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Göttingen Friedlicher Protest in der Göttinger Innenstadt
Die Region Göttingen Friedlicher Protest in der Göttinger Innenstadt
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00:29 04.05.2018
Friedliche Demonstration zum 1. Mai in Göttingen. Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

Bei einem ersten Stopp am Gänseliesel trat zunächst DGB-Kreisvorsitzender Lothar Hanisch ans Mikrofon: „Wir arbeiten immer flexibler, rund um die Uhr, auch am Wochenende, so wie es dem Arbeitgeber passt. Was wir aber tatsächlich brauchen ist, dass Arbeitszeiten auch zu unserem Leben, zu unseren Bedürfnissen und zu unseren Familien passen.“ Wer Kinder betreue, Eltern pflegen müsse oder gesundheitlich angeschlagen sei, könne nicht flexibel und rund um die Uhr verfügbar sein. Eher sei das Gegenteil der Fall: Hanisch zitierte aus einer Mitgliederbefragung der Industriegewerkschaft (IG) Metall aus dem Jahr 2017, nach der 82 Prozent gern die Möglichkeit hätten, vorübergehend kürzer zu arbeiten. Diesem Ziel komme die IG Metall mit ihrem aktuellen Tarifabschluss „ein ganzes Stück näher“.

„Wir fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit“

„Flexibler sollen wir sein, doch damit ist nicht gemeint, dass wir auch mal Zeit für uns haben“, betonte Vanessa Flis von der Verdi-Jugend, die zusammen mit Daniel Teune (IG-BAU-Jugend) für das Jugendbündnis sprach. Flis: „Flexibilität, wie sie von den Arbeitgeberverbänden gefordert wird, bedeutet, unseren Acht-Stunden-Tag zu kippen.“ Es sei nun Zeit für Widerstand. „Wir fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnkürzungen und Mehrarbeit bei vollem Personalausgleich“, betonte Teune. Angesichts immer neuer Rekord-Gewinnmitteilungen der Konzerne – „von der regionalen Sparkasse bis zum DAX-Unternehmen“ – sei dies durchaus möglich.

Familien- und Kulturfest auf dem Albaniplatz

Auf dem Albaniplatz hatte zwischenzeitlich ein „Familien- und Kulturfest“ begonnen. An mehr als 30 Ständen konnten sich die Besucher über Gewerkschaften, Parteien, Initiativen und Institutionen informieren. Um 12 Uhr begann hier die offizielle Maikundgebung, zu der Hanisch den Bezirksleiter der IG Metall für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, als Mairedner vorstellte. Vor inzwischen etwa 1000 Besuchern erinnerte Gröger zunächst an den nordhessischen Sozialrevolutionär August Spies, über dessen Lebensgeschichte noch bis zum 4. Mai eine Ausstellung im Ausbildungsrestaurant „Arbeit und Leben“ zu sehen sei. Die Werte, für die Spies gestanden habe, seien auch heute noch aktuell.

Bosch, ABB, Zeiss und Demag – Mitarbeiter sind „nicht alleine“

„Das unbefristete Normalarbeitsverhältnis muss endlich wieder das Maß der Dinge werden. Die Ausbreitung der Leih- und Werkverträge gehört eingedämmt“, forderte Gröger im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt. Befristungen ohne Sachgrund würden immer mehr zunehmen – und das quer durch alle Altersgruppen und Qualifikationen. „Sachgrundlose Befristungen gehören abgeschafft“, schob er hinterher. Starke Gewerkschaften und gut organisierte Belegschaften seien wichtig, um eine Arbeitswelt zu erkämpfen, in der es sicher und gerecht zugehe – auch, wenn es um Standorte und Arbeitsplätze gehe. In Göttingen gebe es mit Bosch, ABB und Zeiss und in Uslar mit Demag aktuelle Beispiele dafür. „Da kämpfen die Kollegen gerade um Hunderte Arbeitsplätze. „Es ist ganz wichtig, dass diese Kolleginnen und Kollegen wissen, dass sie nicht alleine sind“, warb Gröger um Solidarität.

Gröger will Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes für Beamte

Um Wertschätzung und Gerechtigkeit gehe es auch beim Thema Weihnachtsgeld für niedersächsische Beamte, für dessen Wiedereinführung sich Gröger aussprach. Zudem ging er auf die gerade gescheiterten Tarifverhandlungen für die Mitglieder der IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) ein und sicherte auch hier Unterstützung zu. In diesem Jahr seien aber auch schon einige „sehr gute Tarifabschlüsse“ erzielt worden – etwa im Öffentlichen Dienst, in der Metall- und Elektroindustrie oder im metallverarbeitenden Handwerk.

„Es hilft nicht, alle pauschal zu verurteilen oder zu beschimpfen“

Allerdings: „Die Arbeitswelt von morgen scheint für viele nicht die Arbeitswelt zu sein, wie sie heute aussieht“, so Gröger. Neue Beschäftigungsfelder müssten deshalb dort entstehen, wo andere wegfallen. Hier würden die Arbeitgeber in der Verantwortung stehen. Ein großes Problem sei, dass viele Gewerkschaftsmitglieder anfällig seien für rechte Parolen – und auch so gewählt hätten. „Es hilft ganz sicher nicht, alle sofort mit erhobenem Zeigefinger pauschal zu verurteilen oder zu beschimpfen“, befand Gröger. Aber: „Wir müssen massiv und deutlich die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisieren, die die Menschen zu den Überlegungen bringen, von einer Partei, die Fremdenfeindlichkeit und Hetze verbreitet, eine Verbesserung der eigenen sozialen Situation zu erwarten.“

Viel Applaus für Forderungen der „Falken“

Im Anschluss an die Mairede Grögers nutzten einige Gastredner das Podium, um auf aktuelle Probleme aufmerksam zu machen. Besonders viel Applaus erhielten die Mitglieder der sozialistischen Jugendorganisation „Die Falken“, die ihre ganz eigenen Forderungen für Göttingen präsentierten. Etwa: „Mehr grün, weniger grau – denn auf Rasen kann man besser spielen, und wenn man mal hinfällt, tut es nicht so weh.“ Oder: „Weniger Hausaufgaben und mehr Mitbestimmung in der Schule“. Spontan forderten einige, dass „auch die Polizisten, die das hier absperren, am 1. Mai frei haben sollten.“ Und schließlich: „Die Erde ist für alle da. Denkt mal drüber nach, was ihr tut. Wir wollen auch noch auf ihr leben können.“

Bildergalerie zur Demonstration und zur Kundgebung:

Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit – unter diesem Motto zogen am 1. Mai mehrere Hundert Menschen friedlich durch die Göttinger Innenstadt. Anschließend trafen sie sich zur Kundgebung auf dem Albaniplatz, wo gleichzeitig ein Familien- und Kulturfest gefeiert wurde.

Von Markus Riese

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