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Göttingen Göttingerin sammelt beim Frühjahrsputz Müll und wird dafür beschimpft
Die Region Göttingen Göttingerin sammelt beim Frühjahrsputz Müll und wird dafür beschimpft
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21:00 16.04.2019
Tageblatt-Leserin Christine Liebert und GEB-Abteilungsleiter Ingo Ludewig sammeln spontan Müll am Straßenrand - und finden in kürzester Zeit unterschiedlichsten Abfall, vom Bonbonpapier bis zur Radkappe. Quelle: Markus Riese
Göttingen

Seit 2004 organisieren die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) die stadtweite Müll-Sammelaktion „Frühjahrsputz XXL“. In diesem Jahr haben sich laut Sprecherin Maja Heindorf etwa 4000 Menschen an der Kampagne beteiligt – so viele wie nie zuvor. Erstmals dabei war die Göttingerin Christine Liebert. Ihre Erfahrungen waren allerdings nicht nur positiv.

Lieberts Intention war eigentlich vorbildlich: „Ich hab das als engagierte Bürgerin sehr gern gemacht, sehe ich doch bei meinen täglichen Spaziergängen mit meinem Hund jede Menge achtlos hingeworfene Verpackungen und anderes auf und an den Grünflächen und Straßen. Zeitweise erbarme ich mich dann auch außerhalb dieser Aktion besonders des Plastiks“, so die Göttingerin, die sich als Einzelperson für den „Frühjahrsputz XXL“ registriert hatte. Damit ist sie eher eine Ausnahme, denn normalerweise melden sich vor allem Gruppen an, wie Heindorf zu berichten weiß. Allerdings würden sich inzwischen auch immer wieder einzelne Helfer und Familien beteiligen. Heindorf biete an, Kontakte zu Gleichgesinnten in der Umgebung zu vermitteln.

Heftige Vorwürfe

In einer Woche habe Liebert einen ganzen Sack voll Müll rund um die IGS in Geismar und an der Benzstraße gesammelt – darunter auch Pfandflaschen im Wert von vier Euro. „Leider musste ich mich zunächst von einer Freundin und dann nochmal von einer anderen Hundehalterin, die mich beim Sammeln beobachtet hat, wirklich bösen, kritischen und vorwurfsvollen Angriffen stellen und sah mich veranlasst, dabei die Aktion für die Stadt vehement zu verteidigen“, berichtet Liebert. Ihr sei zum Beispiel vorgeworfen worden, dass andere Müllverursacher ihren Abfall nur deshalb achtlos in die Gegend werfen würden, weil „Sie das jedes Jahr aufheben“. Die Hundehalterin habe ihr zugerufen, dass doch lieber Straftäter, Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge oder Asylbewerber diese Arbeit machen sollten. Ohnehin sei doch eigentlich der Staat dafür verantwortlich.

Christine Liebert und Ingo Ludewig sammeln spontan Abfall auf. Quelle: Markus Riese

Als Liebert die Projektverantwortlichen der GEB im persönlichen Gespräch mit diesen Aussagen konfrontiert, löst das zunächst einmal Kopfschütteln aus. „Das ist tatsächlich das erste Mal, dass wir von solchen negativen Reaktionen hören, erst recht in dieser Heftigkeit“, gibt Heindorf zu Protokoll. Normalerweise gebe es vielmehr positive Resonanz; einige Müllsammler werden sogar zu „Paten“ und engagieren sich auch über die Aktion hinaus. „Der Frühjahrsputz ist ja immer auch ein Aufruf, mal den eigenen Kiez zu beobachten“, beschreibt Heindorf einen nachhaltigen Aspekt der Kampagne. Liebert setzt darauf, dass besonders junge Leute genau das tun: „Ich hoffe, dass gerade auch die Fridays-for-Future-Bewegung sich damit auseinandersetzt, denn weniger Müll ist auch Klimaschutz“, betont die Göttingerin.

Teilnahme kostet Überwindung

„Es muss in der Gesellschaft ankommen, dass es nichts Negatives ist, Müll aufzuheben“, ergänzt Ingo Ludewig, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft/Qualitätsmanagement bei den GEB – und spricht damit ein generelles Problem an, das in Göttingen aber eigentlich nicht wirklich eines sei. Allerdings: Auch Liebert gibt zu, dass sie sich zur Teilnahme erst überwinden musste. Und dennoch: Unterkriegen lässt sie sich von der Kritik nicht. „Das war schon heftig, aber ich werde wieder mitmachen“, ist sie sich schon jetzt sicher. Mehr noch: Heindorf konnte sie sogar als neue „Patin“ gewinnen. Ausgestattet mit Abfallgreifer, Handschuhen und den markanten rosafarbenen Müllsäcken wird sie dem Abfall künftig weiterhin den Kampf ansagen – als „Botschafterin für den Frühjahrsputz XXL von morgen“, wie es Heindorf formuliert.

Weg damit: Allerlei Abfall liegt auf den Straßen und Wegen herum. Quelle: Markus Riese

Von Markus Riese

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