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Göttingen Fast 500 Teilnehmer trotz Osterferien
Die Region Göttingen Fast 500 Teilnehmer trotz Osterferien
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00:24 15.04.2019
„Fridays for Future" – auch in den Osterferien: Hunderte beteiligen sich am Demonstrationszug durch die Göttinger Innenstadt. Quelle: Markus Riese
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Göttingen

Protest auch in den Osterferien: Fast 500 junge Menschen sind am Freitagvormittag erneut durch die Göttinger Innenstadt gezogen, um gegen die aktuelle Klimapolitik zu demonstrieren. Dass es so viele werden würden, hatte selbst das Göttinger Organisations-Team der „Fridays for Future“-Bewegung (FFF) nicht erwartet.

Video-Impressionen von der Freitags-Demo:

„Wir hoffen auf mindestens 100 Teilnehmer“ sagt Mitorganisatorin Ylva Mahnhardt etwa 20 Minuten vor dem Beginn der ersten Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz. Zu diesem Zeitpunkt sind vielleicht 30 Jugendliche und ein paar Erwachsene da – es deutet nicht viel darauf hin, dass eine nennenswerte Demonstrationsstärke erreicht wird. Pünktlich um 10 Uhr ändert sich das schlagartig: Plötzlich sind Hunderte da und skandieren lautstark „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“

Kontroverse Diskussionen

Innerhalb des Orga-Teams habe es kontroverse Diskussionen gegeben, ob die FFF-Demos in den Ferien stattfinden sollen oder nicht. „Aber wir wollen ja zeigen, dass es eben gerade nicht ums Schuleschwänzen geht, sondern wir wollen auch weiterhin Aufmerksamkeit erzeugen“, gibt sich Mahnhardt kämpferisch. Das sei auch der Grund dafür, warum nun wieder ein Demozug angemeldet worden sei, der über die Berliner Straße und die Weender Straße zunächst bis zum Wilhelmsplatz und später bis vor das Neue Rathaus führen sollte.

„Wir haben zuletzt auch bei den Kundgebungen am Gänseliesel gemerkt, dass ein großer Bewegungsdrang unter den Demonstrierenden herrscht“, berichtet die junge Umweltschützerin. Außerdem wolle die Bewegung gezielt den Verkehr in der Stadt behindern.

Bildergalerie:

Am 12. April 2019 ziehen mehrere Hundert Kinder und Jugendliche durch die Göttinger Innenstadt.

„Mit jeder einzelnen Demonstration und jedem einzelnen Streik zeigen wir der Politik, dass wir eine Zukunft haben wollen“, sagt Eli Wiedenbruch von der Göttinger FFF-Initiative. Am Montag seien inhaltliche Forderungen an die Politik veröffentlicht worden, am Freitag habe man in 95 deutschen Städten erneut ein starkes Zeichen gesetzt. „Unsere Hoffnungen haben sich erfüllt“, ergänzt Hannes Kramer. Trotz Schulferien seien viele engagierte Menschen gekommen – viele zum ersten Mal. Kramer: „Wir konnten zeigen, dass wir uns nicht nur in unserer Schulzeit für unseren Planeten einsetzten, sondern immer und solange, bis wir eine sichere Zukunft haben“.

Support durch die „Parents for Future“

Support bekommen die jungen Leute seit einigen Wochen von den „Parents for Future“. In Göttingen engagieren sich etwa die Mütter Claudia Giesbert und Silke Spiller für diese Initiative. „Wir versuchen die Jugendlichen in ihrem Tun zu unterstützen“, beschreibt Giesbert. Das beginne schon mit dem Schreiben von Entschuldigungen für die Schule – aber die Eltern packen auch mit an, wenn sie darum gebeten werden. Allerdings nur dann. Giesbert: „Das Ganze ist und bleibt eine Schülerinitiative. Die Kinder machen alles selbst, und wir helfen eben dann, wenn unsere Hilfe gebraucht wird.“

An diesem Tag hat sich Spiller zum Beispiel als Ordnerin zur Verfügung gestellt. „Pro 50 Demoteilnehmern braucht es einen Ordner, der über 18 ist“, erklärt sie. Giesbert hat sich an diesem Freitag als Fahrerin des Transporters angeboten, auf dem die große Lautsprecher-Anlage installiert ist. Beeindruckt zeigt sie sich von dem, was die Kids allein auf die Beine gestellt haben: „Die organisieren einfach mal so eben eine weltweite Telefonkonferenz“, nennt sie ein Beispiel – sie finde das „beeindruckend“. Die Jugend würde heute ganz anders an so eine Sache herangehen; Grenzen kenne sie nicht mehr.

Die „Parents“ stehen auch mit Schulleitungen, Lehrern und Elternvertretungen in Kontakt, in Göttingen sei das aber ohnehin unproblematisch: „Göttingen ist da sehr moderat“, weiß Giesbert. In anderen Städten würden Eltern teilweise mit Anwälten drohen und schwere Geschütze gegen die „Fridays for Future“ auffahren; das sei hier nicht so.

Nächste Demo am 26. April

Die nächste „Fridays for Future“-Kundgebung in Göttingen ist für den 26. April um 13 Uhr am Bahnhof geplant; danach soll es eine gemeinsame Zugfahrt nach Neu-Eichenberg geben. Dort wollen die Jugendlichen gegen das geplante Logistikzentrum bei Hebenshausen protestieren und sich mit der örtlichen „Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg solidarisieren.

Von Markus Riese

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