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Göttingen Plastikflamingos sollen Spenden für Gemeindesaal einwerben
Die Region Göttingen Plastikflamingos sollen Spenden für Gemeindesaal einwerben
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19:57 12.06.2019
Polizeisprecherin Jasmin Kaatz und Pastorin Anke Well bei der Flamingo-Übergabe. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Die nächtliche Flamingo-Invasion am Goerdelerweg ist aufgeklärt – und hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Die 23 Plastik-Flamingos waren quasi göttliche Boten. Pastorin Anke Well hatte sie am Pfingstsonntag zum Auftakt einer Fundraising-Aktion im Vorgarten des Kirchenvorstehers der Corvinus-Gemeinde drapiert. Die Geistliche hatte allerdings nicht mit den Nachbarn gerechnet. Ein betagtes Ehepaar hatte die Polizei alarmiert, die die Plastikvögel in Gewahrsam nahm. Well hat sie dort am Mittwoch abgeholt. Sie sollen jetzt von Gemeindemitglied zu Gemeindemitglied wandern. Jede Übernachtung soll mindestens einen Euro kosten, die Spenden für die Renovierung des Gemeindesaals verwendet werden. Die Polizei hat bereits 23 Euro für die Übernachtungsgäste gespendet.

Weitere kuriose Funde

Schräge Vögel sind als polizeiliches Gegenüber keine Seltenheit. Pinkfarbene Plastik-Flamingos waren aber selbst für Polizeisprecherin Jasmin Kaatz, die erst kürzlich wegen eines Zwergwidders und einer blutverschmierten Frauenkopf-Attrappe auf den Plan gerufen wurde, ein Novum. Für Fundtiere aus Kunststoff ist die Feuerwehr nicht zuständig, wohl aber die Polizei – zumindest in diesem Fall. „Wir müssen alles nehmen“, frotzelt Kaatz. Es sei schließlich nicht klar gewesen, ob die Flamingos gestohlen oder einfach „umgesiedelt“ wurden. Auf jeden Fall hätten sie alle Kollegen erheitert, die nach dem langen Pfingstwochenende wieder zum Dienst kamen.

Schutzhaft im Polizei-Innenhof

Die Stelzvögel konnten am Mittwoch aus ihrer Schutzhaft im Innenhof der Polizeiinspektion an der Otto-Hahn-Straße entlassen werden. Nach dem Dreh mit einem Fernsehteam packte Pastorin Well die federleichte Fracht in eine Kiste und nahm sie wieder unter ihre Fittiche. Dort sollen die Flamingos allerdings nicht bleiben, sondern einzeln unter den 1600 Gemeindemitgliedern weitergereicht werden – von Mitternacht zu Mitternacht, Garten zu Garten, Haus zu Haus, verbunden mit der Bitte um Spenden.

Der Medienrummel um den Flamingo-Vorfall ist Well „ein wenig unangenehm“. Mit einem derartigen Echo aufgrund der Umstände hat sie nicht gerechnet: „Eigentlich sollte die Aktion in der Gemeinde bleiben.“ Die bekommt jetzt als positiven Nebeneffekt viel Publicity.

Das könnte dem 50 Jahre alten Gemeindesaal zugute kommen, der viel genutzt wird – nicht nur von der Corvinusgemeinde. Well nennt unter anderem Chorproben, Familienfeiern und Vorträge. „Im oberen Ostviertel mangelt es an einem öffentlichen Raum“, sagt die Pastorin. 15 000 Euro seien bereits für die energetische Erneuerung der Fensterfront zusammengekommen, weitere 10 000 Euro für die Innenrenovierung nötig. Über das Flamingo-Fundraising will sie mindestens 3000 Euro einwerben.

Pinkfarbene Pfingstbotschaft

Zum Einsatz kommen nicht nur die 23 Arrest-Vögel. Fünf weitere sind unentdeckt im Hauseingang des Kirchenvorstehers geblieben. Der war wie der gesamte Kirchenvorstand eingeweiht, wusste aber nicht, dass es ihn als Adressat zum Auftakt der auch in Gemeindebriefen angekündigten Spendenaktion in dieser pinkfarbenen Ballung treffen würde. „Wir wollen ein Lachen durch die Gemeinde schicken“, kommentiert Well die ungewöhnliche Fundraising-Initiative, deren Kick-Off am Tag der Ausschüttung des Heiligen Geistes startete.

Aus der U-Haft entlassen: Polizeisprecherin Jasmin Kaatz (rechts) übergibt Pastorin Anke Well 23 pinkfarbene Flamingos. Quelle: Kuno Mahnkopf

Wer glaubt, dass die Kirche nur Devotionalien in Requisitenkammern lagert, der irrt. Die Flamingos würden aus dem Fundraising-Fundus der Landeskirche in Hannover stammen, müssen also schon anderswo zum Einsatz gekommen sein, berichtet Well. Nachdem sie schon am Pfingstsonntag nach dem Gottesdienst auf dem Rasen der Kirchengemeinde standen, sollen sie noch einmal zum Fundraising-Abschluss einen großen Auftritt haben – bei einem Freiluftgottesdienst am 23. Juni mit Gospel- und Posaunenchor sowie den Kita-Kindern, die in die Schule verabschiedet werden.

Von Kuno Mahnkopf

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