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Göttingen Folgt nach KGS-Befragung gleich die Oberschule
Die Region Göttingen Folgt nach KGS-Befragung gleich die Oberschule
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16:35 05.11.2010
Von Ulrich Schubert
KGS oder Oberschule?: Die Haupt- und Realschule in Groß Schneen soll auf jeden Fall „integrativ“ werden. Quelle: EF
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Das ganz neue Modell der Oberstufe von CDU und FDP im niedersächsischen Landtag wird zurzeit in Hannover diskutiert und könnte bis zum Schuljahreswechsel im nächsten Sommer ins Schulgesetz einfließen. Für Jens Haepe, Leiter der Carl-Friedrich-Gauß-Schule (CFG) ist die Oberschule in den bisher bekannten Ausführungen „ganz sicher die hübschere Braut“.
Eigentlich will der Göttinger Kreistag nach Bovenden und Gieboldehausen auch in Groß Schneen eine Gesamtschule etablieren. Für eine Genehmigung durch das Land muss allerdings ein hoher Bedarf nachgewiesen werden.

Dazu hatte der Kreis kürzlich alle Eltern von Kindern im Grundschulalter befragt und in dieser Woche Ergebnisse veröffentlicht (Tageblatt berichtete). Danach erreichen die potenziellen Anmeldungen zwar nicht die erforderliche Mindestzahl. Dem Kreistagsbeschluss folgend hat Landrat Reinhard Schermann (CDU) aber trotzdem beim Kultusministerium einen Antrag auf eine neue KGS gestellt. Das könnte ins Leere gehen: Denn wenn die CDU-FDP-Landesregierung die Oberschule schnell im Gesetz aufnimmt, werden künftig keine neue Kooperativen Gesamtschulen mehr zugelassen. Die Kreise und Städte können dann aber ihre Haupt- und Realschulen voraussichtlich ohne großen Aufwand und formlos in eine Oberschule umwandeln.

„Wir werden uns weiter für eine zukunftssichere und möglichst integrative Schulform für Groß Schneen einsetzen“, kommentiert der Schulpolitiker der Grünen im Kreistag, Norbert Hasselmann, das Befragungsergebnis. Klingt nach KGS. Aber dann fügt die Vorsitzende der Grünen im Rat Friedland, Ute Haferburg, an: Ihre Partei werde „ernsthaft eine integrativ arbeitende Sekundarschule prüfen, wie sie seit ein paar Tagen von der Landesregierung als Oberschule gehandelt wird“.

Die Kreis-SPD wertet den Genehmigungs-Antrag Schermanns für eine KGS gar als „Schnellschuss“. Ihr Fraktionschef Jörg Wieland mahnt eine Debatte im Schulausschuss an und sagt: „Wir wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir handeln, bevor wir detaillierte Informationen zu Alternativen haben“. Und die Schulausschuss-Vorsitzende Edeltraud Wucherpfennig (SPD) ergänzt: „Falls die Oberschule bessere Bedingungen bietet als die KGS, warum sollten wir uns gegen sie wehren?“ Entscheidend sei aber auch, was die Schule wolle. Die CDU hingegen will zunächst abwarten, wie das neue Schulgesetzt aussehen wird. Für den KGS-Antrag sieht ihr Fraktionsvorsitzender Harald Noack mit Blick auf die Umfrage allerdings „keine großen Aussichten“.

Für Haepe ist die Oberschule sogar „eine überzeugende Alternative“ zur KGS. Mit ihren niedrigeren Vorgaben zur Jahrgangsstärke, pädagogischem Zusatzpersonal und kleineren Klassen seien die Bedingungen günstiger als für eine neue KGS – „dann aber mit Gymnasialangebot“.

Mit dem Befragungsergebnis zur KGS ist Haepe trotzdem „gar nicht unzufrieden“. Nach bereits zwei neu eingerichteten Gesamtschulen und mehreren Elternbefragungen habe man mit weniger Rückläufern rechnen müssen. Und aus den Gemeinden im Umfeld der CFG habe es gar große Unterstützung gegeben. In den Grundschulen in Friedland und Rosdorf votierten in fast jedem Jahrgang deutlich mehr als 25 Eltern für eine KGS, in Gleichen zwischen zwölf und 17. Selbst in Dransfeld und Hann. Münden gab es bis zu fünf Interessenten.