter Robert Vogel. Der könne kleinteilig genutzt werden. Dabei müsse es Unterbrechungen geben, Eingangsbereiche von Geschäften seien freizuhalten, zu Schaufenstern ausreichend Abstand einzuhalten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Tom Wedrins (l.) sieht Nachbesserungsbedarf bei den Fahrradstellflächen in der Innenstadt. Quelle: Kuno Mahnkopf

Bei einem Rundgang der SPD-Fraktion samt Bügel-Zählung wurde auch mangelnde Verkehrsdisziplin und der Umgang mit stehengelassenen Schrotträdern thematisiert. Anregungen reichten von umzufunktionierenden Rangierschutz-Pollern bis zu Metallringen um Baumscheiben. „Es wäre schon viel gewonnen, wenn wenigstens der Plan umgesetzt würde“, meint Sylvia Binkenstein (SPD)„Wir brauchen gezielte und sichere Anlaufpunkte für Fahrradfahrer“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Tom Wedrins. Ebenso wichtig sei eine Verbesserung der Parksituation für Autos.

„Zentrales Thema in Göttingen

Neue Parkmöglichkeiten für Fahrräder dürften nicht auf Kosten von Pkw-Parkplätzen gehen, meinen auch FDP-Fraktionsvorsitzende Felicitas Oldenburg und CDU-Fraktionsvorsitzender Olaf Feuerstein, die den Prüfantrag grundsätzlich begrüßen. „Radfahren ist ein zentrales Thema in Göttingen und wichtig für eine lebendige Innenstadt“, meint Oldenburg: „Wir müssen alles umsetzen, was machbar und finanzierbar ist.“ Vor dem Carré und an anderen Standorten würden sich die Fahrräder ballen, sagt Feuerstein und sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Bevor der präzisiert werden könne, müsse die Antwort der Verwaltung abgewartet werden.

„Wir brauchen zwar auch kleinteilige Abstellflächen in der Innenstadt, müssen aber anders vorgehen“, meint Rolf Becker. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen hält auch mit Blick auf die zunehmende Zahl an E-Bikes zentrale, sichere und größere Abstellflächen nach niederländischem Vorbild für sinnvoll, nennt als eine Standortmöglichkeit den Hiroshima-Platz vor dem neuen Rathaus. „Wir brauchen mehr Abstellplätze, völlig klar“, meint auch Rolf Ralle (Linkspartei). Sinnvolle und Fußgänger nicht störende Standorte sollten in den Fachausschüssen geklärt werden.

Jahr für Jahr werden in Göttingen 1200 Fahrräder gestohlen

Viele Fahrradfahrer in Göttingen bangen um ihre teilweise hochwertigen Vehikel, wenn sie sie im öffentlichen Raum abstellen. Die Sorge ist nicht unberechtigt. Im Stadtgebiet würden im Schnitt jährlich etwa 1200 Fahrräder als gestohlen gemeldet, sagt Polizei-Sprecherin Jasmin Kaatz. Als Brennpunkte nennt sie Bahnhof, Lokhalle, Uni, Klinikum und den gesamten Innenstadtbereich – dort häufig an Abstellplätzen mit vielen Fahrrädern. Im vergangenen Jahr seien sogar rund 1500 Diebstähle registriert worden: „Der Anstieg begann im Oktober 2018 und setzte sich im ersten Quartal 2019 fort.“ Seitdem sei wieder ein Rückgang der täglich angezeigten Fahrraddiebstähle zu verzeichnen. Sicherlich gebe es eine Dunkelziffer nicht gemeldeter Diebstähle. 250 bis 300 Fährräder pro Jahr würden in Göttingen aufgefunden oder bei Tatverdächtigen sichergestellt, leider könne mangels Anzeige oder Eigentumsnachweis nur ein kleiner Teil davon wieder an die rechtmäßigen Eigentümer ausgehändigt werden. Deshalb bietet die Polizei auch eine Fahrradregistrierung an. ku

Von Kuno Mahnkopf

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