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Göttingen Finanzberater verzockt Millionen von Anlegern
Die Region Göttingen Finanzberater verzockt Millionen von Anlegern
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21:05 05.03.2012
Ein Deal vor der Strafkammer platzt, weil die Staatsanwaltschaft höhere Strafvorstellungen hat: der Angeklagte (2. von links) und seine Richter.
Ein Deal vor der Strafkammer platzt, weil die Staatsanwaltschaft höhere Strafvorstellungen hat: der Angeklagte (2. von links) und seine Richter. Quelle: Pförtner
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Göttingen / Bad Lauterberg

Seinen Kunden versprach er Renditen von 18 Prozent und mehr. Das Geld, rund 2,8 Millionen Euro, ist weg. Die Schadenssumme beläuft sich auf mehr als 3 Millionen Euro –  40 Fälle wurden als sogenannte unwesentliche Nebenstrafen eingestellt. Im Übrigen befanden die Richter den Angeklagten des Betruges in 134 besonders schweren Fällen für schuldig. Ein Deal kam nicht zustande, weil die Staatsanwaltschaft nicht bereit war, eine Strafobergrenze von drei Jahren und neun Monaten zu akzeptieren. Staatsanwältin Elke Hoppenworth von der zuständigen Braunschweiger Staatsanwaltschaft beantragte viereinhalb Jahre Haft.

Der Bad Lautenberger hatte eingeräumt von 2002 bis 2011 Anlegern vorgespielt zu haben, mit speziellen Anlagemodellen seien hohe Renditen zu erzielen. „Nach meinen Berechnungen 18 Prozent“, erklärte er in seiner Einlassung dem Gericht. Aus heutiger Sicht meint er, dass das „Humbug hoch drei“ war. Dennoch beteuerte er, nie betrügerische Absichten gehabt zu haben. „Man rutscht auf einmal da rein.“ Immer mehr Kunden kamen auf Empfehlung zu dem Vermögensberater und hofften auf das große Geld. Die Verluste an der Börse verschwieg der Angeklagte seinen Anlegern. Mit frei erfundenen Abrechnungen stellte er die Kundschaft zufrieden, hielt sie immer wieder hin.

Geschäft außer Kontrolle

Ab 2007, so legte der Angeklagte seine Situation dar, geriet ihm das Geschäft außer Kontrolle. An der Börse konzentrierte er sich auf so genannte Hebeprodukte – Wetten auf steigende oder fallende Kurse. Die Verluste wurden größer.„Ich habe alle Fehler gemacht, die man machen kann.“ Und: „Um halbwegs klarzukommen, hätte ich an der Börse 5000 Euro verdienen müssen.“ Mehr als 400 000 Euro hat der Angeklagte für sich abgezweigt. Unter anderem um sein Haus abzubezahlen.

Erst Anfang 2011, als ein Investor seine Einlagen zurückforderte, flog das System auf. Der Anlageberater meldete Insolvenz an. Von den angelegten Millionen waren da gerade noch 20 000 Euro übrig. Jeder fünfte seiner Kunden kam aus dem eigenen Dorf.

In der Urteilsbegründung erkannte das Gericht an, dass das System nicht auf Betrug angelegt gewesen sei. Aber, „es wurde betrügerisch“, so der Vorsitzende Gerhard von Hugo. Auch hätten die Geschädigten es dem Angeklagten sehr leicht gemacht. Die Anklage, so von Hugo, habe es richtig und zusammengefasst: „Gier frisst Hirn.“

Von Lukas Breitenbach