Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen „In viele Sprachen übersetzt und längst nicht überall gültig“
Die Region Göttingen „In viele Sprachen übersetzt und längst nicht überall gültig“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:34 10.12.2018
Andrea Wendt zeigt ein Bild, das Mussie und Merhewi aus Eritrea gestaltet haben. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Mit dem Artikel eins der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat Ali sein Poster überschrieben. Der Satz ist eingefasst von zahlreichen Handabdrücken in verschiedenen Farben. Ganz oben in der Ecke des Bildes ist auf einer grauen Handfläche außerdem zu lesen: „Right to stay“.

Acht Aufsteller stehen im Foyer des Neuen Rathauses. Sie wurden von Bewohner der Göttinger Flüchtlingsunterkünfte, Teilnehmer eines Kurses für Trauma-Patienten oder Schülern von VHS und Geschwister-Scholl-Gesamtschule gestaltet. Und jeder Künstler ließ wie Ali seine persönlichen Gedanken zu den Menschenrechten in die Bilder fließen.

Frieden, Freiheit und Recht auf Erholung

Mal sitzt ein Mensch in einem Raum ohne Fenster und zählt die Tage, dort trägt ein Mann ein verletztes Kind aus einem brennenden Haus. In freundlichen Farben ist eine Strandszene mit Meer und Sonnenschirm gemalt. Denn tatsächlich sind auch Erholung und Freizeit Teil der Menschenrechtserklärung. Mussi und Merhewi kommen aus Eritrea und haben eine Friedenstaube ins Zentrum ihres Bildes gestellt. Der goldene Käfig daneben steht offen. „Das ist eindeutig mein Favorit“, gesteht Andrea Wendt, die als Mitglied der Göttinger AI-Stadtgruppe Interessierte durch die kleine Ausstellung führt.

Sie erzählt auch von ihrer Freundin Humayra Bakthiyar, einer Journalistin aus Tadschikistan, die eigentlich an der Feierstunde in Göttingen teilnehmen sollte. Sie musste kurzfristig absagen, weil sie bei einer Demonstration in Berlin für ihre Sache kämpft. Bakthiyar wird aufgrund von kritischer Berichterstattung in ihrer Heimat verfolgt, ihre Familie lebt in stetiger Angst vor dem Regime. Trotzdem mache sie weiter und lasse sich nicht einschüchtern. Eine tolle Frau, findet Wendt.

In viele Sprachen übersetzt

Persönliche Schicksale wie diese machten deutlich, dass die Einhaltung der Menschenrechte trotz einer 70-jährigen Erfolgsgeschichte längst nicht selbstverständlich sei, sagte AI-Mitglied Gudrun Voss in ihrer Ansprache. Die Charta von 1948 sei in demokratische Verfassungen eingeflossen und Grundlage für die Arbeit vieler Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise Amnesty International. „Sie wurde in viele Sprachen übersetzt, aber ist längst nicht überall gültig.“ Aktuell gäben in vielen Ländern die Flüchtlingskrise, die Situation der Pressefreiheit oder auch die Entwicklung der Zivilgesellschaften Grund zur Besorgnis.

Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) betonte, dass selbst in Deutschland, wo man grundsätzlich „ein gutes Niveau erreicht“ habe, nicht alle Rechte gleichermaßen berücksichtigt würden. Er verwies auf Artikel 23, der Recht auf Arbeit und gleichen Lohn einfordert. „Noch heute verdienen Frauen bei uns weniger als Männer.“ Das Papier allein mache eben noch keine gerechtere Welt, es bedürfe großen Engagements, um sie zu erreichen. Sein Appell: „Es beginnt mit der Person, die man im Spiegel sieht.“

Von Markus Scharf

Göttingen Zwei Säulen statt Vertikalstruktur - So hat sich das Göttinger Schulsystem gewandelt

Seit Mitte der 1970er-Jahre hat sich die Schulstruktur in Göttingen stark verändert. Der Pädagoge Peter Brammer und eine Studentengruppe haben die Entwicklung analysiert und kritisch kommentiert.

12.12.2018

Die Stadtverwaltung plant eine neue Flüchtlingsunterkunft in Göttingen. Sechs Millionen Euro könnte sie kosten, doch auch damit fehlen noch rund 150 Plätze. Am Dienstag diskutiert der Sozialausschuss des Rates.

11.12.2018

Derzeit ist der Fotograf Jan Schenck auf einer Rundreise durch Niedersachsen, um die Orte der NS-Bücherverbrennungen für das Projekt „Verbrannte Orte“ zu fotografieren. Am Sonntag, 16. Dezember, ist Schenck in Göttingen, am Tag zuvor in Hann. Münden.

13.12.2018