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Göttingen Wirken und Skandale von Gottfried-August Bürger werden beleuchtet
Die Region Göttingen Wirken und Skandale von Gottfried-August Bürger werden beleuchtet
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00:18 12.06.2019
Gudrun Keindorf (rechts) erläutert den Teilnehmern etwas zum Bürger-Denkmal an der Bürgerstraße. Quelle: Wölk
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Göttingen

Unter dem Motto „Drei Hochzeiten und ein Todesfall“ hat die Tourist-Information Göttingen erstmals eine Führung zum Dichter Gottfried August Bürger veranstaltet. Die Führung von Gudrun Keindorf beschäftigte sich mit dem literarischen Schaffen Bürgers und mit seinem von Skandalen geprägten Leben. Bürger, der 1747 in Molmerswende geboren wurde, kam 1768 zum Studium der Rechtswissenschaften nach Göttingen.

Zunächst Studium der Theologie

Die acht Teilnehmer der Führung begaben sich gemeinsam mit Kleindorf auf die Spuren des am 8. Juni 1794 gestorbenen Dichters. Bürger war der Sohn eines Landpastors. „Er wurde von seinem Großvater mütterlicherseits unter die Fittiche genommen“, berichtete Keindorf den Teilnehmern. Nachdem er eine teure Ausbildung in Halle an der Saale erhalten hatte, habe er auf Wunsch seines Großvaters ein Theologiestudium in Halle begonnen, die dortige Universität aber ohne Abschluss verlassen. „Danach erlaubte der Großvater ihm, nach Göttingen zu gehen“, sagte Keindorf.

Gemeinsam mit anderen Studenten wohnte Bürger dann in einem Gebäude an der Roten Straße. Hier gab es den ersten Skandal im Leben des Gottfried August Bürger. Denn ebenso wie ein Mitstudent verliebte Bürger sich in die verwitwete Tochter seiner Vermieterin. Hierüber kam es zu einem handfesten Streit der beiden, der vor Gericht mit einem Vergleich beendet wurde.

„Menage a trois“ mit zwei Schwestern

„Nachdem er sein Studium nach vier Jahren beendet hatte, nahm Bürger eine Stelle als Amtmann in Altengleichen an“, erklärte Keindorf. Zum Gericht Altengleichen gehörten unter anderem die heutigen Orte Gelliehausen, Wöllmershausen und das Gut Sennickerode. Dort lernte Bürger auch seine erste Frau Dorette kennen, die er 1774 heiratete. Doch bereits kurz nach der Eheschließung verliebte er sich in deren jüngere Schwester Molly, und die drei lebten eine „Ménage á trois“. Nachdem Dorette bei der Geburt des dritten Kindes starb, ehelichte Bürger nach Ablauf der Trauerzeit seine Molly. Mit ihr hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits ein Kind. Bei der Geburt des zweiten Kindes im Jahr 1786 verstarb auch Molly. Ihr Tod stürzte den Dichter zunächst einmal in eine Krise. Auch die dritte Ehe mit Elise Hahn endete, nachdem Elise einen Seitensprung begangen hatte, in einem Skandal.

Weitere Führungen zu Gottfried-August Bürger

Weitere Führungen, die sich mit dem Leben und Schaffen von Gottfried-August Bürger beschäftigen sind an folgenden Terminen geplant: Sonntag, 30. Juni, Sonntag, 28. Juli, Sonntag, 25. Juli, Sonntag, 25. August, Sonntag, 22. September, und am Sonntag, 20. Oktober. Die Führung beginnt jeweils um 14 Uhr an der Tourist-Information, Markt 8. Die Kosten für die zwei Stunden dauernde Führung betragen für Erwachsene neun Euro und für Kinder bis zwölf Jahren 4,50 Euro. ve

Geschichten des Freiherr von Münchhausen

Auch die literarischen Werke Bürgers waren selbstverständlich Teil der Stadtführung. Einen Teil seiner Werke veröffentlichte er im Göttinger Musenalmanach, der aus dem Göttinger Hainbund heraus gegründet worden war. Insbesondere bekannt geworden ist Bürger für die Geschichten des Freiherr von Münchhausen. Diese wurden zunächst von Rudolf Erich Rapse auf Englisch verfasst, und dann von Bürger ins Deutsche übersetzt. „Da Rapse die Geschichten anonym veröffentlicht hatte, und auch nicht zugab, dass sie von ihm stammen, galt Bürger lange als Erfinder der Erzählungen des Freiherr von Münchhausen“, erläuterte Keindorf ihren Zuhörern. Auch eine Auseinandersetzung mit Friedrich Schiller gehört zum Leben Bürgers dazu. Nachdem Schiller seine Werke verrissen hatte, versuchte Bürger diese Werke nach dessen Vorstellungen umzuarbeiten. „Dies hat den Gedichten aber nicht gutgetan“, so Keindorf.

Moderne Beweisführung

Dass Bürger nicht nur das Schreiben, sondern auch sein Beruf als Amtmann wichtig war, zeigt die Geschichte des Dienstmädchens Katharina. Diese brachte in Benniehausen ein Kind zur Welt und ertränkte es anschließend in der Garte. Gezeugt worden sei das Kind bei einer Vergewaltigung. Eigentlich habe auf Kindstötung damals die Todesstrafe gestanden, doch dank einer modernen Beweisführung sei es gelungen, dass Katharina nur eine Zuchthaus-Strafe bekomme haben. „Dieser Fall war anschließend 30 Jahre lang ein Lehrbeispiel an der Universität und zeigt, wie ernst Bürger trotz aller Skandale seinen Beruf genommen hat“, erklärte Keindorf. Außer der Bürgerstraße und dem dortigen Denkmal war auch der Bartholomäus-Friedhof ein Ziel der Führung.

Von Vera Wölk

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