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Göttingen Fledermäuse erstmals erfolgreich umgesiedelt
Die Region Göttingen Fledermäuse erstmals erfolgreich umgesiedelt
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21:35 27.08.2010
Von Ulrich Schubert
Vom Aussterben bedroht: myotis myotis, das Große Mausohr.
Vom Aussterben bedroht: myotis myotis, das Große Mausohr. Quelle: Hollmann
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Göttingen. Mit alten Dachbalken und -ziegeln aus ihrem bisherigen Quartier und dort aufgezeichneten Ultraschalltönen wurden sie in den Neubau gelockt. Ähnliche Versuche seien bisher immer gescheitert, sagt Fledermaus-Experte Karl Kugelschafter. „Sieht gut aus“, kommentiert der Wildbiologe knapp und bescheiden das Ergebnis seines Pilotprojektes, das andere als Sensation bezeichnen.

Die Stars der Sensation hängen aneinander gekuschelt kurz unter dem Dachfirst an einem Balken: etwa sechs Weibchen der Fledermaus-Art myotis myotis, bekannt als „Großes Mausohr“, und vermutlich vier Jungtiere. Dass sich schon nach dem ersten Winter Fledermäuse aus dem alten Quartier am Ausweichstandort niederlassen und auch noch Junge mitbringen, hatte selbst Kugelschafter nicht erwartet – „frühstens im nächsten Jahr“. Denn das Große Mausohr sei sehr sensibel, vorsichtig und konservativ. Veränderungen und neue Umgebungen nehme es nur sehr schwer an.

Was hat sie im Göttinger Modell doch angelockt? „Ihre eigenen Töne, der Ruf ihrer Artgenossen, ihr Babygeschrei“, sagt Kugelschafter. Altes Baumaterial und Geruchsstoffe seien bei ähnlichen Projekten schon mehrfach eingesetzt worden. Erstmals habe er aber die Geräusche der Kolonie am alten Quartier aufgenommen und im neuen Dachboden über Lautsprecher ausgesandt. Das habe Ende Mai vereinzelt erste Fledermäuse angelockt. Dann seien in unregelmäßigen Abständen weitere dazu gekommen. Dass es tatsächlich die Fledermäuse aus dem alten Gebäude am Maschmühlenweg sind, belegten Ringe an ihren Beinen.

Von außen sieht das Ausweichquartier am Rande eines Sportplatzes aus wie ein kleines Feuerwehrhaus: 50 Quadratmeter Grundfläche, vier Meter hohe gemauerte Wände, ein großes Tor. Ungewöhnlich ist nur das Dach mit seinen alten rotbraunen Ziegeln aus dem Dachstuhl alter Schlichthäuser, die am nahen Maschmühlenweg standen. Dort hatte myotis myotis irgendwann und zunächst unbemerkt seine Wochenstube für die wärmere Jahreszeit eingerichtet. Eine vom Aussterben bedrohte Art, die per Gesetz unter besonderem Schutz steht. Das brachte die Stadt Göttingen in Bedrängnis, als sie das Gebäude abreißen wollte (Tageblatt berichtete). Sie holte Fledermausexperte Kugelschafter, der die Kolonie genauer beobachtete, etwa 120 Tiere erfasste und den ungewöhnlichen Umzugsplan entwickelte: Das Ausweichquartier aus altem Baumaterial und mit Ultraschall-Lautsprechern direkt an der Einflugschneise. Die Stadt finanziert das Projekt mit 25 000 Euro.

Und wo sind die anderen aus der Kolonie? „Das wissen wir nicht“, so der Experte, vermutlich in der näheren Umgebung. Den bisherigen Erfolg wertet er vorsichtig als „Einstieg“. Ob das Große Mausohr das neue Zuhause auf Dauer annimmt, müsse sich zeigen. Schon eine jagende Eule könne alles zunichte machen – die Schlichthäuser aber sind schon abgerissen.
Der Naturschutzbund organisiert an diesem Wochenende bundesweit eine „Batnight 2010“ mit Führungen, um Fledermäuse zu beobachten. In der Region Göttingen sind keine Aktionen gemeldet, Informationen über Veranstaltungen in anderen Bereichen gibt es im Internet: www.nabu.de/batnight.

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