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Göttingen Elektromobilität: Fehlende Ladesäulen am Arbeitsplatz bremsen Entwicklung
Die Region Göttingen Elektromobilität: Fehlende Ladesäulen am Arbeitsplatz bremsen Entwicklung
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06:51 26.08.2019
Die Ladesäule für Elektroautos und E-Bikes auf dem Parkplatz am Seeburger See ist nach wie vor kostenlos . Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Langsam wie Kriechstrom, aber stetig steigt die Zahl der Elektroautos und der Ladesäulen in Stadt und Landkreis Göttingen. Als Hemmschuhe betrachtet Doreen Fragel, Geschäftsführerin der Energieagentur Region Göttingen, die unterschiedliche und unüberschaubare Preisstruktur für Kunden sowie fehlende Ladestationen an Arbeitsstätten.

Elektroautos holen langsam auf

Im Landkreis Göttingen sind 214 reine E-Fahrzeuge und 748 Hybridfahrzeuge (Stand Mitte Juli) angemeldet. Die Zahlen seien steigend, sagt Andrea-Riedel Elsner: „Im April waren es noch 198 bzw. 681.“ Das bleibt aber ein Tropfen auf dem heißen Verbrennungsmotor. Die Gesamtzahl der im Kreis zugelassenen Fahrzeuge lag im Juli bei mehr als 190 000. In der Stadt Göttingen waren nach Angaben von Dominik Kimyon Ende Juli 161 Fahrzeuge mit E-Kennzeichen angemeldet. Der Regionalversorger EAM betreibt in Stadt und Landkreis Göttingen jeweils sechs Ladestationen. Wie bei der australischen Rockgruppe AC/DC gibt es Säulen sowohl für Wechsel- als auch für Gleichstrom. AC-Säulen (Wechselstrom) haben zumeist nur 22 kw Ladeleistung, sind kostengünstiger und zeitintensiver. Die EAM-Säulen würden mit Ökostrom betrieben, die Kosten sich an den Preisen für Haushaltskunden orientieren, sagt Unternehmenssprecherin Sandra Hübner. Noch kostenfrei ist das Laden an den öffentlichen Säulen der EEW in Duderstadt, Gieboldehausen und am Seeburger See. „Wenn es etwas kostet, brechen die Ladevorgänge ein“, sagt Vertriebsleiter Olaf Robitzsch. ku

Auch die Elektromobilität gilt nicht als Königsweg, aber vorerst als alternativlos. Als K.O.Kriterium gilt die lückenhafte Lade-Infrastruktur. Vor allem die Automobilbranche verweist immer wieder auf einen Mangel an Stromzapfsäulen. Die Zahl der Ladepunkte hat allerdings nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft bis Ende Juli deutschlandweit auf mehr als 20500 zugelegt – knapp 52 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Raum Göttingen sei die Zahl der Ladesäulen und -punkte nicht quantifizierbar, sagt Fragel. „Nicht jede Ladesäule wird gemeldet“, sagen auch Sprecher von Stadt- und Kreisverwaltung, verweisen auf Unternehmen, Privatleute oder Vereine als Betreiber. Dem Landkreis seien derzeit 71 Ladesäulen bekannt, davon 20 im Gebiet der Stadt Göttingen, teilt Andrea Riedel-Elsner mit. Die Stadt Göttingen sei Eigentümerin einer von EnergieNetz Mitte betriebenen Ladesäule auf dem Volksbankparkplatz, auf einer städtischen Fläche auf dem Parkplatz nördlich des Bahnhofs stehe eine weitere der Firma allegro, ergänzt Dominik Kimyon.

Unübersichtliche Preisstruktur

Nicht nur die Zahl der Ladesäulen ist schwer greifbar. Das Thema Elektromobilität ist komplex, die Zahl der Apps fürs Säulensichten und Stromzapfen hoch, der Tarifdschungel schwer zu durchdringen. „Infos über die Preisstruktur bieten die Ladesäulen nicht“, sagt Fragel, die selbst einen Renault Zoe mit Elektroantrieb fährt und zur Orientierung die App New Motion empfiehlt: „Als E-Autofahrer ist man meist mit mehreren Apps unterwegs.“ Zumeist handele es sich beim Preis fürs Aufladen um eine Kombination aus Ladezeit und Kilowattstunden, auch Pauschalen mit Grundpreis seien möglich. Abgerechnet werde über eine App, eine Karte oder einen Chip mit Bankdaten für den Einzug vom Konto oder über Ladekarten wie bei den Bovender Gemeindewerken. Eine Zeitkomponente hält Fragel für sinnvoll, damit Säulen nicht unnötig blockiert werden – abgesehen vom Problem zugeparkter Ladeplätze. Wenn die Zahl der E-Autos weiter steige, sei es mit Standorten mit nur einer Ladesäule mit in der Regel zwei Ladepunkten nicht mehr getan.

„Zuhause ist die beste Tankstelle

Gut frequentiert seien Schnellladesäulen wie die der EAM am Kaufpark, kostenlose Ladevorgänge als Anreiz seien zur Ausnahme geworden, berichtet Fragel. Viele Schnellladesäulen sind nur für bestimmte Autotypen geeignet wie die Tesla-Supercharger, deren nächster Standort südlich von Kassel ist. Als Schlüssel zum Erfolg betrachtet Fragel Arbeitgeber und Hauseigentümer. Auch Gaststätten würden sich anbieten, vor Supermärkten reiche die Zeit zumeist nicht fürs Stromladen. „Vor allem Firmen sind gefragt“, sagt Fragel. Arbeitgeber sollten für mehr Lade-Infrastruktur sorgen, Hauseigentümer Photovoltaik-Anlagen installieren und nutzen. Kapazitäten seien vorhanden, im Landkreis erst acht Prozent aller verfügbaren Dachflächen besetzt.

Ihren eigenen Wagen mit etwa 300 Kilometer Reichweite lädt Fragel über eine normale Steckdose mit Photovoltaik-Strom. Über Elektromobilität lasse sich streiten, meint sie, setzt aber auf die Recycling-Wirtschaft – und bedauert, dass Batterien mit hoher Kapazität für größere und schnellere E-Fahrzeuge stark gefragt seien. Die Nutzung selbst erzeugten Stroms sei die ökologischste und sinnvollste Lösung: „Zuhause ist die beste Tankstelle“.

Links zum Thema:

Testfahrt mit Elektroauto

Prämie für den Kauf

Stromtankstellen im Vergleich

Chance für Niedersachsen

Preis- und Ladeprobleme

Ladepunkte in der eigenen Garage

Symposium zur Elektromobilität

Ladestation für Elektrobusse in Göttingen 

Schnell-Ladesäulen aus Hannover

Vorbehalte gegen Elektroautos

Mobilitätscluster Göttingen

Schaufenster Elektromobilität

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