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Göttingen Feinstaub in der Luft: Göttingen an der Spitze Niedersachsens
Die Region Göttingen Feinstaub in der Luft: Göttingen an der Spitze Niedersachsens
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13:52 27.03.2014
Von Ulrich Schubert
Werbung in eigener Sache: Stadtbusse machen schon weniger Staub. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Dort gab es bisher 13 Tage mit einer erhöhten Feinstaubbelastung von mehr als 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft (µg/m3), in Hannover und Osnabrück waren es zehn.

Verbucht Göttingen am Jahresende mehr als 35 besonders staubige Tage, wird der Grenzwert überschritten. Es wäre das zweite Mal. Schon 2006 wurde der Grenzwert erreicht, und Göttingen musste nach EU-Vorgaben einen Aktionsplan für saubere Luft vorlegen.

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Danach wurde es besser. 2009 gab es über das ganze Jahr verteilt 24 Überschreitungstage, dann 28, 26 und 2011 nur 13.

Besonders staubig

Der bisherige Verlauf ähnelt 2011. Damals lagen zwölf von 26 Belastungstagen in den ersten drei Monaten, die übrigen im November. Auch in diesem Jahr gab es vier heftige Staub-Tage im Januar, fünf im Februar und elf im März.

In den Wintermonaten gebe es meistens eine „austauscharme Wetterlagen“, in der Schadstoffe kaum verdünnt werden, erklärt Luft-Experte Andreas Hainsch vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim. Und tatsächlich war auch der März sehr kalt und trocken.

Weil das aber fürs ganze Land galt, bleibt unklar, warum Göttingen bisher besonders staubig ist. Feinstaub könne auch aus anderen Regionen einfliegen und durch mehr Heizbetrieb bei starker Kälte vermehrt produziert werden, nennt Hainsch mögliche Gründe.

Auch Streumittel im Winter oder Großbaustellen nahe der Messstation an der Bürgerstraße könnten eine Rolle spielen.

Noch nicht alles abgearbeitet

Göttingens Verwaltungssprecher Detlef Johannson sieht die bisherige Entwicklung gelassen. Erst am Jahresende werde sich zeigen, ob die Grenzmarke überschreiten wird. Unterdessen werde der Aktionsplan weiter umgesetzt – „da haben wir noch nicht alles abgearbeitet“.

Unter anderem hatte der Rat beschlossen, die Dieselmotoren der Stadtbusse umzurüsten und den Verkehr durch veränderte Ampelschaltungen besser fließen zu lassen. Teil Eins sei erfüllt, sagt GöVB-Chef Michael Neugebauer.

Alle Altfahrzeuge seien mit Rußpartikel-Filtern ausgestattet, neue seien immer mit der besten Abgasnorm ausgestattet. Seit 2011 seien für etwa 4,8 Millionen Euro elf neue Busse gekauft worden.

► Kommentar: Genug aufgewirbelt

Was war das für ein Aufschrei, als die EU mit dem großen Filter winkte, einen unerwartet niedrigen Grenzwert für Feinstaub festlegte und damit auch viele Deutsche Länder und Kommunen in die Bredouille brachte.

Und als Göttingen dann (auf Wunsch) eine zweite Messstation direkt an einer besonders verkehrsreichen Straßen bekam, gesellte sich die kleine Stadt an der Leine natürlich sofort zu Großstädten wie Hannover und Ruhrpott-Zentren. Die Folge überall: Aktionismus.

Kommunen führten die Feinstaubplakette ein, Göttingen wusch probeweise seine Straßen mit Wasser. Dann verkündete der Rat auf Druck der EU-Vorgabe, was er eh getan hätte: den Kauf moderner Busse und Ampeln, damit es weniger Staus gibt.

Was hat es hier und woanders gebracht? Bezogen auf den Feinstaub nichts. Der legt sich seit ein paar Jahren nämlich im ganzen Land – auch dort, wo es keine Aktionspläne gibt.

Und wenn doch irgendwo viele Staubtage zusammen kommen, wird auf eine staubige Großbaustelle oder besondere Wetterlagen verwiesen. Natürlich müssen wir für saubere Luft und weniger Autos sorgen – aus vielerlei Gründen.

Über die seit acht Jahren immer wieder aufkommende Feinstaub-Debatte aber sollte sich langsam der Staub legen.

Ulrich Schubert
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