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Göttingen „Fridays for Future“ erwartet Rekordbeteiligung beim weltweiten Klimastreik
Die Region Göttingen „Fridays for Future“ erwartet Rekordbeteiligung beim weltweiten Klimastreik
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20:24 19.09.2019
Millionen Menschen wollen weltweit am Freitag (20. September) für den Klimaschutz demonstrieren. Quelle: epd
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Göttingen

Linus Steinmetz erwartet für den für am heutigen Freitag geplanten globalen Klimastreik eine Rekordbeteiligung in Deutschland. Inzwischen gebe es in Deutschland 500 „Fridays-for-Future“-Ortsgruppen, sagte der Schüler vom Hainberg-Gymnasium am Donnerstag bei einem Vortrag im Ökumenischen Seminars Göttingen. Bei den ersten beiden globalen Streiktagen haben im März und Mai 300.000 beziehungsweise 350.000 Menschen teilgenommen. „Bei deutlich weniger Ortsgruppen“, sagte Steinmetz, Sprecher der „Fridays-for-Future“-Bewegung.

Linus Steinmetz hält im Ökumenischen Seminar Vortrag zu „Fridays for Future“ und die Folgen des Klimawandels. Quelle: Swen Pförtner

Für Freitag sind in Deutschland mehr als 500 Protestveranstaltungen geplant, weltweit in mehr als 150 Ländern. Anlass ist der bevorstehende Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York. Die Organisatoren der deutschen Proteste wollen zudem ein Signal an das Klimakabinett in Berlin senden und den Druck auf das Gremium erhöhen, das am Freitag sein Maßnahmenpaket vorstellen wird.

Widerspruch zum „Stereotyp“ einer unpolitischen Jugend

Nach Steinmetz Überzeugung hätten die fortwährenden Klimastreiks bereits einiges bewirkt. Während er zuvor die Erfahrung gemacht habe, dass Jugendliche mit ihren Anliegen kein Gehör fänden, seien sie inzwischen etwa in der Kohlekommission der Bundesregierung gehört worden. Außerdem habe es die „Fridays-for-Future“-Bewegung geschafft, Jugendliche wieder auf die Straße zu bringen. Damit widersprächen sie dem „Stereotyp“ einer unpolitischen Jugend. Inzwischen zeigten viele, so Steinmetz, Interesse an gesellschaftlichen Prozessen. Sie hätten wie er erfahren, dass Politik nicht abstrakt ist, sondern mit ihr ganz konkret Dinge bewegt werden könnten, sagte Steinmetz. „Politische Energie ist im Raum“, beschreibt Steinmetz.

Inzwischen bekommen die jugendlichen Klimaschützer Rückendeckung von mehr als 200 Unterstützergruppen und weiteren Akteuren. Das Spektrum reicht von klassischen Umweltschutzorganisationen über Menschenrechtsorganisationen, Kirchen, Forschungseinrichtungen, Gewerkschaften bis hin zu Unternehmen.

Absage wegen Terminen in Berlin: Luisa Neubauer, das Gesicht von „Fridays for Future“ in Deutschland. Quelle: dpa

Der Vortrag von Steinmetz war am Donnerstag Teil der aktuellen Vortragsreihe des Ökumenischen Seminars Göttingen. Die Reihe steht unter dem Titel „Natur – Und was wir damit machen“.

„Wir hätten ihnen heute gerne das Gesicht von „Fridays for Future“ in Deutschland präsentiert“, sagte Jörg Ulrich Meyer-Bothling vom Seminar. Luisa Neubauer, Studentin aus Göttingen, sei aber bereits zu Terminen in Berlin. Steinmetz war kurzfristig eingesprungen.

Trotz aller Erfolge und zu erwartenden hohen Teilnehmerzahlen am Klimastreik am Freitag: Eine Lösung für das komplexe Problem des Klimawandels und der von Menschen gemachten Erderwärmung habe er nicht, das Umdenken in der Gesellschaft sei nötig, ein tief greifender Wandel „alternativlos“, machte Steinmetz deutlich. So sei die Einhaltung der Pariser Klimaziele, also eine Begrenzung der Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustrieller Zeit, nach Steinmetz Einschätzung kaum noch möglich. Selbst bei einem Zwei-Grad-Ziel, „ein schlimmes Szenario, aber eines der besten“, das noch zu erreichen sei, würden weite Teile des Mittelmeerraumes zu Wüsten werden und sich die Küstenverläufe auch in Deutschland drastisch ändern – mit weitreichenden Folgen.

Ignoranz der Politik

All das, so Steinmetz Eindruck sei bislang von der Politik ignoriert worden. Auch gebe es durchaus wissenschaftliche Lösungen, um den Klimawandel einzudämmen. Den politischen Willen, diese auch anzuwenden, sieht Steinmetz derzeit aber nicht.

Die „Fridays for Future“-Bewegung fordert einen raschen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und eine schnelle Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen. Seit vielen Jahren sei in Sachen Klimaschutz aber nichts geschehen, sagte Steinmetz. „Die Generation vor uns hat nichts gemacht.“ Würden wir jetzt aber nicht damit anfangen, werde die Wende, je später sie eingeläutet werde, immer schmerzhafter. Klimaschutz jetzt sei wirtschaftlicher als später ihre Auswirkungen zu beseitigen, sagte Steinmetz.

„Keine Angst vor gewaltbereiten Linksradikalen“

Meyer-Bothling zollte den Steinmetz und den jungen Klimaschützer Respekt und brachte ihnen Sympathien entgegen. Den Zuhörern im voll besetzten Gemeindesaal von St. Jacobi gab er mit auf den Weg, dass sie vor denangeblich gewaltbereiten Linksradikalen, die sich den Demos anschließen wollen, keine Angst haben sollen, denn: „Gefahr kommt faktisch von Rechts nicht von Links“, sagte er. Applaus kam aus dem Publikum.

Abschlussfest "Trialog for future" der AWO. Quelle: Swen Pförtner

Tetra-Paks zu Vogelhäuschen

Mit einem großen Fest ist am Donnerstag die erste gemeinsame Projektwoche aller Trialog-Einrichtungen zu Ende gegangen. Sie stand ganz im Zeichen von Klima- und Umweltschutz sowie von Nachhaltigkeit. DieAbteilung Trialog gehört zur Arbeiterwohlfahrt und betreibt in Göttingen und im Landkreis mehrere Tagesstätten und Wohnheime für psychisch Erkrankte.

Mit einem großen Fest ist am Donnerstag die erste gemeinsame Projektwoche aller Trialog-Einrichtungen zu Ende gegangen. Sie stand ganz im Zeichen von Klima- und Umweltschutz sowie von Nachhaltigkeit.

„Wir möchten mit gutem Beispiel vorangehen, zeigen, dass Themen wie Umweltschutz, Müllvermeidung et cetera, die zur Zeit in vielen Medien Thema sind, im eigenen Alltag anfängt und ohne viel Aufwand individuelle Lösungswege möglich sind“, erklärt Trialog-Abteilungsleiter Josef Mörz.

Auf ganz unterschiedliche Weise haben sich die Einrichtungen diesen Themen in den vergangenen Tagen genähert. Von den rund 240 Klienten in den Trialog-Abteilungen hätten sich, so Mörz, 80 an der dreitägigen Projektwoche beteiligt. Sie stand unter dem Motto „Trialog for future“.

Trialog-Abteilungsleiter Josef Mörz. Quelle: Swen Pförtner

So haben die Teilnehmer aus der Tagesstätte an der Kiesseestraße die Ernährung in den Mittelpunkt gerückt. Ein Gärtner habe ihnen die Grundzüge des Gemüseanbaus erläutert, berichtet Leiterin Andrea Fuchs. Auch Nachhaltigkeit beim Einkauf sei Thema gewesen. Dazu haben die Teilnehmer Tipps und Tricks erarbeitet – etwa nicht hungrig einkaufen zu gehen, Essen für die nächsten Tage im Voraus zu planen, eigene Tüten und Beutel verwenden und unverpacktes Obst und Gemüse einkaufen, weniger Fleisch kaufen oder Fertigprodukte vermeiden. Zusätzlich hat die Gruppe ein Kochbuch mit dem Titel „Nachhaltig satt“ erstellt.

Das Team aus der Ambulanten Hilfe in Duderstadt widmete sich der „Schönheit von innen und außen“. Außer frischen Smoothie stellten die Teilnehmer etwa ein Kakao-Lippenpeeling und Körperbutter her. Und das ist gar nicht so schwer, wie ein Blick auf die Rezepturen verrät. So braucht es für das Peeling nur Kakaopulver, Zucker und ein paar Tropfen Aloe-Vera-Öl. Die Zutaten werden gemischt bis eine sie eine feste-ölige Konsistenz haben. Fertig. Das Peeling kann nun auf die Lippen aufgetragen werden.

In der Brotgalerie haben die Teilnehmer Baumwollbeutel bedruckt, berichtete Julia Cerny vom Awo-Projekt Brotgalerie. Diese könnten als alternatives Einkaufstransportmittel dienen. In der Göttinger Trialog-Tagesstätte war Upcycling Thema. So haben die Teilnehmer etwa aus ausgedienten Getränkekartons Vasen und Vogelhäuser sowie aus Korken Handy-Halter gebastelt.

Neues aus Müll: Upcycling-Ideen. Quelle: Swen Pförtner

Und warum überhaupt eine „Trialog for future“-Projektwoche? Seit längerer Zeit würde sich die inzwischen rund 80 Mitarbeiter des Trialog- Teams mit Themen wie etwa ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur, Alternativen im Bereich der Mobilität, Müllvermeidung und plastikfreier Einkauf beschäftigen. In der Projektwoche seien nun die Trialog-Gruppen zur Tat geschritten und hätten mit ihren Aktionen auf sensible Themen aufmerksam gemacht und mögliche Lösungswege aufgezeigt, erläutert Mörz. Immer gemäß dem Trialog-Motto: „Wir machen alles gemeinsam.“ Wichtig sei gewesen, dass es nicht darum ging, Verbote auszusprechen, sondern darum, welche Alternative es gebe, sagte Mörz. Er wertete die Projektwoche als großen Erfolg.

„Das machen wir wieder“, sagte auch Awo-Geschäftsführer Michael Bonder. Die Projektwoche sei eine „tolle Sache“, mit tollen Ergebnissen, sagte er.

Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Solidarität und Toleranz hätten bei der Aktion im Vordergrund gestanden. „Ganz nach den Idealen der Awo“, sagte die Awo-Vorsitzende Dagmar Freudenberg. Zwei Dinge seien nun wichtig: zum einen, eine weitere Projektwoche zu veranstalten und zum anderen, die „tollen“ Ergebnisse mit all den Tipps, Tricks und Rezepten auch anderen zur Verfügung zu stellen. „Vielleicht lässt daraus eine Broschüre erstellen“, regt Freudenberg an.

Klimaschützerin Greta Thunberg trifft Ex-US-Präsident Barack Obama

Termine zum Klimaschutz in Göttingen und Region

Ein Bündnis aus rund 20 Göttinger Initiativen hat für Freitag, 20. September, zu einem „Generalstreik“ für mehr Klimaschutz aufgerufen. Obwohl der Klimawandel schon seit Jahrzehnten bekannt sei, weigerten sich die Politiker aller größeren Parteien, ausreichenden Klimaschutz auch nur zu fordern, heißt es im Aufruf.

Voran geht die Göttinger Ortsgruppe von „Fridays for Future“. „Wir rufen voraussichtlich ab 10 Uhr zum Generalstreik auf“, sagt Gianna Mascioni. Der Protest beginnt mit SternmärschenSchüler gehen von ihren Schulen zum Neuen Rathaus, so die 18-Jährige.

Am Verwaltungsgebäude am Hiroshimaplatz ist um 12 Uhr die erste Kundgebung geplant. Von geht es über die Bürgerstraße zum Bahnhof. Die weitere Demoroute führt über die City zurück zum Neuen Rathaus, vor dem die Abschlusskundgebung vorgesehen ist. Auch Kindergärten, Betriebe oder Akteure des Deutschen Theaters würden demonstrieren, so Mascioni.

„Alle fürs Klima“ – Klimastreik in Northeim

„Alle fürs Klima“ – Schüler streiken in Northeimfürs Klima, kündigt Hanna Zoike für die örtliche Fridays-for-Future-Gruppe an. „Wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimakrise zu spüren bekommt, und die letzte, die noch handeln kann. Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, sind die Schäden, die wir unserem Planten zufügen, unumkehrbar“, sagt Zoike. Allein in Deutschland gebe es mehr als 500 Ortsgruppen. „In ihrem im Frühjahr veröffentlichten Forderungspapier beruft sich die Bewegung auf das 1,5-Grad-Ziel und fordert unter anderem den Kohleausstieg bis 2030 sowie Nettonull bis 2035.“

Die Klimakrise zu bewältigen, sei „keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. Deshalb rufen wir alle dazu auf, sich unserem Streik anzuschließen. Die Politik muss endlich handeln!“, ergänzt Leia Brinkmann. Streikort ist der Mühlenanger in Northeim – Beginn ist um 12.05 Uhr.

Klimastreik in Hann. Münden

InHann. Münden richten die Veranstalter ihren Aufruf „an jede Generation: an Schüler, Kollegen und Arbeitgeber, an Eltern und Nachbarn, an Lehrer und Wissenschaftler, Sportler und Arbeitsuchende, Kreative und Auszubildende – an alle“, teilt Sara Drubel mit. Während in Berlin das Klimakabinett tage und in New York „einer der wichtigsten UN-Gipfel des Jahres vorbereitet werde, „wollen wir den 20. September zum größten globalen Klimastreik aller Zeiten machen“. Beginn ist um 16 Uhr am Rathaus in Hann. Münden.

Demonstration in Witzenhausen – Aufruf vom BUND

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz, Kreisverband Eschwege und Ortsverein Witzenhausen, rufen am Freitag, 20. September mit der Fridays-for-Future-Gruppe der Berufsschule Witzenhausen und weiteren Gruppen in Witzenhausen zum Klimastreik und zur Demo auf. „Dieser dritte globale Klimastreik richtet sich an alle Altersgruppen“, teilt Nicole Zeuner vom Ortsverein mit.

Start ist um 13.30 Uhr an der Berufsschule, Südbahnhofstraße, die Route führt durch die Stadt. Um 15 Uhr ist Kundgebung hinter dem Rathaus. Um 16 Uhr gehen die Demonstranten zur Abschlusskundgebung (17.15 bis 17.45 Uhr) vor dem Werracafé „Chez Nadine“.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) Quelle: Peter Heller

Grüne rufen Oberbürgermeister und Mitarbeiter zum Streik auf

In einem offenen Brief appelliert die Ratsfraktion der Göttinger Grünen an Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und die Verwaltung, sich an der Demonstration am Klima-Streiktag, 20. September, zu beteiligen. den Mitarbeitern der Verwaltung solle ermöglicht werden, am Streik und der Demonstration teilzunehmen.

Ortsgruppe „Extinction Rebellion“ will Straßenkreuzung blockieren

Die Ortsgruppe Göttingen der Klima- und Umweltbewegung „Extinction Rebellion“ ruft zu „kurzfristigen Verkehrsblockaden, einem sogenannten ,Swarming’“ auf. Am Freitag soll gegen 15.30 Uhr die Kreuzung Nikolausberger Weg/Humboldtallee blockiert werden. Mit der Aktion würden die Aktivisten „zentrale Verkehrswege über mehrere Ampelphasen“ blockieren. So soll „der gewohnte Alltagsfluss unterbrochen werden, um die Aufmerksamkeit auf die existenzielle Bedrohung der ökologischen Katastrophe“ zu lenken.

„Es tut uns aufrichtig leid, dass wir massiv in den Alltag anderer Menschen eingreifen. Die Störungen, die wir durch den Zusammenbruch des Klimas und der Ökosysteme erwarten, überragen diesen Eingriff aber bei Weitem“, sagt Sprecherin Lena Gonser. Um mit Autofahrern und Passanten in Kontakt zu kommen, „gehen die Aktivisten gezielt mit Keksen und Flyern auf sie zu“, heißt es in der Mitteilung. „Strikte Gewaltfreiheit hat bei uns oberste Priorität“, erklärt Niklas Kröger von der Ortsgruppe. „Dafür stehen wir im ständigen Kontakt mit der Polizei und sorgen mit musikalischer Untermalung für eine friedliche Stimmung.“

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister Niedersachsen. Quelle: dpa

Kultusminister: Streik-Teilnahme von Schulen möglich

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat am Mittwoch erklärt, Schulen im Land könnten am Klimastreik am Freitag teilnehmen. Für einzelne Schülerinnen und Schüler gelte am Freitag zwar unverändert die Schulpflicht, stellte Tonne klar.

Allerdings hätten Schulen die Möglichkeit, die Klimaproblematik zu thematisieren, so das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies könne im Unterricht, in Form von Projekttagen aber auch über eine Teilnahme der Schulen an Demonstrationen am Freitag geschehen. Die Regelung der Aufsichtspflicht müssten die Schulen in dem Fall vor Ort klären und den Eltern mitteilen.

Klimaschutzbeirat und Protestanten rufen zur Demo-Teilnahme auf

Der Aufruf zur Demoteilnahme und damit am Streiktag in Göttingen richte sich an alle Generationen, so Gianna Mascioni von der Fridays-for-future-Ortsgruppe Göttinge. An Eltern und Verwandte im engeren Kreis der Schüler und an alle gesellschaftlichen Gruppen. Unter anderem der Klimaschutzbeirat Göttingenfolgt dem Aufruf, den der Vorsitzende Ralph Mederake „an alle Göttinger Bürger“ weitergibt.

Friedrich Selter Quelle: r

Protestanten „wollen wieder intensiver“ am Thema Klimaschutz arbeiten

Friedrich Selter, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Göttingen, teilt mit, dass der Kirchenkreisvorstandbeschlossen habe, den Aufruf von Fridays for Future zu unterstützen. Selter: „dazu gewährt der Kirchenkreis seinen Mitarbeitern eine Freistellung von der Arbeit, sofern sich das mit dem aufgetragenen Dienst vereinbaren lässt.“ Die Göttinger Protestanten „wollen wieder intensiver“ am Thema Klimaschutz arbeiten. „Vor allem geht es dabei auch darum, Anforderungen in die Praxis umzusetzen, die wir an uns selber zur Bewahrung einer intakten Natur und eines verträglichen Klimas stellen müssen.“

Streikwoche mit Camp geplant

Die Göttinger Ortsgruppe von Fridays for Future plant von Montag, 23. September, bis Freitag, 27. September, eine Streikwoche. An einem zentralen Ort in der Innenstadt soll nach Wunsch der Klimaschützer ein Protestcamp mit Zelten errichtet werden. Der entsprechende Antrag sei an die Stadtverwaltung gestellt worden. Auf dem Programm stehen diverse Workshops rund um das Thema Klimaschutz. Die Teilnehmer würden selbst entscheiden, wie lange sie dem Unterricht fernbleiben können, so Macioni.

Mitarbeitervertretung im Ev-luth. Kirchenkreis: „Ein Zeichen setzen“

Kolleginnen und Kollegen der Mitarbeitervertretung im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen werden am Freitag demonstrieren, kündigt Vorsitzender Hilmar Ernst an. „Gemeinsam werden wir morgen ein Zeichen setzen und uns am Klimastreik beteiligen. Nach der Demo gehen wir gemeinsam zur St. Johannis-Kirche, in der um 15 Uhr der Gottesdienst beginnt. Wir zeigen auch damit als kirchliche Beschäftigte, dass uns die Zukunft der Erde ein Anliegen ist.“

Evangelische Kirchengemeinde Bovenden: Nachtgebet für Klimaschutz

Die Evangelischen Landeskirchen hätten dazu aufgerufen, „dass sich alle Generationen einem weltweiten Klimastreik am Freitag anschließen“, teilt Jan Fragel von der Evangelischen Kirchengemeinde Bovenden mit. Deren Jugendgruppe beteilige sich am Freitagabend mit einem „Politischen Nachtgebet für den Erhalt der Schöpfung“ an den Protesten.

„Viele Schülerinnen und Schüler machen als Teil der Bewegung „Fridays for Future“ jeden Freitag darauf aufmerksam, dass unsere Welt bedroht ist: Durch Raubbau an der Natur, sowie den daraus entstehenden Klimawandel“, sagt Pastorin Aleena Toplak. Mit der Jugendgruppe der Kirchengemeinde habe sie dazu Andacht in der Martini-Kirche in Bovenden vorbereitet. Das „Nachtgebet für Klimaschutz“ beginne am Freitag um 18 Uhr in der St.-Martini-Kirche im Unterdorf in Bovenden. „Eingeladen sind natürlich alle Generationen“, so Toplak.

Kinderschutzbund mit Infostand am Protest beteiligt

Als einen „besonders glücklichen Umstand“ bezeichnet Michael Stechbart, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Göttingen (DKSB), dass der Weltkindertag, der am 20. September an die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention vor 30 Jahren erinnere, und der weltweite Aktionstag der Fridays-for-Future-Bewegung für Klimaschutz an diesem Freitag zeitgleich stattfinden. „Der Kinderschutzbund Göttingen begrüßt das außerordentlich.“

Der DKSB werde sich am Freitag ab 11 Uhr mit einem Informationsstand vor dem Neuen Rathaus am Protest beteiligen. „Hier heben wir deutlich hervor und informieren, dass die Fridays-for-Future-Kids eigenständig die UN-Kinderrechte für sich in Anspruch nehmen, deren Umsetzung der Kinderschutzbund seit 30 Jahren unablässig fordert. Insbesondere sind das die Artikel 12 bis 15 in der UN-Kinderrechtskonvention, die die politische Partizipation von Kindern beinhalten. Mit Fridays-for-Future haben Kinder und Jugendliche erreicht, ihre Rechte für sich in Anspruch zu nehmen.“ Der KSB Niedersachsen fordern die Göttinger „ein aktives Wahlrecht ab 14 Jahren“.

Kindergarten KEI Göttingen: Kinder und Eltern demonstrieren

Die pädagogischen Fachkräfte, die Eltern und die Kinder des Kindergartens aus Eigeninitiative (KEI) in Göttingen beteiligen sich am Freitag am weltweiten Klimastreik für unsere Zukunft, so die pädagogische Leiterin Ruth Kiefer. Der Eltern-Betreuer-Ausschuss habe beschlossen, „den Kindergarten an diesem Tag vollständig zu schließen und stattdessen dazu aufzurufen, an dem geplanten Sternmarsch in Göttingen teilzunehmen“.

„Wir pädagogischen Fachkräfte halten es für unseren Bildungsauftrag, den Kindern einen umsichtigen, ressourcensparenden Umgang mit Materialien zu vermitteln, Zusammenhänge aufzuzeigen und auf umweltschädliche Materialien im Alltag zu verzichten“, so Kiefer. Im März habe die Kindergartengruppe der ältesten Kinder „mit viel Enthusiasmus die Kundgebung der FfF in der Göttinger Innenstadt besucht und hielt Redebeiträge. Aber nun gehen wir alle auf die Straße.“

Familien und das Team treffen sich zwischen 10 und 11 Uhr am Spielplatz im Cheltenham-Park und „ermutigen weitere Familien, dazuzukommen und sich solidarisch zu zeigen“. Die Gruppe werde sich dem „Sternstrahl“ der Schüler des Max-Planck-Gymnasiums anschließen und zur Kundgebung (12 Uhr) am Neuen Rathaus gehen sowie an der anschließenden Demo teilnehmen.

Duderstadt: Um 11.55 Uhr läuten elf Glocken gleichzeitig

In Duderstadtstartet am Freitag eine ökumenische Aktion zum weltweiten Klimastreik. Um 11.55 Uhr sollen alle elf Glocken von St. Servatius und St. Cyriakus gleichzeitig läuten. Zudem gehen Ehrenamtliche und Hauptamtliche der Kirchen von St. Servatius über die Markstraße zur Basilika. Während die Glocken läuten, werden die Menschen an der Marktstraße zu einer Andacht eingeladen.

Auf ihrem Weg werden sie Glöckchen verteilen, angehängte Bänder zeigen als Text: „#AllefürsKlima – Wacht auf! Es ist 5 vor 12“. Um 12.15 Uhr beginnt in der Basilika eine „AusZeit“ zum Thema „Schöpfung – Verantwortung für die Welt“.

Klimaschutz Thema beim Göttinger Literaturherbst

Die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future wird auch beim 28. Göttinger Literaturherbst Thema sein. „Wir sind viele, wir sind laut!“ beginnt am Montag, 21. Oktober, um 19 Uhr in der Göttinger Lokhalle.

Karten sind im Vorverkauf für zehn Euro erhältlich. Weitere Informationen gibt es online unter literaturherbst.com.

„Plant-for-the-Planet“: Aktionstag für Kinder in Göttingen

Knapp zwei Wochen später veranstaltet die Kinder- und Jugendinitiative „Plant-for-the-Planet“ am 2. November einen „kostenlosen Aktionstag“ zur Klimakrise in Göttingen an. In der Weststadt bilden Kinder im Naturfreundehaus von 9 bis 17.30 Uhr andere Kinder zu „Botschaftern für Klimagerechtigkeit“ aus, teilen Tobias Darge und Lisa Kohn von der Initiative mit. „Die Kinder pflanzen gemeinsam Bäume und lernen Spannendes zum Klimaschutz.“ Mitmachen könnten Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren.

Kinder können sich unter www.plant-for-the-planet.org kostenlos anmelden – oder: per E-Mail an t.darge@gmx.de, telefonisch unter 0176 / 63140626. Interessierte Lehrer und Eltern können sich ebenfalls als Begleitperson anmelden.

„Plant-for-the-Planet“-Akademien seien als offizielle Maßnahme der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet worden und werden vom Bundesumweltministerium empfohlen, so Darge und Kohn. 2007 habe der damals neunjährige Felix Finkbeiner die Kinder- und Jugendinitiative ins Leben gerufen. Im Mai 2018 sei er für sein Engagement von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

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E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier und Stefan Kirchhoff

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