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Göttingen Früher eine „Bausünde“, künftig Robert-Gernhardt-Platz
Die Region Göttingen Früher eine „Bausünde“, künftig Robert-Gernhardt-Platz
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17:43 22.01.2012
Von Michael Brakemeier
Neues Quartier „Am Leinebogen“: In der Mitte liegt der Robert-Gernhardt-Platz.
Neues Quartier „Am Leinebogen“: In der Mitte liegt der Robert-Gernhardt-Platz. Quelle: Delta
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Göttingen

Mit der Widmung nach Robert Gernhardt werde die zentrale Innenstadtlage und künftige kulturelle Bedeutung des neuen Platzes auch namentlich hervorgehoben, heißt es in der Begründung der Verwaltung. Der Platz, da ist sich Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck sicher, werde ein neuer  kultureller Treffpunkt. Nicht zuletzt durch die angrenzende Stockleffsche Mühle. Diese, so die Vorstellung der Verwaltung, soll künftig gastronomisch und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Derzeit erarbeitet die städtische Wohnungsbaugesellschaft ein Nutzungskonzept für die Mühle. Bei dem künftigen „Kulturambiente“ des Platzes, auf dem, so die Vorstellung, künftig auch eine Gernhardt-Statue stehen könnte, setzt Schlapeit-Beck auch auf das ehemalige Gefängnis am Waageplatz. Wie das allerdings einmal genutzt werden könnte, steht noch nicht fest. Die Stadt hatte das Gebäude ursprünglich für rund 50 000 Euro vom Land gekauft, um darin eines von drei so genannten Wissenshäusern des überarbeiteten Museumskonzepts unterzubringen. Derzeit arbeitet die Stadt aber gemeinsam mit der Uni im Rahmen der Exzellenzinitiative daran, dieses Wissenshaus im Alten Auditorium zu verwirklichen.

Flankiert wird der künftige Robert-Gernhardt-Platz von zwei Wohn- und Geschäftsgebäuden, die die Delta Bau AG aus Hannover momentan baut. 14 Millionen Euro sollen sie kosten und „repräsentative und funktionale Architektur“ bieten, wie Delta-Bau-Vorstand Dieter Streicher bei der Vorstellung der Pläne für das neue Quartier „Am Leinebogen“ deutlich machte.

Seit dem Abriss des Stadtbades in 2002 lag das Gelände brach und wurde zuletzt als Parkplatz genutzt. 1998 wurde das alte Bad geschlossen, später abgerissen. 2009 erhielt Delta nach einem städtebaulichen Wettbewerb den Zuschlag von der Stadt.
Das abgerissene Stadtbad aus den 60er Jahren, für dessen Neubau das Stadtbad aus dem Jahr 1906 weichen musste, hat als eine von sieben „Göttinger Bausünden“ Eingang in Gernhardts Werk gefunden. „Der Vorgängerbau war ein Jugendstilbad, sehr schön, sehr rar, sehr eigen. Das brachte der Durchschnitt auf sein Niveau, anno sechzig. Der Rest ist Schweigen“, dichte Gernhardt.

Katharina Lankeit (SPD) begrüßte den Verwaltungsvorschlag im Kulturausschuss und nannte Gernhardt einen guten Vertreter der Stadt Göttingen.

Gernhardt wurde am 13. Dezember 1937 in Tallin (ehemals Reval) geboren und flüchtete 1946 mit seiner Mutter und zwei Brüdern nach Göttingen. Hier besuchte er zunächst die Wöhler-Schule und das Felix-Klein-Gymnasium, wo er 1956 Abitur machte. Später arbeitete er bei der Satirezeitschrift Pardon, gründete die Titanic und erarbeitete sich einen Ruf als Lyriker. 1999 bekam er den Göttinger Elch verliehen. Gernhardt starb 2006 in Frankfurt.