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Göttingen Flic Flac: Selbstversuch im Todesrad
Die Region Göttingen Flic Flac: Selbstversuch im Todesrad
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13:42 28.08.2018
Mutig: Filip Donth lernt das Todesrad im Zirkus Flic Flac aus der Artisten-Perspektive kennen. Quelle: Pförtner
Göttingen

„Das Todesrad, 1930 von einem US-Amerikaner entwickelt, ist ein altehrwürdiges Gerät der Akrobatik. Die Stahlkonstruktion, die zwei an ihrem Tragwerk befestigte Tretmühlen um ihre Achse rotieren lässt, machte Flic Flac einst bekannt. Benno und Lothar Kastein, die beiden Gründer des Zirkus, traten zu ihrer aktiven Zeit als Artisten selbst unter anderem im Todesrad auf.

Höhe ist nicht die beste Freundin

Und nun sollte ich es auch einmal versuchen. Nicht unbedingt Angst, aber gehörigen Respekt hatte ich doch vor dieser Aufgabe. Das Todesrad befindet sich in senkrechter Position immerhin circa 13 Metern hoch und damit knapp unter dem Zeltdach. Dabei ist die Höhe normalerweise nicht unbedingt meine beste Freundin. Und auch die Tatsache, dass ich das Todesrad bei der Premieren-Vorstellung von „Farblos“ in Göttingen in Aktion sah und mir so einen Eindruck verschaffen konnte, lindert meine Aufregung nicht wirklich.

Im Gegenteil: Die „Adrenalin Crew“, zu der sieben kolumbianische Artisten gehören, von denen vier im Todesrad auftreten, ließ mir dabei eher den Atem stocken. Spektakuläre Sprünge, Seilspringen und Salti, teils auch außerhalb der Tretmühlen und stets ohne jegliche Sicherung, hatten die Artisten im Repertoire.

Den Blick nach vorn gerichtet

Für meinen Selbstversuch, bei dem derartige Einlagen nicht auf dem Programm stehen und ich selbstverständlich auch nicht auf eine Sicherung verzichten muss, treffe ich die „Adrenalin Crew“ nun einige Tage später im schwarz-gelben Zirkuszelt auf dem Schützenplatz. Um neben meinen Nerven nicht auch noch meine Spanisch-Kenntnisse zu strapazieren, erklärt mir kein Artist, sondern Crew-Mitglied Nicolai Kunz, wie ich mich im Todesrad verhalten soll: „Guck nach vorn, besser nicht grade nach unten. Und dann lauf mittig im Rad, mach dabei möglichst große Schritte.“

Gesagt getan. Mein Gegenüber im Todesrad, in der anderen Tretmühle also, ist der Artist William Ruiz Sancho. Er setzt die Gerätschaft langsam in Bewegung und ich beginne vorsichtig, die ersten Schritte zu gehen, wobei ich mich an zwei Seilen festhalten kann, die an den Seiten der Tretmühle gespannt sind.

Beeindruckender Ausblick auf das Zirkusrund

Das Todesrad beginnt, sich zu drehen. Stück für Stück laufe ich, so mein Gefühl, dem Zeltdach entgegen, was zu meiner Überraschung gut funktioniert – und nach kurzer Zeit beginnt, richtig Spaß zu machen. Von wegen Anspannung und Nervosität. Am Höhepunkt, knapp unter dem Zeltdach angekommen, machen mir auch die 13 Meter nichts mehr aus. Dafür ist der Blick ins Zirkusrund aus dieser Position schlicht zu beeindruckend.

Mit kleinen Korrekturen von Crew-Mitglied Kunz meistere ich so meine ersten Runden im Todesrad. Schritt für Schritt. „Noch eine?“, lautet schließlich die Frage. Auf den Geschmack gekommen, lasse ich mich nicht zweimal bitten. Nach zwei, drei weiteren Runden ist der Selbstversuch dann beendet und ich, obwohl ich unverhofft tatsächlich begeistert vom Laufen im Todesrad bin, froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. „Muchas gracias, chicos“, bemühe ich schließlich doch noch meine Fremdsprachen-Fähigkeiten und bedanke mich bei der „Adrenalin Crew“.

Respekt ist gestiegen

Der Respekt und die Anerkennung gegenüber Artisten wie ihnen, und deren mutigen Leistungen, die sie immer wieder erbringen, ist bei mir nach dem kleinen Selbstversuch gestiegen. Und das, obwohl bei meinem Selbstversuch im Vergleich zu einer Vorstellung im Zirkus natürlich alles eher langsam und auf Sparflamme lief.

Wer die „Adrenalin Crew“ nun hingegen nochmal mit Vollgas in Aktion erleben möchte, sollte schnell sein. Nach drei Jahren verlassen die Kolumbianer Flic Flac am Ende der „Farblos“-Tour im Januar nächsten Jahres. In Göttingen ist „Farblos“ noch bis zum kommenden Sonntag, 2. September, auf dem Schützenplatz zu sehen. Natürlich mit Spitzenakrobatik und Nervenkitzel – vor allem im Todesrad.

Von Filip Donth

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