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Göttingen Tochter von Reichsbürgerin überschüttet Polizisten mit Sanitärreiniger
Die Region Göttingen Tochter von Reichsbürgerin überschüttet Polizisten mit Sanitärreiniger
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00:22 12.04.2019
Symbolfoto Quelle: r
Göttingen/Barbis

Als Bewährungsauflage muss die Angeklagte dem Polizisten ein Schmerzensgeld von 3.500 Euro zahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Nach Überzeugung der Kammer hat sich die 31-Jährige unter anderem der gefährlichen Körperverletzung und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte schuldig gemacht. Sie habe im Juni 2015 im Wohnhaus der Mutter dem Polizisten Sanitärreiniger ins Gesicht gespritzt, so dass dieser schwere Verätzungen an den Augen erlitt. Anschließend habe sie massiv Widerstand geleistet und sich „wie von Sinnen“ gegen ihre Fixierung gewehrt.

Es war bereits der zweite Prozess zu dem Fall. Beim ersten Prozess im Oktober 2017 hatte das Amtsgericht Herzberg die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die damals mitangeklagte Mutter, die seit Jahren die Behörden mit Klagen überzieht, wurde dagegen freigesprochen. Die Tochter hatte dann gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung eingelegt. Die Berufungskammer des Landgerichts folgte am Ende der mehrtägigen Verhandlung im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte dagegen auf die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils und Freispruch plädiert.

Überprüfung der Heizung verweigert

Zu dem Angriff auf den Polizisten war es gekommen, nachdem die heute 70 Jahre alte Mutter mehrfach eine Überprüfung ihrer Heizungsanlage verweigert hatte. Der Bezirksschornsteinfeger und ein Vertreter des Landkreises hatten die Polizei um Amtshilfe gebeten, um die vorgeschriebene Feuerstättenschau vornehmen zu können. Kurz nachdem sie das Haus betraten, spritzte die 31-jährige Tochter von einem Treppenabsatz aus dem Polizisten den Sanitärreiniger von oben ins Gesicht. Der Beamte erlitt so schwere Verätzungen an den Augen, dass er stationär in die Augenklinik des Göttinger Uni-Klinikums aufgenommen werden musste und zwei Wochen lang dienstunfähig war.

Die Angeklagte habe mit bedingtem Vorsatz gehandelt und in Kauf genommen, dass „die hoch aggressive Flüssigkeit ins Auge gehen kann“, sagte die Vorsitzende Richterin Antje Kohlmeier. Der verletzte Beamte habe mehrere Tage lang Angst gehabt, das Augenlicht zu verlieren. Glücklicherweise seien aber keine Spätfolgen zurückgeblieben. Als der Beamte nach der Flasche mit der säurehaltigen Flüssigkeit gegriffen habe, habe sie ihn durch einen Biss in die Hand verletzt und sich anschließend heftig gegen ihre Fixierung gewehrt.

Weiterer Vorfall

Der Polizist, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, hatte am letzten Verhandlungstag noch darauf hingewiesen, dass es einige Monate später einen weiteren Vorfall gegeben habe, der nicht zu den Akten gelangt sei. Damals sei die Tochter anlässlich eines Einsatzes des Hauptzollamtes in dem Haus der Mutter erneut aggressiv geworden. Nur weil zwei Polizeibeamte sie sofort fixiert und ihr Handfesseln angelegt hätten, sei es zu keinen weiteren Widerstandshandlungen gekommen. Die Angeklagte sei durch ihre Mutter geprägt und komme offenbar mit staatlicher Autorität nicht klar, sagte der Nebenkläger. Für ihn habe die Verhandlung das Ziel gehabt, dass sie veranlasst werde, sich davon zu lösen und etwas für sich zu tun, was „langsam in diesem Alter dringlich erforderlich wird.“

Die 31-Jährige reagierte wie schon im ersten Prozess betont schnippisch und bezeichnete die Ausführungen als „Märchenstunde“. Bis zuletzt kam ihr kein Wort des Bedauerns oder der Reue über die Lippen.

Von Heidi Niemann

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