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Göttingen Familie Munke aus Groß Schneen und ihre Gastkinder aus aller Welt
Die Region Göttingen Familie Munke aus Groß Schneen und ihre Gastkinder aus aller Welt
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18:54 10.05.2013
Von Jürgen Gückel
Neunmal Familie Munke mit Gast: Von allen ihren „Kindern“ haben Regina, Fritz und Marvin Munke – hier mit Ugne Cepulyte (2. v. l.) – Fotos.
Neunmal Familie Munke mit Gast: Von allen ihren „Kindern“ haben Regina, Fritz und Marvin Munke – hier mit Ugne Cepulyte (2. v. l.) – Fotos. Quelle: Vetter
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Groß Schneen

Sie kommen aus Mexiko, Thailand, Rumänien, Polen, Litauen oder Schweden. Jedes einzelne Gastkind ist der deutschen Familie noch immer ans Herz gewachsen.

Zum Beispiel Ugne. Die junge Frau aus Kaunas in Litauen bewegt sich im Hause Munke wie eine auswärts studierende Tochter, die das Wochenende daheim verbringt. Sie hat zweimal hier gelebt – einmal als Gastschülerin, nach dem Abitur, dann als Studienanfängerin der Psychologie, bis sie in Göttingen eine eigene Bude fand.

Für sie, ja inzwischen gar für ihre leiblichen Eltern aus Litauen, ist Deutschland neue Heimat geworden. Jenes Land, aus dem die Großmutter ursprünglich stammte und das die Enkeltochter erst kennen lernte, als ihr die Munkes einen Platz in ihrer Familie als Austausschülerin boten.

Mit Tschernobyl fing alles an

Alles fing 1997 mit Kindern aus Tschernobyl an. Vier Jahre lang nahmen Regina und Fritz Munke während der Kinder-Aktionen je zwei Jungen aus dem Katastrophengebiet auf. Sie sahen, dass das Sohn Marvin gut tat. Deshalb entschlossen sie sich, dauerhaft über das internationale Jugendaustauschwerk Youth for Understanding (YFU) Schüler aufzunehmen, sie kostenlos bei sich wohnen und in Göttingen im Felix-Klein-Gymnasium beschulen zu lassen.

Erster Gast war Fernando, ein Mexikaner, vier Jahre älter als Marvin und ein toller Fußballer. Noch heute schwärmt man im TSV Groß Schneen davon, wie Fernando beim Jugendcup in der Lokhalle dem späteren deutschen Nationaltorwart Manuel Neuer „das einzige Ding des ganzen Turniers reingehauen“ hat. Anderes konnte Fernando nicht so gut: Was ein Staubsauger ist, hat er erst erfahren, als so ein unbekanntes Ding in seinem Zimmer stand. Später habe er sogar den Rasen gemäht, in Deutschland also viel gelernt.

„Die haben halt in der Heimat ihr Personal,“ sagt Fritz Munke, „aber hier leben sie wie die eigenen Kinder.“ Dass es oft Kinder privilegierter Familien sind, die mit YFU in fremde Länder kommen, findet Regina Munke gut: „Sie sitzen einmal an den Schalthebeln der Wirtschaft. Da ist es gut, wenn sie Deutschland von einer guten Seite kennen.“

So wie Kong aus Thailand, den die Eltern gegen seinen Willen schickten. Anfangs sei das schwierig gewesen, vor allem das „Holz“ habe er nicht essen wollen – er meinte deutsches Graubrot. Die Verbindung wurde so innig, dass Munkes ihn später gar in Phuket in Thailand besuchten. „Und wenn eines unserer Kinder heiratet, fahren wir überall hin“, sagt Munke.

Etwa zu Alexandra aus Rumänien, die ihrerseits oft kommt, vielleicht auch, weil sie „fast ein bisschen eifersüchtig und neugierig auf die Neuen ist“, sagt Marvin. Acht Gastkinder auf Dauer, viele weitere, die YFU kurzfristig schickte, wenn es in anderen Familien mal nicht lief, waren in Groß Schneen. Wer sein Familienleben ebenso bereichern will, sagt Regina Munke, kann sich unter yfu.de/gastfamilien oder Telefon 04 0 / 2 27 00 20 informieren.