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Göttingen Fast elf Jahre Gefängnis nach Tod am Leineberg
Die Region Göttingen Fast elf Jahre Gefängnis nach Tod am Leineberg
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20:05 08.11.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Der Mitangeklagte verließ als freier Mann das Gericht. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, weil er den Tod nicht hatte verhindern können. Für den Vorsitzenden Ralf Günther waren die Misshandlungen, die der 30-Jährige seinem Opfer über Monate angetan hatte, das Schlimmste, was er in 20 Jahren als Richter erlebt habe. „Wie Vieh“ sei das als Lakai betrachtete Opfer behandelt worden. Von einem „geschundenen Körper“ müsse gesprochen werden, was da auf dem Obduktionstisch lag. Über und über war der Tote von alten und neuen Blutergüssen übersäht. Allein die finalen Tritte, die der Angeklagte seinem am Boden liegenden Opfer auf einem Fußweg am Leineberg beigebracht habe, hatten zu rund 20 Rippenbrüchen geführt und waren letztlich tödlich.

Für die beiden Angeklagten erwies sich diese Feststellung des rechtsmedizinischen Sachverständigen fatalerweise als Segen. Weil das Opfer ohnehin nicht mehr zu retten gewesen wäre, konnte dem Angeklagten das Fehlen jeder Hilfe nicht als „Mord durch Unterlassen“ angelastet werden. Dadurch gelang es Verteidiger Karl-Heinz Mügge, den Mitangeklagten, der die tödlichen Tritte gesehen hatte, aber keine Hilfe holte, frei zu bekommen. Das Verfahren wurde eingestellt. Auf Entschädigung wegen eines halben Jahrs Untersuchungshaft muss er aber verzichten.

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Auch der Hauptangeklagte hätte durch Ruf eines Rettungswagens den Tod seines Opfers nicht verhindert. Es war ihm aber auch nicht nachzuweisen, bewusst den Tod herbeigeführt oder in Kauf genommen zu haben – folglich kein Totschlag. Deshalb hatte dessen Verteidiger Anselm Schanz eine Strafe von weniger als neun Jahren beantragt und auf das Geständnis des 30-Jährigen verwiesen. Dies aber, so Günther, sei nichts weiter als ein „Lippenbekenntnis“ gewesen, denn die tödlichen Tritte hatte dieser trotz „Übernahme der Verantwortung für den Tod“ stets bestritten.