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Göttingen So lief die Klimaschutz-Demo in Göttingen mit etwa 1000 Teilnehmern
Die Region Göttingen So lief die Klimaschutz-Demo in Göttingen mit etwa 1000 Teilnehmern
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18:21 15.03.2019
#FridaysForFuture - Schüler demonstrieren in Göttingen für eine gerechtere Klimapolitik. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Erstmals hatten die Göttinger Organisatoren der „Fridays for Future“-Bewegung eine Laufdemonstration angemeldet. Nach einer Startkundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz und einigen Redebeiträgen haben sich zunächst etwa 600 Teilnehmer gegen 8.55 Uhr in Bewegung gesetzt, um gemeinsam in Richtung Gänseliesel zu marschieren. Hierfür musste die Polizei die Berliner Straße in Höhe des Bahnhofs zeitweise in beiden Fahrtrichtungen voll sperren – was schnell zu Staus führte. Die Demonstrierenden starten zunächst in Richtung Zoologie, liefen dann die Schleife vor der Goethe-Allee und bogen schließlich am Heinz-Erhardt-Platz von der Berliner in die Weender Straße ein. Um 9.35 Uhr trafen sie mit Sprechchören, Gesang und Musik am Gänseliesel-Brunnen ein.

Zwischenzeitlich hatten sich viele weitere Teilnehmer dem Demonstrationszug angeschlossen – die Veranstalter sprachen von bis zu 1600 Demonstrierenden in der Spitze. Offiziell bestätigt wurde diese Zahl jedoch nicht: Eine Sprecherin der Göttinger Polizeiinspektion sprach zunächst von etwa 450 Schülern, die um 8.30 Uhr gezählt worden seien. Am Mittag (Stand: 12.37 Uhr) nannte die Polizei auf Nachfrage eine offizielle Teilnehmerzahl von 850. Tatsächlich dürften es insgesamt etwas mehr als 1000 Demonstrierende gewesen sein.

Bus- und Autoverkehr eingeschränkt

Nach einer Zwischenkundgebung vor dem Alten Rathaus zogen die Teilnehmer noch weiter vor das Neuen Rathaus. Auf dem Weg dahin legten sie direkt auf der Kreuzung am Geismartor einen Zwischenstopp für eine Schweigeminute ein – auch, um bewusst den Autoverkehr zu behindern. Der Busverkehr in der Göttinger Innenstadt war zwischenzeitlich ebenfalls mehrfach eingeschränkt.

Insgesamt steuerten mehr als ein Dutzend Vereine, Verbände und Initiativen sowie einzelne Schülergruppen Rede- und Liedbeiträge bei. Zu den ersten Rednern des Tages gehörte Prof. Dr. Rainer-W. Hoffmann, 1. Vorsitzender des Vereins „Klimaschutz Göttingen“. Er lobte die Schülerinitiative ausdrücklich – und verriet auch, dass er schon früh die Petition „Scientists for Future“ unterzeichnet habe, die überhaupt erst von den demonstrierenden Schülern angestoßen worden sei.

Kundgebung am Gänseliesel Quelle: Christina Hinzmann

Hoffmann berichtete, dass die Stadt Göttingen gerade für das Engagement bei „Klima kommunal 2018“ ausgezeichnet worden sei. Das Preisgeld wolle die Stadt für aktuelle Klimainitiativen zur Verfügung stellen. Außerdem wies er auf eine Ausstellung mit dem Titel „Jugend malt Klima-Visionen“ hin, die am Sonnabend, 16. März, um 11 Uhr in den Räumen der Volkshochschule eröffnet werden soll. Sie werde dort für etwa zwei Monate zu sehen sein.

Später, am Neuen Rathaus, wurde auch eine Stellungnahme der „Scientists for Future“ verlesen. Innerhalb von anderthalb Wochen seien bis Donnerstagabend mehr als 23 000 Unterschriften für diese Petition aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengekommen. Die Göttinger Biologin Ute Döring hierzu: „Die Anliegen der jungen Menschen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus. Jetzt muss gehandelt werden.“ Vor allem die Politik stehe in der Verantwortung, zeitnah die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Hintergründe zur Demo lesen Sie hier.

„Die Vorbereitungen für diese Veranstaltung laufen schon seit Monaten“, berichtet Mitorganisatorin Pauline Giesbert im Tageblatt-Gespräch. Hierzu gebe es unter anderem wöchentliche Treffen. Giesbert zeigte sich kurz vor dem Beginn der Kundgebung noch vorsichtig optimistisch: „Wir hoffen, dass heute 500 Teilnehmer dabei sein werden“, sagte sie. Kaum 20 Minuten später verkündete das Orga-Team, dass bereits 600 Menschen vor Ort wären – bei der ersten Demo der „Fridays for Future“-Bewegung in Göttingen waren es den Angaben zufolge „nur“ 80 gewesen.

„Make ur climate great again“

Auf den vielen Bannern und Plakaten waren zahlreiche Botschaften zu lesen. Ein paar Beispiele: „Make ur climate great again“, „Hände weg von unserer Zukunft“, „Wenn ihr so weiter macht, ist Gö bald ’ne Küstenstadt“, „Wirtschaft bringt euch nichts ohne einen Planeten“, „Die Uhr tickt“, „Kohle in die Bildung und nicht in den Ofen“, „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“, „Skolstrejk för Klimatet“ – oder auch „Wir streiken, bis ihr handelt“. Dazu passend lautete denn auch einer der Schlachtrufe, mit denen die Demo-Teilnehmer durch die Straßen zogen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“.

Unter dem Motto „Fridays for Future“ gehen am 15. März hunderte Schüler in Göttingen auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Am Freitag waren Proteste in mehr als 100 Ländern geplant, die Initiative „Fridays for Future“ sprach zuletzt von 1650 Kundgebungen in etwa 200 Orten. Auch in Hann. Münden demonstrieren Schüler heute gegen die Klimapolitik, wie Hartmut Teichmann (Grüne), Mitglied des Mündener Stadtrates, berichtet: „Ich bin hocherfreut, dass die Mündener Jugend erkannt hat, dass unser Klima sich dramatisch verändert und nun engagiert dagegen vorgeht“, so Hoffmann. Diese „mutige und beharrliche Schülerbewegung“ mache ihm Hoffnung.

1500 Menschen streiken in Göttingen, Neues Rathaus, gegen die aktuelle Klimapolitik. #Fridaysforfuture #Göttingen

Gepostet von Fridaysforfuture Göttingen am Freitag, 15. März 2019

Einige der teilnehmenden Schüler machten sich nach dem Zwischenstopp am Gänseliesel auf den Weg zurück zum Bahnhof, um mit Zügen zu weiteren „Fridays for Future“-Demonstrationen zu reisen – etwa nach Einbeck oder Hannover. Andere waren zunächst unsicher, ob sie nach der Gänseliesel-Kundgebung, die um 10.45 Uhr und somit etwas früher als geplant bereits beendet war, lieber wieder in ihre Schulen zurückkehren sollten.

Der Philologenverband Niedersachsen hatte die Demonstrationen während der Unterrichtszeiten noch am Donnerstag scharf kritisiert. Die Protestmärsche gehen auf die 15 Jahre alte schwedische Aktivistin Greta Thunberg zurück. Nach ihrem Vorbild demonstrieren Schüler in Deutschland und vielen weiteren Ländern in aller Welt während der regulären Unterrichtszeit gegen die aktuelle Klimapolitik – in Göttingen zum inzwischen sechsten Mal.

Kontakt zum Autor:

m.riese@goettinger-tageblatt.de

facebook.com/riese.markus

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