Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Feldmark von Obernjesa: Zwei Hunde mit Ködern vergiftet?
Die Region Göttingen Feldmark von Obernjesa: Zwei Hunde mit Ködern vergiftet?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:53 23.07.2013
Feldmark zwischen Obernjesa und Stockhausen: Hier sollen die beiden Hunde mit Giftködern in Berührung gekommen sein.
Feldmark zwischen Obernjesa und Stockhausen: Hier sollen die beiden Hunde mit Giftködern in Berührung gekommen sein. Quelle: Vetter
Anzeige
Obernjesa

Bei einem der getöteten Hunde handelt es sich um den zweijährigen Labrador-Rüden Benji von Jenifer Fink. Ende Juni ging es dem Vierbeiner plötzlich schlecht. Die 25-Jährige brachte ihn zu ihrer Tierärztin. „Mein Gott, was ist denn mit Benji los“, habe die gesagt und ihn sofort in die Göttinger Tierklinik überwiesen. „Er hat lange gekämpft, aber eine Woche später musste ich ihn einschläfern lassen“, sagt Fink. Sie sei unglaublich traurig: „Der Hund war mein Ein und Alles.“

Fink glaubt, dass Benji vergiftet wurde. „Er war erst zwei Jahre alt und kerngesund. Ein reinrassiger Labrador-Rüde, der stand voll im Saft.“ Eine Obduktion habe sie aber nicht veranlasst, sagt die 25-Jährige. „Das bringt mir Benji ja auch nicht mehr zurück.“ Auch ihre Tierärztin Ulrike Scupin hält eine Vergiftung für sehr wahrscheinlich.

Bleibt nur Vergiftung als Ursache

„Das war ein junger, kerniger, stets gesunder Labrador“, sagt sie. Dennoch hätten sich bei ihm plötzlich die roten Blutkörperchen aufgelöst. Durch Untersuchungen habe man ausschließen könne, dass es am Immunsystem oder an Parasiten lag. „Daher bleibt nur noch eine Vergiftung als Ursache übrig“, sagt Scupin. Durch welches Gift Benji getötet wurde, sei nicht eindeutig zu ermitteln gewesen.

Fink ist mit ihrem Hund entweder in der Feldmark zwischen Obernjesa und Stockhausen oder am örtlichen Friedhof Gassi gegangen. Irgendwo dort müsse er mit dem Gift in Berührung gekommen sein, vermutet sie. Etwas Verdächtiges habe sie nicht gesehen. Neben Trauer verspüre sie auch Wut: „Wenn rauskommt, wer das war, kann der sich warm anziehen.“

Verdächtige Funde sofort melden

Ortsbürgermeister Jöck bittet unterdessen alle betroffenen Hundebesitzer, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. „Ansonsten können die keine Ermittlungen aufnehmen“, sagt er. Außerdem weist er Hundehalter darauf hin, ihre Hunde im Bereich der Feldmark zwischen Obernjesa und Stockhausen anzuleinen und verdächtige Funde sofort zu melden. „Am besten sollte man den Bereich ganz meiden, bis wir wissen, was los ist.“

Die Polizei sei über den Vorfall in Obernjesa informiert, auch wenn es noch keine Anzeige gebe, sagt Sprecherin Jasmin Kaatz. Beamte hätten das betreffende Gebiet abgesucht, aber nichts Verdächtiges gefunden.

In Gieboldehausen war ebenfalls Ende Juni ein kleiner Mischlingshund von Unbekannten vergiftet worden. Ursache: Rattengift. Der Fall liege mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Göttingen, sagt Kaatz.

Interview mit Prof. Stephan Neumann von der Kleintierklinik

Etwa zehn Vergiftungsfälle jährlich müssen die Tierärzte in der Göttinger Kleintierklinik behandeln – etwa ein Drittel endet mit dem Tod des Hundes. Welche Symptome eine Vergiftung vermuten lassen und wie ein Tierhalter sich verhalten sollte, beschreibt Klinikleiter Prof. Stephan Neumann im Gespräch mit dem Tageblatt.

Haben sie Hinweise darauf, dass im Raum Göttingen derzeit verstärkt Hunde Gift aufnehmen?

Nein, bei uns jedenfalls hat es in jüngster Zeit keine Fälle gegeben.

Beim Betrachten der behandelten Fälle in der Vergangenheit: Waren das gezielte Anschläge auf Hunde?

Meistens nimmt der Hund Köder auf, die zeitweise etwa in der Landwirtschaft gegen Schädlinge eingesetzt werden.

Was sind Anzeichen für eine etwaige Vergiftung eines Hundes?

Wir sprechen von einem stark gestörten Allgemeinbefinden: Der Hund zittert, er speichelt, er hat Krämpfe. Im allgemeinen treten die Symptome spätestens zwei Stunden nach Aufnahme des Giftes auf. Anders ist es aber beim Rattengift, das zu inneren, manchmal auch Blutungen  nach außen führt, weil es eine Blutgerinnungsstörung verursacht. Das kann mit einiger Zeitverzögerung eintreten.

Steckt hinter solchen Anzeichen immer eine giftige Substanz?

Nein, es gibt auch andere Krankheiten, die sich beim Hund ähnlich auswirken. Wir haben jährlich viele vierbeinige Patienten, von denen die Halter erst einmal annehmen, sie seien vergiftet worden. Der Begriff Vergiftung wird zumeist überinterpretiert. Weit häufiger ist die Ursache etwas anderes – eine Unverträglichkeit etwa oder eine Magendrehung. Der Hund frisst Gras oder Schmutz, ihm geht es schlecht, und er erbricht sich. Daraus zieht der Besitzer seine Schlüsse.

Sollte ein Hundehalter also erst einmal abwarten, ob es seinem Vierbeiner bald wieder besser geht?

Nein, ihn zu einem Tierarzt zu bringen, ist in jedem Fall richtig. Wir müssen schnell abklären, was ihm fehlt. Interview:kk

Mehr zum Thema

In Gieboldehausen haben Unbekannte nach derzeitigen Ermittlungen vermutlich in der vergangenen Woche, 24. Juni bis 1. Juli, einen kleinen Mischlingshund mit Rattengift vergiftet. Der Terrier-Dackel-Mix überlebte trotz tierärztlicher Hilfe nicht. Von den Tätern fehlt jede Spur. Die Polizei ermittelt.

05.07.2013
Göttingen Kein Fall in Göttingen - Angst vor Giftködern geht um

Täglich  besorgte Anrufe bei der Göttinger Polizei: Unter Hundehaltern geht die Angst vor ausgelegten Giftködern um. Und: Eine Giftköder-Attacke hat sich im Garten einer Hundezüchterin in Katlenburg-Lindau ereignet. Auf dem Grundstück mitten im Ort hat Iris Poppen Fleischbällchen mit Gift gefunden.

Britta Bielefeld 25.04.2013

Am Mittwochnachmittag, 30. September, hat ein Hund einen vermutlichen Giftköder am Waldrand des Wäschetals in Waake gefunden. Das Tier fraß das vermutlich präparierte Hackfleischbällchen und verendete.

01.10.2009