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Göttingen „Früher war Feldarbeit oftmals eine Quälerei“
Die Region Göttingen „Früher war Feldarbeit oftmals eine Quälerei“
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11:32 01.09.2011
Expertinnen in Sachen Feldarbeit: Bärbel Burgstett, Ingrid Tausch, Elfriede Steinecke und Loni Faehr (v. l.) beim Erzählcafé.
Expertinnen in Sachen Feldarbeit: Bärbel Burgstett, Ingrid Tausch, Elfriede Steinecke und Loni Faehr (v. l.) beim Erzählcafé. Quelle: Hinzmann
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„Früher war die Feldarbeit oftmals eine Quälerei und dauerte im Vergleich zu heute auch sehr viel länger“, sagt Elfriede Steineke. Sie erinnert sich, dass, um Kartoffeln anzubauen beispielsweise eine Reihe mit dem Pflug ausgehoben wurde. Die Kartoffeln mussten eingelegt werden und die Reihe wurde wieder geschlossen. „Der erste von vielen Arbeitsschritten“, weiß sie. Wenn die Kartoffeln langsam wuchsen, wurde die Erde gehackt, damit genug Luft an die Wurzeln kommt. Vor der Ernte wurden die Kartoffelpflanzen dann gezogen, um grüne Stellen an dem Gemüse zu vermeiden.

Alle erinnern sich, dass zur eigentlichen Ernte des Erdapfels viele Leute benötigt wurden. Die ganze Familie und oftmals auch Nachbarn halfen beim Sammeln und Sortieren. Die ältesten der Teilnehmer wissen noch, dass sie nach der Schule mit der Klasse und dem Lehrer zum Kartoffelkäfersammeln gingen. Dass man schon als Kind viel mithalf, ist für alle selbstverständlich. Ebenso, dass die kleineren Kinder zur Feldarbeit mitgenommen wurden und ohne Beaufsichtigung spielten. „Heutzutage müssen Kinder nicht mehr aufs Feld, und jeder hat es im Kreuz“, bemerkt Bärbel Kluschke lachend.

„Die Landarbeit war anstrengend“, sind sich alle sicher, und doch war es laut Auffassung der Frauen manchmal wie an einem Feiertag: War das Getreide eingeholt und getrocknet kam eine Dreschmaschine, die im ganzen Dorf die Scheunen anfuhr. Am Dreschtag halfen alle mit, das Korn in Säcke und das Stroh auf den Lagerboden zu verfrachten. Besonders die Frauen in der Küche hatten dann so ihre Not, das Festmahl, das an ein Hochzeitsessen erinnerte, für die Arbeitenden zuzubereiten.

Auch auf dem Feld habe es immer gute Verpflegung mit Wurstbroten und in Butts transportiertem Kaffee gegeben. „Es war eine schöne Zeit in der die Leute noch nicht so hektisch waren, auch wenn viel Arbeit gab. Es gab noch keine Medien,die das Leben so rastlos gemacht haben“, sagt Ingrid Tausch. Letztlich steht für alle im Erzählcafé fest, dass es einerlei ist, welche neuen Maschinen es für die heutige Landwirtschaft gibt. Die Gartenarbeit erledigen sie noch immer wie damals: „Kartoffel ins Loch, drauftreten, fertig.“

Von Daria May Gotthardt