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Göttingen Forderung: Göttingen soll „Sicherer Hafen“ werden
Die Region Göttingen Forderung: Göttingen soll „Sicherer Hafen“ werden
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00:20 03.07.2019
Platz für Begegnungen: die Göttinger Kulturenmesse auf dem Wochenmarktplatz. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Göttingen ist Heimat für Menschen aus mehr als 170 Ländern. Bei der Kulturenmesse Göttingen haben am Sonntag Menschen ihre Länder vorgestellt. Die Messe sei eine musikalische und kulinarische Reise, betonte Irina Schnar, stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates Göttingen, der die Messe in diesem Jahr zum 15. Mal veranstaltete. Die führe von Afrika bis Südamerika, von Europa bis Asien.

Schon vor der Messe hatte der Integrationsrat gefordert, dass Göttingen angesichts des „Massensterbens“ auf dem Mittelmeer zum „Sicheren Hafen“ werden müsse. Es solle ein Zeichen der Solidarität gesetzt werden.

Eine kulinarische und musikalische Weltreise wollte die diesjährige Kulturenmesse in Göttingen sein. Wichtiges Thema war aber auch die Seenotrettung geflüchteter Menschen auf dem Mittelmeer.

Marlene Krieger von der Seebrücke Göttingen ging in ihrer Rede auf das zivile Seenotrettungsschiff „Sea Watch 3“, das Schicksal der 43 aus Seenot geretteten Menschen und die drohende Strafe für die am Sonnabend in Italien festgenommene Kapitänin Carola Rackete ein. Mit ihrer Festnahme habe die „jüngste Runde eines perversen und menschenverachtenden Spiels, das europäische Politiker aus dem Rücken von geflüchteten Menschen austragen“, geendet.

Sea Watch 3: „Freiheit für Carola Rackete“-Transparent auf der Kulturenmesse. Quelle: Brakemeier

 Menschen in Seenot im Mittelmeer „absaufen“ zu lassen, sei inzwischen „europäische Staatsräson“, sagte Krieger. „Europa werde nicht am Brexit oder an irgendeinem Staatsschuldenproblem zerbrechen, sondern es wird daran zugrunde gehen, dass dieses Europa keinen moralischen Kredit mehr hat.“ Oberstes Ziel müsse nun der Kampf für ein „solidarisches Göttingen, ein solidarisches Land, ein solidarisches Europa“ sein.

Marlene Krieger (links) von der Seebrücke Göttingen fordert, dass die Stadt „Sicherer Hafen für Geflüchtete“ wird. Quelle: Peter Heller

Aus Kriegers Sicht müsse Göttingen „Sicherer Hafen für Geflüchtete“ werden. Zentral sei dabei, dass die Stadt „über die Quote hinaus, direkt aus dem Mittelmeer gerettete Menschen“ aufnimmt. Auch solle sich Göttingen beim Land Niedersachsen für ein Landesaufnahmeprogramm einsetzen, wie es etwa Schleswig-Holstein und Brandenburg jüngst beschlossen haben, so Krieger. Sie bemängelte, dass weder die Stadt noch der Landkreis dem Bündnis „Städte Sicherer Hafen“ beigetreten seien, in dem sich Mitte Juni 13 Städte zusammengeschlossen hatten. „Das muss sich schleunigst ändern“, sagte Krieger. Sie forderte die Besucher der Messe auf, sich deswegen an die Göttinger Ratsfraktionen zu wenden.

Ein Ratsantrag von Grünen, Linken, Piraten und Partei im August 2018, nach dem die Stadt 50 zusätzliche aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge aufzunehmen, wurde mit der Mehrheit von SPD und CDU abgelehnt. Mehrheitlich solidarisierte sich der Rat der Stadt aber mit den Seenotrettungsorganisationen.

Tango, Capoeira, Reggae

An mehr als 30 Ständen haben Migrantenselbstorganisationen, Menschenrechtsorganisationen, Beratungseinrichtungen, Flüchtlingsinitiativen, politische und kulturelle Gruppen ihre Projekte und während der Messe ihre Arbeit vorgestellt. Dazu gab es Reggae mit „Blessed & Irie“ und „The Hippocritz“, traditionelle Tänze und Musik aus Lateinamerika von „Nuestra America Göttingen“ und „Americ Arte Y Ciencia“. Indonesische Tänze der „Perhimpunan Pelaja Indonesia“, lateinamerikanische Lieder von Mauricio Soto, Tango, russische Folklore, Capoeira, afrikanische Lieder und Musik von „Eyala“ und „Jama Djembe“.

Der Integrationsrat betonte das „starke Interesse und die aktive Beteiligung“ der Gruppen. So zeige das große Engagement der Migrantengruppen „ihr starkes Eintreten für eine offene und interkulturelle Stadtgesellschaft“ in Göttingen.

„Organisationsloch“ bei der Verwaltung

Hatte im vergangenen Jahr noch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) ein Grußwort auf der Kulturenmesse gesprochen, fehlte das in diesem Jahr. Sowohl er als auch Sozialdezernentin Petra Broistedt seien im Urlaub, erklärte Köhler gegenüber dem Tageblatt das ausgebliebene Grußwort der Verwaltung. Köhler bedauerte dieses „Organisationsloch“. Er lobte die Kulturenmesse, auf der er sehr gerne Gast sei, ausdrücklich.

Von Michael Brakemeier

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