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Göttingen Falscher Stadtwerke-Mitarbeiter unterwegs
Die Region Göttingen Falscher Stadtwerke-Mitarbeiter unterwegs
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14:37 14.07.2011
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Wie die Bestohlene gegenüber der Polizei angab, klingelte es gegen 14.10 Uhr an der Eingangstür des Mehrfamilienwohnhauses. Als sie ihre Wohnungstür öffnete, habe eine männliche Person vor ihr gestanden, sich als "Mitarbeiter der Stadtwerke" vorgestellt und vorgegeben, dass er die Wasserrohre, -hähne und Heizkörper in ihrer Wohnung überprüfen müsse.

Die 81-Jährige ließ den Betrüger daraufhin eintreten. Gemeinsam ging man ins Bad, wo der Unbekannte die Rentnerin aufforderte, die Mischbatterie der Badewanne aufzudrehen.
Gleichzeitig drückte er ihr die Duschbrause in die Hand und verließ "für kurze Zeit" das Bad, um "gleich wiederzukommen".

Nach wenigen Minuten hörte die Göttingerin plötzlich das Schließen der Wohnungstür und wurde misstrauisch. Als sie in den anderen Zimmern nachsah, stellte sie den Diebstahl ihrer Ersparnisse aus einem der Schränke fest.

Von dem Trickdieb fehlt bislang jede Spur. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei Göttingen unter Telefon 0551/491-1013 entgegen.

Täterbeschreibung:
Etwa 175-180 cm groß, zwischen 25 und 30 Jahre alt, vermutlich Deutscher, kräftige Statur, rundes, glattes Gesicht, kleine zusammengedrückte, helle Augen, dunkle Augenbrauen, bekleidet mit einem blauen Basecap mit gelblichem Schriftzug, einer blauen, etwa hüftlangen Stoffjacke (mit vermutlich demselben gelben Schriftzug im Brustbereich) mit aufgesetzten Brusttaschen und einer gleichfarbigen Stoffhose.

Die Polizei rät:

Trickdiebstahl in Wohnungen ist nach dem Taschendiebstahl auf der Straße die vermutlich häufigste Straftat, von der ältere Menschen betroffen sein können. Alle bekannten Täter-Arbeitsweisen lassen sich
auf drei Grundmuster zurückführen:

  1. das Vortäuschen einer Notlage, die scheinbar eine Hilfeleistung oder Unterstützung durch
    das Opfer in der Wohnung erfordert.
  2. das Vortäuschen einer offiziellen Funktion, die den Täter vermeintlich zum Betreten der
    Wohnung berechtigt
  3. das Vortäuschen einer persönlichen Beziehung zum Opfer, die eine Einladung zum Betreten der Wohnung nahe legt. Im Gegensatz zu ausländischen täuschen deutsche Täterinnen und Täter eher eine offizielle Funktion oder sonst eine Befugnis zum Betreten der Wohnung vor. Sie kommen beispielsweise angeblich als Handwerker, von den Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerken, von der Hausverwaltung, von der Kirche, von der Rentenversicherung oder Krankenkasse, von der Polizei, von der Post oder vom Sozialamt. Dabei kündigen sie ihren Besuch gelegentlich sogar vorher telefonisch an, um mögliche Bedenken schon im Voraus zu zerstreuen und ein Vertrauensverhältnis zum Opfer aufzubauen.

Tricktäter sind erfinderisch und schauspielerisch begabt. So denken sie sich immer neue "Schachzüge" aus, die an dieser Stelle nie vollständig aufzuzählen sind. So gehen Sie Trickdieben nicht auf den Leim. Für Trickdiebinnen und Trickdiebe, die in Wohnungen aktiv werden, gibt es nur ein einziges ernsthaftes Hindernis, das sie überwinden müssen, um zum Erfolg zu kommen: die gesperrte oder geschlossene Wohnungstür.

Daher gibt die Polizei folgende Ratschläge:

  • Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung.
  • Sehen Sie sich Besucher vor dem Öffnen durch den Türspion oder mit einem Blick aus dem Fenster an und machen Sie von Ihrer Türsprechanlage Gebrauch.
  • Öffnen Sie die Wohnungstür niemals sofort - legen Sie immer Sperrbügel oder Sicherheitskette an.
  • Ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu, wenn unbekannte Besucher vor der Tür stehen, oder bestellen Sie die Besucher zu einem späteren Termin, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Fordern Sie von Amtspersonen immer den Dienstausweis und prüfen Sie ihn sorgfältig (nach Druck, Foto und Stempel). Sorgen Sie dazu für gute Beleuchtung und benutzen Sie, wenn nötig, eine Sehhilfe.
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an. Suchen Sie dazu die Telefonnummer selbst heraus und ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu.
  • Lassen Sie Handwerker nur dann herein, wenn Sie sie selbst bestellt haben oder wenn sie von der Hausverwaltung angekündigt worden sind.
  • Beim geringsten Verdacht oder Zweifel rufen Sie sofort über Notruf 110 die Polizei!

ots/fh