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Göttingen Fortbildung in Göttingen: Wenn Kinder den Kontakt zu einem Elternteil verweigern
Die Region Göttingen Fortbildung in Göttingen: Wenn Kinder den Kontakt zu einem Elternteil verweigern
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16:53 13.08.2013
Von Jörn Barke
Quelle: HAZ (Symbolbild)
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Göttingen

Rechtsanwälte, Familienrichter, Verfahrensbeistände, psychologische Gutachter, Mitarbeiter aus Erziehungsberatungsstellen und dem Jugendamt wurden dabei von der Psychologin Katharina Behrend über mögliche Lösungsansätze informiert.

Ein Beispiel ist die fünfjährige Marie: „Papa hat mein Kinderbett verkauft. Der ist doof, doof, doof“, sagt Marie, als eine Gutachterin sie im Auftrag des Familiengerichts befragt. Marie hat ihren Vater seit fast zwei Jahren nicht gesehen. Als ihr Bett verkauft wurde, war sie eineinhalb Jahre alt und kann das nur aus Erzählungen wissen. So wie Marie reagierten immer häufiger Kinder und verweigerten den Kontakt zu einem leiblichen Elternteil, heißt es in einer Mitteilung zu der Fortbildung.

Typische Reaktionsmuster

Behrendt informierte darüber, wie Kinder im Konfliktgeschehen der Eltern gefangen seien und welche typischen Reaktionsmuster die Kinder wählten. Marie habe wegen ihres Alters und ihrer familiären Situation eine gute Prognose, dass der Kontakt zum leiblichen Vater wieder hergestellt werden könne. Die entscheidende Voraussetzung dafür sei, dass die Eltern eindeutige Empfehlungen und Maßgaben von den beteiligten Professionen bekämen. Mütter wie Väter müssten lernen, sich von Vorwürfen und Anklagen gegen den anderen Elternteil zu lösen, heißt es weiter.

Hilfe von Fachleuten

Dazu benötigten viele Eltern Hilfe von Fachleuten, wie sie in der Jugendhilfe oder den Erziehungsberatungsstellen zu finden seien. Für Rechtsanwälte als Parteivertreter eines Elternteils stelle dieses Vorgehen, auf einen elterlichen Konsens hinzuwirken, eine neue Herausforderung, aber auch neue Chancen dar. Eine große Hilfe für ein am Elternkonsens orientiertes Vorgehen seien Arbeitskreise. Dort tauschen sich Fachleute über ihre Arbeitsweise aus und entwickeln Qualitätsstandards, die dazu beitragen, ein am Kindeswohl orientiertes Verfahren umzusetzen. Solche Arbeitsbündnisse gebe es schon in Osterode, Heiligenstadt, Hann. Münden und Duderstadt. Auch in Göttingen gebe es Versuche, diese Kooperation mit Leben zu füllen. Organisiert hatten die Veranstaltung der Awo-Kreisverband Göttingen, der Caritasverband Göttingen und das Jugendamt des Landkreises Göttingen.