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Göttingen Falkenreck-Stiftung saniert Göttinger Spendenengel
Die Region Göttingen Falkenreck-Stiftung saniert Göttinger Spendenengel
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00:30 05.05.2018
Die Spendenengel vor dem Städt. Museum stammen aus dem Jahr 1890; drei wurden damals im Stadtgebiet aufgestellt. Zwei davon sind seit Jahren im Museumsgarten und werden gerade restauriert. Quelle: r
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Göttingen

Mehr als 40 Jahre haben die beiden gusseisernen Engelsskulpturen die Besucher des Städtischen Museums begrüßt. Jetzt sind die stummen Zeugen des Museumsgeschehens verschwunden. Aber nicht für immer. Sie sollen fachgerecht restauriert werden und dann an ihren angestammten Platz zurückkehren.

Die rund 150 Jahre alten Engel sind in die Jahre gekommen. Wind und Wetter haben ihnen arg zu gesetzt. Tiefgehenden Rost, Moose und Flechten haben sie angesetzt. An vielen Stellen platzt der graue Ölanstrich von den Figuren und den Spendenkästen ab, die sie in den Händen halten.

Im Museumsgarten, links und rechts des Museumseingangs, stehen die beiden verbliebenen Göttinger Spendenengel. Quelle: Hinzmann

„Die Restaurierung der Engel stand nicht ganz oben auf unserer Prioritätenliste“, räumt Museumsleiter Ernst Böhme ein. Ein Glücksfall sei es gewesen, als die Stiftung Falkenreck aus Hannover auf das Museum zu gekommen ist und eine Restaurierung aus Stiftungsmitteln und Spenden zu ermöglichen. „Da haben wir nicht nein gesagt“, sagt Böhme.

Spenden für notleidende Mitbürger

Die Stiftung habe „viele dieser und ähnlicher Kunstwerke gerettet und durch anerkannte Fachleute wieder in den Ursprungszustand bringen“, erklärt Ingrid Falkenreck aus dem Stiftungsvorstand.

„Im Jahr 1854 hatte der hannoversche Pastor Wilhelm Bödeker die Idee, mit Hilfe von Engelsskulpturen Spenden für notleidende Mitbürger zu sammeln“, sagt Falkenreck. Bödeker war evangelischer Pastor in der Marktkirche Hannover und bekannt für seine gemeinnützige Arbeit.

Bildhauer Georg Hurtzig hat die Skulpturen entworfen. Quelle: r

Der Bildhauer Georg Hurtzig hat die Skulpturen entworfen. Einige dieser insgesamt 15 Engel wurden, so berichtet Falkenreck weiter, in der „Eisengiesserey“ von Georg Egesdorff „in Linden vor Hannover“ – später Hanomag – gegossen. Zu finden waren die Engel dann an Friedhofsausgängen und Parkeingängen, wo sie mit dem Kollektenkasten auf dem rechten Knie und mit lächelnder Geste um Spenden baten.

Drei der Skulpturen gelangten nach Göttingen. Der aus Osnabrück stammende Bödeker hatte hier studiert.

Die Spendenengel vor dem Städt. Museum stammen aus dem Jahr 1890. Drei wurden damals im Stadtgebiet aufgestellt. Zwei davon sind seit Jahren im Museumsgarten und werden gerade restauriert. Quelle: r

„Sie standen an den Stadttoren“, berichtet Museumsleiter Böhme. Ab 1858 am Anfang der heutigen Goetheallee, am Geismartor ab 1885 und am Albanitor ab 1896

Zweck der Engel war es, milde Gaben zu erbitten, so Böhme. In Göttingen dienten die Engel vor allem während des Ersten Weltkriegs und in den 1920er Jahren auch als „Kummerkasten“ für die Nöte und Wünsche der Menschen, erklärt Böhme. Diese Wünsche seien dann auch regelmäßig in den Göttinger Zeitungen veröffentlicht worden.

Schulgebäude zu Gastwirtschaften

„Es hatte sich die Sitte eingebürgert, das Geld in kleine Zettel eingewickelt, auf denen dann sehr konkrete Bitten, Vorschläge – oder auch harte Kritik geäußert wurde“, schrieb Wolfgang Alexander 1980 in den Göttinger Wochenblättern. So seien etwa 10 Pfennig mit der Bitte „Befreie uns doch von dem Klaviergeklimpere am Albani-Thor“ geopfert worden, berichtet Alexander von einem Beispiel. Ein anderer Göttinger bittet: „Lieber Engel, bitte doch den Magistrat, dass er die leerstehenden Schulgebäude mit Gastwirtschaften belegt, damit die wenigstens noch Zinsen abwerfen.“ In einer anderen Bitte heißt es: „Mehr als zehn Menschen liegen in der Lange Geismarstraße an Typhus. Ich bitte Dich, lieber Engel, sende ein Mittel, die Lumpen, Knochen und verwesten Tierfelle aus unserer Nachbarschaft zu verbannen, nur diese verpesten die Luft.“

Reparatur mit Schweißbrenner und Hammer

Einer der drei Göttinger Engel ist zerstört worden und spurlos verschwunden, einer befand sich lange Zeit im Privatbesitz von Adele Schacke, der dritte war beim Bauhof eingelagert. „Erst in den 60er, 70er Jahren gelangten sie in den Besitz des Museums“, erläutert Böhme. Seitdem sind die knieenden Engel immer mal wieder ausgebessert worden – mit Schweißbrenner und Hammer, auch einen neuen Anstrich hat es 1976 gegeben.

Inzwischen befinden sich die beiden Göttinger Engel in der Werkstatt von Restauratorin Vera Fendel in Gehrden bei Hannover. Schwerpunkt ihrer restauratorischen Tätigkeit umfasst nach eigenen Angaben die Restaurierung und Konservierung von archäologischen und kunsthandwerklichen Objekten. Seit 1989 ist Fendel als selbstständige Restauratorin in Niedersachsen tätig und arbeitet vorwiegend für öffentliche Auftraggeber.

Rost am Spendenkasten. Quelle: r

Die Mängelliste nach einer ersten Begutachtung durch das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege ist lang: Die „der jetzige monochrome graue Ölanstrich ist an vielen Stellen abgewittert und kreidet bereits“, heißt es. Korrosion zerstöre das Erscheinungsbild, an vielen Stellen reiche sie bereits weit in das Material. An den Nahtstellen hat sich Moos angesiedelt, das durch Feuchtigkeit die Korrosion fördere. Zudem sei verwendetes Blei in den Nahtstellen beschädigt. Hinzu komme, dass die Schutzdächer auf den Spendenkästen in Form und Größe sehr unterschiedlich seien. Die beiden Steinsockel stünden im feuchten Erdreich, seien stark bemoost und trügen zur Korrosion an den Figuren bei.

„Die Engel sind zu retten“

Die Liste mit Fendels Restaurierungsarbeiten ist lang. Nicht nur sollen die achteckigen Sockel gerichtet und gesäubert werden. Vor allem die Statuen sollen gereinigt und restauriert werden. Dann sollen die Figuren konserviert und wieder auf den Sockeln befestigt werden.

„Die Engel sind sehr stark korrodiert“, sagt Fendel. Auch im Inneren seien die Figuren „sehr stark“ beschädigt, erläutert die Restauratorin. Die gute Nachricht: „Die Engel sind zu retten.“

Arbeiten sollen im Frühjahr 2019 beendet sein

Fendel wartet nun auf die Genehmigung durch das Landesamt für Denkmalpflege. Dann könne sie mit ihrer Arbeit beginnen. Sie rechnet damit, dass die Arbeiten im Frühjahr 2019 beendet sind.

Die Restaurierungskosten schätzt die Stiftung auf rund 15000 Euro. Sie bittet nun um Spenden für die „Rettung der Göttinger Spendenengel“. Nach der Rettung sollen sie wieder an die Eingangspforte des Museums im Ritterplan zurückkehren.

Von Michael Brakemeier

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