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Göttingen Ausstellung setzt Schutzpolizisten und Straßenkämpfer in Szene
Die Region Göttingen Ausstellung setzt Schutzpolizisten und Straßenkämpfer in Szene
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17:52 20.05.2019
Die Historikerin Barbara Riegger (l.) und Polizeikommissarin Lea Kanngießer gehören zum Organisationsteam der Wanderausstellung zur Polizeigeschichte der Weimarer Republik, die bis 30. Juni Station im Landgericht Göttingen macht. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Eine widersprüchliche bis unrühmliche Rolle hat die Polizei in der Weimarer Republik gespielt. Das durchleuchtet die Wanderausstellung „Freunde – Helfer – Straßenkämpfer“ des Polizeimuseums Nienburg, die am Montag im Landgericht Göttingen eröffnet worden ist. Exponate aus dem Raum Göttingen sind trotz eines Aufrufs bislang nicht eingegangen, können aber noch nachgereicht werden.

Die preußische Pickelhaube wurde nach dem Krieg durch den Tschako ersetzt – nur in Oldenburg nicht. Quelle: Kuno Mahnkopf

Straßenkämpfe mit Radikalen, überforderter Garant der jungen Demokratie, Reformen und Bereitschaft zur Selbstkritik, Gewaltexzesse wie die in der TV-Serie „Babylon Berlin“ thematisierte blutige Niederschlagung der 1929 von der KPD in Berlin organisierten Mai-Unruhen. Das Bild, das von der immer wieder zwischen die Fronten geratenen Polizei in der Weimarer Zeit gezeichnet wird, ist alles andere als einheitlich und ebenso heterogen wie die damalige Gesellschaft. Ein ebenso kritischer wie informativer Blick zurück wird in der Ausstellung geworfen, deren Mitkuratorin Barbara Riegger noch auf Feedback aus der Region und damit etwas Lokalkolorit und Bereicherung um individuelle Geschichten im Lauf der am 30. Juni endenden Ausstellung hofft.

Gendarmen und Landjäger

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liege auf den Regionen des heutigen Niedersachsens, die zum kleinteiligen Preußen gehörten, sagt die Historikerin. Das wird an Eigenarten deutlich wie in Oldenburg: Während aus der Gendarmerie der Kaiserzeit Landjäger wurden und sich der Tschako als Kopfbedeckung durchsetzte, blieb es dort bei Landgendarmen mit Pickelhauben. Dienststellen auf dem Land waren übrigens die Wohnhäuser der Polizisten – heute undenkbar.

„Der gute Schupo“ – ein Brettspiel aus der Zeit der Weimarer Republik. Quelle: Kuno Mahnkopf

Unfassbar aus heutiger Sicht erscheint auch, dass ausgerechnet der Gummiknüppel den Takt für die Demokratisierung der Polizei vorgab. Der Gummiknüppel habe Hiebwaffen ersetzt, Verletzungsgefahren reduziert und für eine Entmilitarisierung der Polizei gestanden, meint Riegger. Alte Schwarten wie „Polizei und Mode“, „Polizei und Volk“, „Polizei und Politik“ oder das Brettspiel „Der gute Schupo – ein zeitgemäßes Verkehrsspiel für die Jugend“ verdeutlichen den Imagewandel, um den sich die auf die Verfassung vereidigte Polizei in der jungen Republik bemühte. Mit einem neuen Selbstbild und Berufsethos habe man sich von der bürgerfernen Polizei des Kaiserreiches abgrenzen wollen, sagt Riegger. Auch das Bildungssystem wurde ausgebaut, aus der in den unteren Rängen auf zwölf Jahre begrenzten aktiven Dienstzeit wurde eine Perspektive als Lebensberuf.

Kasernen und „Kommunistennester“

Die andere Seite zeigt sich in Lehrbüchern zur Polizeitaktik („Kampfeinsatz der Schutzpolizei bei inneren Unruhen“) und Planspielen, in denen „Kommunistennester“ ausgehoben werden, in kasernierter Schutzpolizei oder dem Säbel, der als Statussymbol für Wachtmeister, Kommissare und Inspektoren die Zeit überdauerte. Viele Polizisten seien Frontsoldaten gewesen, hätten an alten Traditionen gehangen, die Polizei weitgehend militärischen Charakter behalten, der Feind sei eher links gesehen worden, sagt Riegger: „Bis durchgreifende demokratische Strukturen etabliert werden konnten, war die Republik bereits am Ende, in der Spätzeit wurde es sehr ungemütlich.“ Auch das zeigt die Ausstellung: den wachsenden Einfluss der Nationalsozialisten, die Notverordnung nach dem „Altonaer Blutsonntag“, die Hilfspolizei der Nazis.

Karabiner statt Schlagstock. In der Spätzeit der Weimarer Republik nahm die Gewalt überhand.. Quelle: Kuno Mahnkopf

Aufbau der Kriminalpolizei

Es geht aber nicht nur um Politik. Die Anfänge von Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit, die Kinderstube der Kriminalistik mit Systematisierung von Fingerabdrücken, mobiler Tatort-Kamera, Datensammlungen und Karteien - beeinflusst von der Suche nach Opfern des Hannoveraner Massenmörders Haarmann – findet ebenso Widerhall wie die vielen Polizeigewerkschaften, die in der Weimarer Zeit gegründet wurden, und die weibliche Kriminalpolizei (WKP) - ein Reformprojekt und Aushängeschild der preußischen Polizei.

Von Kuno Mahnkopf

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