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Göttingen Freies Internet in Stadtbussen – aber nicht an Haltestellen
Die Region Göttingen Freies Internet in Stadtbussen – aber nicht an Haltestellen
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20:04 22.04.2018
Freies Internet im Bus: Dies soll auch bald in Göttingen möglich sein.
Freies Internet im Bus: Dies soll auch bald in Göttingen möglich sein. Quelle: dpa
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Göttingen

Die entsprechende Empfehlung der Verwaltung, die im städtischen Umweltausschuss am Dienstag, 24. April, beraten wird, geht auf einen Vorschlag der SPD-Ratsfraktion zurück. Die hatte bereits im Juli 2015 beantragt, die Stadt die Bedingungen prüfen zu lassen, unter denen Busse und Haltestellen mit einem frei empfangbaren Internet ausgerüstet werden können.

Nach Abschluss der Prüfung legt die Stadt nunmehr die Ergebnisse vor. Für die Stadtbusse, so die Empfehlung, sei eine WLAN-Aufrüstung möglich und sinnvoll. Nicht aber für die Haltestellen: „Für die Erreichung des verkehrspolitischen Ziels, mehr Fahrgäste (weg von der Nutzung des eigenen Pkw) für den städtischen ÖPNV zu gewinnen, ist diese Maßnahme nur in geringem Maße von Nutzen“, heißt es in der Vorlage für den Umweltausschuss. „Eher ist davon auszugehen, dass sich zukünftig an den Haltestellen vermehrt Personen aufhalten, die das freie WLAN-Angebot nutzen, aber gar kein Interesse haben, den ankommenden Bus zu nutzen.“ Dazu kämen Schwierigkeiten bei der technischen Ausrüstung: Die Router müssten wetterfest sein, und die Haltestellen mit einer ausreichenden Stromversorgung versehen werden. Eine Umrüstung von zunächst 100 Haltestellen würde etwa 270000 Euro kosten, dazu kämen die laufenden Kosten für den Betrieb.

„Kein Mehr an Fahrgästen“

Günstiger sehe die Lage bei der Einrichtung von freiem WLAN in den Bussen aus. Auch dies sei „zunächst keine Maßnahme, die ein Mehr an Fahrgästen verspricht – unter anderem, weil die Verweilzeit in den Bussen vergleichsweise kurz ist“, so die Einschätzung der Stadtverwaltung. „Auf der anderen Seite stellt es jedoch für die Fahrgäste ein attraktives Serviceangebot dar, was das Verweilen im Bus deutlich angenehmer erscheinen lässt.“

Daher schlagen Verwaltung und GöVB die sukzessive technische Ausstattung der Stadtbusflotte mit freiem WLAN vor. Dabei sollte die Ausstattung mit der Umrüstung der Stadtbusse auf Elektro- und Hybridfahrzeuge verknüpft werden: „Dies würde bedeuten, dass die jährlich neu zu beschaffenden (Elektro-) Fahrzeuge zukünftig standardmäßig mit der technischen Ausstattung von freiem WLAN versehen werden.“

Internet-Nutzung klar regeln

Je nach Auswahl des Anbieters fielen dafür Investitionskosten in Höhe von etwa 1500 bis 2000 Euro pro Fahrzeug an. Die jährlichen Betriebskosten für Sim-Karten und Dienstleistungen des Anbieters betrügen etwa 1000 Euro pro Fahrzeug. In jedem Fall müsse die Art der Internetnutzung klar geregelt werden: „So sollten alle Arten von Streaming (Video- und Audiostreaming) unterbunden werden.“

Finanzieren würde die Verwaltung die WLAN-Aufrüstung der Stadtbusse „ über den städtischen Defizitausgleich“. Im Zuge der geplanten Busneubeschaffungen der GöVB (Hybrid, Elektro) fielen folgende Kosten an:

  • 2018: sechs Hybridbusse (Investitionskosten: 9000 Euro, Betriebskosten: 6000 Euro).
  • 2019: sechs Elektrobusse (Investitionskosten: 9000 Euro, Betriebskosten: 6000 Euro).
  • 2020: vier Elektrobusse (Investitionskosten: 6000 Euro, Betriebskosten: 4000 Euro).
  • 2021: vier Elektrobusse (Investitionskosten: 6000 Euro, Betriebskosten: 4000 Euro).

Außerdem steht die Stadt seit Längerem mit der Göttinger „Freifunk“-Initiative in Kontakt. Dabei soll geklärt werden, an welchen öffentlichen Gebäuden die Technik für öffentliche Internet-Zugangspunkte installiert werden könnte. Schulen und Kindergärten will die Stadt nicht damit ausrüsten.

Die Freifunk-Initiative Göttingen bietet derzeit über mehr als 800 Geräten einen freien und kostenlosen Zugang zum Internet durch eine nichtkommerzielle Infrastruktur. Außerdem betreibt Vodafone im Stadtgebiet mehrere öffentliche WLAN-Hotspots zum mobilen Surfen in der Göttinger Innenstadt. Darüber können Nutzer täglich 30 Minuten kostenlos im Internet surfen. Danach müssen sie sich registrieren – und zahlen.

Von Matthias Heinzel

25.04.2018
22.04.2018