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Göttingen Frauen gesucht: Neue Namen für Straßen
Die Region Göttingen Frauen gesucht: Neue Namen für Straßen
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18:54 30.11.2011
Von Michael Brakemeier
Auf den Göttinger Zietenterrassen: Frauennamen werden bei der Namensgebung bevorzugt. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Künftig könnten in Göttingen auch die Dichterin Sidonia Hedwig Zäunemann (1711-1740), die Poetin Polyxena Christiane Auguste Büsching (1728-1777) oder die Mathematikerin und Kinderbuchautorin Grace Emily Chisholm Young (1868-1944) als Namensgeberinnen für Straßen auftauchen. Die drei Frauen stehen auf einer Liste mit Namensvorschlägen, die die Hann. Mündener Historikerin Karin Gille-Linne im Auftrag der Stadt erstellt hat. Die Liste soll, erläutert Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck, als Anregung bei künftigen Straßenbenennungen dienen. Die Mitglieder des Kulturausschusses hätten das „sehr begrüßt“.

Hintergrund ist ein Ratsbeschluss von 1994, nach dem Straßen, Wege und Plätze zu gleichen Anteilen nach Frauen und Männern zu benennen sind. Straßen, Wege und Plätze, „die nach Personen zu benennen sind“, sollen solange „Namen weiblicher Persönlichkeiten“ erhalten, bis Frauen- und Männernamen gleiche Anteile haben. Eingebracht wurde der Antrag von der GAL/Grünen-Fraktion und schließlich mit Änderungsanträgen von SPD und CDU einstimmig im Rat beschlossen. Die Grünen hatten  ihren Antrag damit begründet, dass nur wenige Straßen nach Frauen benannt worden waren.

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Der Beschluss habe bereits Wirkung erzielt, erklärt Gille-Linne. So ist die Zahl der Straßen, die nach Frauen benannt sind, von 13 im Jahr 1994 auf derzeit 55 angestiegen. Ihr Anteil liegt bei den 386 nach Personen benannten Straßen bei 14 Prozent. „Um die angestrebte Geschlechtsparität zu erreichen, können noch sehr, sehr viele Frauen aus der Geschichte der Stadt Göttingen und der Georg-August-Universität mit einer Straßenbenennung bedacht werden.“

Schlapeit-Beck wertet die Liste, die rund 40 Frauen mit einem direkten Bezug zu Göttingen auflistet, als gutes Fundament für kommende Diskussionen. „Die naheliegendsten Namen haben wir schon verwendet“, sagt sie. Die Liste weist daher auch weniger bekannte Frauen auf. „Inwieweit die Namen gut aussprechbar sind, vermag ich nicht zu beurteilen“, sagt Gille Linne. Bei der Entscheidung für einen bestimmten Namen wird auch die Berufsfeuerwehr gehört. Sie muss beurteilen, ob es Verwechslungsgefahr gibt und ob der Name verständlich ist.