Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Frauke Heiligenstadt: Debatte über Turbo-Abi und Leistungsdruck
Die Region Göttingen Frauke Heiligenstadt: Debatte über Turbo-Abi und Leistungsdruck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:16 14.06.2013
Von Ulrich Schubert
Begeistert vom Felix-Klein-Gymnasium: Ministerin Frauke Heiligenstadt mit FKG-Leiter Klaus Juraschek.
Begeistert vom Felix-Klein-Gymnasium: Ministerin Frauke Heiligenstadt mit FKG-Leiter Klaus Juraschek. Quelle: JV
Anzeige
Göttingen

Für viele ist es aber auch ein Zeichen der Schwäche, dass die Ministerin eben „erst einmal zuhören, abwägen und mit Experten reden“ will, bevor sie vielleicht das verkürzte Abitur mit G8 auf G9 an Gymnasien zurück dreht und Fächerinhalte abwirft, damit Schüler wieder Zeit für Freizeit haben. In einer Podiumsrunde am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) stand Heiligenstadt 140 Gästen Rede und Antwort. Es war ihr erster Besuch als Ministerin in Göttingen.

Schüler arbeitet mehr als Vater

„Ich arbeite in der Woche deutlich mehr Stunden als mein Vater“, bringt Schüler Loris Pape als Podiums-Teilnehmer auf den Punkt, was viele stört, seit das Abitur nach zwölf Schuljahren abgelegt werden muss. Sogar Vertreter der Uni und aus der Wirtschaft beklagen an diesem Abend, dass Schüler jetzt zu wenig Zeit hätten, sich über das Pauken von Fachwissen hinaus in ihrer Persönlichkeit zu entwickeln.

Die Ministerin zeigt Verständnis: „Vielleicht kann man die Anzahl der Klausuren reduzieren.“ Sie fragt aber auch, ob eine Rückkehr zu G9 – und damit wieder ein Bruch – nicht noch stressiger sei. Schon im Vorgespräch mit dem Tageblatt hatte Heiligenstadt offen gelassen, wohin Schule und Bildung in Niedersachsen unter der neuen Landesregierung gehen wird – abgesehen von mehr integrierten Gesamtschulen.

„Ganz individuelle Lernzeit“

Sie führe Gespräche und die seien auch bei G8/G9 „ergebnisoffen“. Langfristig stelle sie sich weiterführende Schulen vor, in denen jedes Kind seine „ganz individuelle Lernzeit“ bekomme. Ausweichend reagierte sie auf die Frage, ob Mini-Grundschulen sinnvoll seien: Das entscheide die Kommune als Schulträger. Generell gehe es aber weniger um „klein oder groß“, sondern um die jeweilige Unterrichtsqualität.

Göttingen attestierte die Ministerin eine „schon sehr besondere Schullandschaft“ – mit vielen verschiedenen Schulen in der Stadt und einer gut vernetzen „Bildungsregion“ darüber hinaus. „Unglaublich engagiert“ sei auch das FKG mit vielen besonderen Angeboten, die die Lehrer über lange Strecken kontinuierlich umsetzten.   

Mehr zum Thema
Duderstadt Elternvertreter sind enttäuscht - Initiative gegen Turbo-Abi gescheitert

Das „Volksbegehren für gute Schulen“, zu dessen Zielen die Rückkehr zur Regelschulzeit von 13 Jahren bis zum Abitur an Gymnasien und Gesamtschulen gehört, ist gescheitert.

Kuno Mahnkopf 12.01.2012

Kinder sollten in der Schule wieder mehr Zeit bekommen, um sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Das fordern mehr als 3000 Eltern aus dem Raum Göttingen.

Ulrich Schubert 15.12.2011

Nach den Gesamtschulen wollen auch immer mehr Gymnasien zurück zum Abitur nach 13 Jahren. Das wurde beim ersten Dialogforum von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am Montag in Loccum deutlich.

Saskia Döhner 10.06.2013