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Göttingen Missbrauchsprozess: Freundin sollte Kind mit präparierter Kleidung in JVA bringen
Die Region Göttingen Missbrauchsprozess: Freundin sollte Kind mit präparierter Kleidung in JVA bringen
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17:53 02.12.2019
Der 31-Jährige wollte, dass seine Ex-Freundin das Kind mit einer Strumpfhose mit Loch im Schrittbereich mit in die JVA bringt. Quelle: dpa
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Göttingen

Ein 31-jähriger Strafgefangener muss sich seit Montag wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Mitangeklagt ist seine 27-jährige Ex-Freundin, die zur Tatzeit im Frühjahr 2016 im Landkreis Göttingen lebte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen vor, seine damalige Freundin in Mails dazu aufgefordert zu haben, bei ihrem nächsten Besuch in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf ihren drei Jahre alten Sohn mitzunehmen. Der Junge sollte seinen Instruktionen zufolge bei dem Besuch keine Windel und keine Unterhose tragen, stattdessen eine Strumpfhose mit einem Loch im Schrittbereich.Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ging es dem bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten darum, seinen pädophilen sexuellen Neigungen nachzugehen.

Kind kommt in Pflegefamilie

Die Mitangeklagte soll der Bitte des 31-Jährigen in einer Email zugestimmt haben. „Ich mache es für dich“, so heißt es dort, dass der Junge „keine Windel umhat und eine Strumpfhose mit Loch anhat“. Zu dem Besuch in der Haftanstalt kam es dann allerdings nicht mehr. Mitarbeiter waren zwischenzeitig auf die verdächtigen Inhalte der Mail-Kommunikation aufmerksam geworden und hatten daraufhin die Staatsanwaltschaft und das Jugendamt eingeschaltet. Die Polizei durchsuchte die Zelle des 31-Jährigen und die Wohnung der 27-Jährigen. Das Kind kam zunächst in eine Pflegefamilie, inzwischen lebt es wieder bei der Mutter.

Zu Beginn des Prozesses wies der Vorsitzende Richter darauf hin, dass auch eine Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht komme. Derzeit sitzt dieser wegen einer Verurteilung in einem anderen Missbrauchsfall in Strafhaft. Opfer soll ein dreijähriges Mädchen gewesen sein.

Nach Verlesung der neuen Anklage sagte der 31-Jährige: „Ich räume die Tat ein.“ Dies bezog sich aber nur auf das Verfassen der Emails. Dagegen bestritt er, dass er sich tatsächlich an dem Kind habe vergreifen wollen. Dies wäre aufgrund der Überwachungsmaßnamen im Gefängnis auch gar nicht möglich gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er ein sexuelles Interesse an Kindern habe, erklärte der einschlägig Vorbestrafte: „Eigentlich nicht.“ Er habe sich vielmehr beim Schreiben der Emails selbst befriedigt, den sexuellen „Kick“ bekomme er durch immer neue Fantasiegeschichten.

Unterschiedliche Angaben zur Beziehung

Die beiden Angeklagten hatten sich über eine Chat-Plattform kennengelernt. Ihre Beziehung schilderten sie sehr unterschiedlich. Nach Angaben der 27-Jährigen hatten sie sich erstmals 2012 in Hannover getroffen. Dort habe sie gemeinsam mit dem Angeklagten die Nacht in einem Hotel verbracht. Kurz nach diesem gemeinsamen Wochenende sei sie dann mit einem anderen Mann zusammengekommen. Als sie später feststellte, dass sie schwanger war, sei sie davon ausgegangen, dass der Angeklagte der Vater sei. Erst seitdem sehr viel später in der JVA ein Vaterschaftstest vorgenommen wurde, wisse sie, dass ihr Kind gar nicht von diesem stammte.

Der Angeklagte gab dagegen an, dass er die 27-Jährige erstmals 2014 getroffen habe. Damals habe er sie an ihrem Wohnort im Kreis Göttingen besucht. Wegen eines noch offenen Haftbefehls habe ihn dort die Polizei festgenommen, seitdem sitze er ununterbrochen in Haft. Der 31-Jährige bestritt, dass es zwei Jahre zuvor eine gemeinsame Nacht in einem Hotel gegeben hatte. Dies sei eine Legende für das Jugendamt gewesen, damit die Behörde seine Vaterschaft für das Kind der 27-Jährigen anerkannte. Dass ihm dies ganz wichtig war, obwohl er sowohl das Kind als auch die Mutter kaum kannte, begründete er so: „Ich wollte eine Familie.“ Mitte 2015 habe die Behörde ihnen dann das gemeinsame Sorgerecht zugesprochen.

Freundin „total verliebt“

Die 27-Jährige folgte seinen Wünschen, weil sie nach eigenen Angaben zu der Zeit „total verliebt“ war. Ihr Anwalt wies darauf hin, dass seine Mandantin einen „kindlich-naiven Charakter“ und wenig Selbstbewusstsein habe. „Ich bereue zutiefst, dass ich nicht eher nein gesagt habe“, erklärte sie. Als der Angeklagte sie später in Emails aufforderte, sexuelle Handlungen an ihrem Kind vorzunehmen, habe sie dies nie getan. Sie habe sich aber auch nicht getraut, ihm offen zu widersprechen und ihn zurückzuweisen. Der Vorsitzende Richter konnte dies schwer nachvollziehen: „Er saß doch im Knast.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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