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Göttingen Falscher Verdacht: DJ entlastet
Die Region Göttingen Falscher Verdacht: DJ entlastet
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20:22 19.11.2010
Von Jürgen Gückel
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Der Verdacht hat ihn hart getroffen, dabei hat er als Jurastudent noch viel Verständnis für die Fahndungsmaßnahmen von Polizei, Staatsanwalt und Gericht. Für die künftigen Kollegen hofft der angehende Jurist, dass sein Fall die Fahnder zu mehr Vorsicht im Umgang mit Fotos aus dem Internet ermahnt.
Passiert ist dies: Piet P. (Name geändert) war mit Gästen fotografiert worden. Den Schnappschuss stellte die Disco auf ihre Homepage. Bei der Polizei recherchierte man einen Kreditkartenbetrug, zu dem es ein Foto aus der Überwachungskamera einer Wolfsburger Tankstelle gibt (Tageblatt berichtete). Während ein Polizist auf der Seite der Disco surfte, entdeckte er die Ähnlichkeit des dort Abgebildeten mit dem Täter.

Wäre man nun mit dem Foto in die Disco gegangen, hätte man die Identität des Abgebildeten schnell ermittelt. Jedermann kennt ihn in dem Club. Stattdessen wurde per Gerichtsbeschluss Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet – mit Täterfoto und dem aus dem Gruppenfoto herausgeschnittenen DJ-Konterfei. Als dieses am Donnerstag ins Netz gestellt wurde, klingelte Piet P.s Handy ohne Unterlass. Alle wiesen ihn auf die Verwechslung hin, alle lachten, „und ich lachte erst auch“, sagt P. Dann rief er die Polizei an, meldete sich als „der Gesuchte“, bat die örtlichen Zeitungen, sein Foto aus dem Netz zu nehmen. Doch bei der Polizei reagierte man zunächst nicht. Schlimmer noch: Die Fahndung mit seinem Bild sollte trotz der Zweifel weiterlaufen.
P. marschierte zur Innenstadtwache, um sich „verhaften zu lassen“. Man schickte ihn weg. In der Groner Landstraße musste er erst massiv werden, ehe er einen Vorgesetzten zu sprechen bekam. Schließlich wurde der Sachbearbeiter aus dem Feierabend gerufen, der „kam in entsprechender Stimmung, für den war ich der Täter“.

Erst der Vergleich der Fotos brachte die Wende: „Was regen sie sich auf, das sind sie doch gar nicht“, habe der Beamte gesagt, denn der Rotstich in den Haaren stammte nur vom Disco-Licht. Schließlich gelang es P., die Polizei dazu zu bewegen, sein Foto zurückzuziehen. Doch da war es längst tausendfach verbreitet. Das Netz vergisst nichts. Gestern nach der Nachvernehmung nun die kleinlaute Mitteilung der Polizei: P. ist eindeutig unschuldig.