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Göttingen Für 2500 Euro aus dem Kosovo im Geländewagen nach Deutschland
Die Region Göttingen Für 2500 Euro aus dem Kosovo im Geländewagen nach Deutschland
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18:56 23.08.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen/Northeim

Die Anklage wirft den drei Serben, den beiden Slowenen und einem Bosnier vor, in unterschiedlicher Tatbeteiligung sieben Menschen illegal über diverse Grenzen gebracht und sie schließlich in Northeim und in Bayern und Westdeutschland bei Kontaktleuten abgeliefert zu haben. Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz und Einschleusen von Ausländern, so die Vorwürfe.

Mehrere der Angeklagten leben in Northeim, von wo auch die meisten Zuhörer kommen. Vier der Männer wurden gestern aus Untersuchungshaft vorgeführt, einer ist auf freiem Fuß. Angeklagt ist auch eine Frau, eine Slowakin, die in einem Fall das Schleuserfahrzeug gefahren haben soll. Sie wurde am 23. November 2010 hinter der deutschen Grenze bei Passau von der Bundespolizei gestoppt und kontrolliert. Weil sie drei Illegale im Auto hatte, wurden alle festgesetzt, die Flüchtlinge teils wieder abgeschoben und gegen die Frau und ihre Helfer ermittelt.

Die Organisation reicht den Erkenntnissen der Anklage nach tief in mafiöse Strukturen im ehemaligen Jugoslawien. Schlüsselfiguren und bisher unbehelligt sind zwei, die nur der „Boxtrainer“ und der „Chef der Bosnier“ genannt werden. Sie sollen die Schleusungen in ihrer Heimat organisiert, Ruderer zum Übersetzen über den Grenzfluss besorgt und die Flüchtlinge übergeben haben. Mit bis zu drei Autos – eines vorab, um Kontrollen an den Grenzen zu entdecken, eines hinterher, um das Schleuserfahrzeug zu dirigieren – wurde gefahren. In einem Fall wurden zwei Erwachsene und ein Kind in einem Geländewagen Audi Q7 geschleust, in einem andren Fall nur ein einzelner Syrer. Bei der letzten Fahrt waren es wieder drei Illegale. Sie sollen für die Fahrten zwischen 2000 und 2500 Euro gezahlt haben. Die Fahrer erhielten davon 2000 Euro.

Am Dienstag wurde nur die Anklage verlesen, danach gab es Gespräche mit den Verteidigern. Sollte es zu Geständnissen kommen, könnten für einige Angeklagte Bewährungsstrafen möglich sein.