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Göttingen Frischling Frederike mit Kuhherde auf Reisen
Die Region Göttingen Frischling Frederike mit Kuhherde auf Reisen
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21:20 23.11.2010
Ankunft: Wildschwein Frederike erkundet mit Lieblings-Kuh Rula die neue Weide und Bauer Bertsch ist glücklich.
Ankunft: Wildschwein Frederike erkundet mit Lieblings-Kuh Rula die neue Weide und Bauer Bertsch ist glücklich. Quelle: Schubert
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Die rührende Geschichte ging um die Welt: Vor etwa zehn Wochen tauchte zwischen den Galloway-Kühen von Bauer Bodo Bertsch auf einer Weide bei Ebergötzen ein ganz junges Wildschwein auf. Immer häufiger zog es mit den 14 Alttieren und 12 Kälbern über die Wiese – und fühlt sich zwischen den schwarzen, braunen und weißen Galloways zunehmend sauwohl. Wenn die Kühe über die Wiese ziehen, geht es mit. Bleiben sie stehen, stoppt es auch, frisst Gras. Gelegentlich kuschelt es sich an ein liegendes Kalb an und wuselt mit aufgestellten Rückenborsten zwischen den Beinen der Herde herum. Wenn es von einem großen Familienmitgliedern mal einen ordentlichen Kopfstoß bekommt, quiekt es nur kurz und empört. „Es ist hart im Nehmen“, hat Bertsch Partnerin Sonja Gehrt beobachtet.


Inzwischen ist klar: Freddy ist eine Frederike. Und nach etlichen Gesprächen mit Jägern und Tierexperten war dem Waaker Öko-Bauern und seiner Familie auch klar: Sie wird nicht wieder alleine in Wald und Feldflur klar kommen. Frederike sollte mit umziehen. Denn die kommenden Monate verbringen Bertsch Rinder auf höher gelegenen und trockeneren Winterweiden. Die bange Frage: Würde das menschenscheue Schweinchen mit auf den Viehanhänger steigen?

Weil Frederike so klein ist sollte sie beim letzten Transport mit den weiblichen Kälbern auf eine neue Weide kommen – und mit ihrer engsten Bezugs-Kuh Rula. Die anderen Mutterkühe und männlichen Kälber überwintern auf anderen Flächen.

Die Sorge löste sich am Montag schnell auf. Frederike wollte schon „mit den Männern“ bei der dritten Fahrt dabei sein. Bertsch drängte sie sanft zurück und sie suchte weiter Schnecken im sumpfigen Boden. Als ihre Gruppe dann – angelockt von frischem Heu – die Anhänger-Rampe hoch stieg, huschte sie ohne zu zögern mit auf die Ladefläche. Dort hatte sie zwar einige Mühe, den Kuhbeinen auszuweichen. Auf der neuen Weide war davon aber nichts mehr zu spüren. Sofort und neugierig erkundete sie in Rulas Schlepptau das neue Zuhause. Was selbst Bertsch und Gehrt überraschte: Auch die bereits eingezogenen mächtigen Highlands und ihre fast 22 Jahre alte Ur-oma Maxi haben Frederike ohne mit der Wimper zu zucken aufgenommen.

Gehrt hofft jetzt, dass Frederike über den Winter handzahm wird. Und Bertsch will sich nach dem Medienrummel um den Frischling bei den Kühen „wieder stressfreier“ um seinen Hof und Wochenmarkt-Stand kümmern.

Von Ulrich Schubert

Das kleine Wildschwein, das inmitten einer Kuh-Herde bei Ebergötzen lebt, wurde gemeinsam mit seiner neuen Familie von der Sommer- auf eine Winterweide gebracht. Und noch etwas hat sich geändert: Ferkel Freddy heißt jetzt Frederike.