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Göttingen Fahrradstadt Göttingen: Zu viele Räder, zu wenig Stellplätze
Die Region Göttingen Fahrradstadt Göttingen: Zu viele Räder, zu wenig Stellplätze
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19:10 29.07.2011
Chaos und Parkplatznot: Fahrräder am Göttinger Bahnhofsvorplatz.
Chaos und Parkplatznot: Fahrräder am Göttinger Bahnhofsvorplatz. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Vorplatz am Göttinger Bahnhof hat, das Fahrradparkhaus inbegriffen, Kapazität für etwa 1500 Räder. Nach Auskunft der Stadt sind dort jedoch täglich 2000 abgestellt. Aber: Viele der sonst so umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel sind nur noch Schrott. Bei einigen fehlt der Sattel, andere haben stark verbogene Reifen. Diese Schrotträder beanspruchen Platz. Die Stadt versucht bereits, das Problem einzudämmen. Zwei- bis dreimal im Jahr hängt an jedem defekten Rad ein Zettel, der ankündigt, dass das Rad abgeholt wird. Wenn innerhalb von sechs Wochen kein Anspruch auf Eigentum erhoben wurde, werden die Schrotträder entfernt.

Um es der Verwaltung zu erleichtern, regt die CDU-Ratsfraktion an, durch gerichtsfeste Regelungen den Kommunen eine echte Handhabe zu schaffen, um das Chaos einzudämmen. „Wie das konkret aussehen soll, wissen wir nicht“, teilt die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, Karin Schultz, mit.

Um insgesamt eine Verbesserung der Situation zu schaffen, ist eine generelle Umgestaltung des Fahrradparkplatzes geplant. Da der Platz aber nicht ausgeweitet werden kann, müsse es „ein neues System von Anlagen, die mehr Platz und Sicherheit ermöglichen“ geben, teilt Stadtsprecher Detlef Johannson mit. Um was für Anlagen es sich hier handeln soll, erklärt Bürgermeister Ulrich Holefleisch von der Grünen-Ratsfraktion: „Die geplanten neuen Anlagen haben den Vorteil, dass man mehr Fahrräder pro Quadratmeter unterbringen kann und dass das wilde Parken verhindert wird.“ Die Anlagen sind so konzipiert, dass die Räder höhenversetzt in Halterungen geparkt werden können. Kennengelernt hat Holefleisch diese Art der Fahrradabstellmöglichkeit in Amsterdam, wo dieser Typ schon sehr verbreitet ist. Attraktiv sollen die neuen Anlagen eventuell durch Überdachung gemacht werden. Eine solche Parkmöglichkeit ist bereits hinter dem Bahnhof (Richtung Lokhalle) zu finden. Chaos ist hier nicht zu erkennen.

Auch in der Innenstadt ist es schwierig, in und um das Gebiet der Fußgängerzone, einen geeigneten Stellplatz für sein Rad zu finden. So kommt es, dass viele Radler ihr Gefährt mit in die Einkaufsmeile nehmen und es direkt vor den Geschäften an Laternen oder direkt vor Schaufenstern anschließen „Es ist sicherlich noch mehr Bedarf an Stellplätzen in diesem Bereich vorhanden, aber wir sind immer auf der Suche nach geeigneten Standorten“, versichert Johannson. Die Bequemlichkeit der Bürger, direkt vor dem Eingang parken zu wollen, „um keinen Meter zu Fuß zu gehen“, sei laut Johannson aber auch Ursache für das chaotische Parken.

Ein weiterer Ort, an dem der Platzmangel deutlich wird, ist der Eingangsbreich von Kaufland in der Kurzen Geismarstraße: Hier drängen sich die Drahtesel auf den gekennzeichneten Flächen dicht aneinander. Die Folge: es wird aufgrund von Platznot auf den verbotenen Bereich direkt vor dem Eingang ausgewichen. Deswegen „beschweren sich etwa zweimal in der Woche Kunden“, berichtet Kaufland-Mitarbeiterin Jennifer Schäfer. Um auch hier Abhilfe zu schaffen, stellt die Grünen-Ratsfraktion am Donnerstag, 18. August, einen Antrag im Bauausschuss auf eine festgelegte Satzung. Sie soll besagen, dass „jeder verpflichtet ist, Raum für Fahrräder zu schaffen“, erklärt Holefleisch. Ob diese Forderung von den anderen Fraktionen angenommen wird?

Von Anne Hegner