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Göttingen Funkstille beim Stadtradio Göttingen: Fronten sind weiterhin verhärtet
Die Region Göttingen Funkstille beim Stadtradio Göttingen: Fronten sind weiterhin verhärtet
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18:57 20.09.2019
Da sprachen sie noch miteinander: Bürgerfunker Horst Reinert (l.) zeigt Besuchern beim „Tag der offenen Tür“ den Arbeitsplatz der Radiomoderatoren. Dahinter: Bürgerfunkerin und Vorstandsmitglied Martina Frigge-Filbir. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Das Stadtradio Göttingen kommt nicht zur Ruhe: Zwischen einigen langjährigen Bürgerfunkern, dem Vorstand und der Geschäftsführung des Senders herrscht derzeit weitestgehend Funkstille. Nach dem Wirbel um öffentliche Äußerungen zweier Vorstandsmitglieder, dem Weggang von Torsten Bussmann („Mann-o-Mann“) zu Radio Leinewelle und einem offenen Brief von Horst Reinert, in dem er den Vorstand zum Rücktritt aufforderte, ist die künftige Linie des Bürgerfunk-Senders derzeit unklar.

Immerhin: Geschäftsführer Ulrich Kurzer konnte fristgerecht alle Unterlagen zur Beantragung der Sendelizenz-Verlängerung bei der niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) einreichen – begleitet von 67 Unterstützerschreiben aus Wirtschaft, Politik, Verwaltungen, Kultur- und anderen Einrichtungen.

Das Stadtradio Göttingen

Seit 1997 gibt es das Stadtradio Göttingen. Es wird als nicht-kommerzieller Bürgersender betrieben und vor allem aus Zuschüssen der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, der Stadt Göttingen und des Landkreises Göttingen finanziert, außerdem aus Mitgliedsbeiträgen des Trägervereins und aus Spenden. Träger ist der Göttinger Verein für Medienkultur, der drei Vorstandsmitglieder stellt. Derzeit sind das die Bürgerfunkerin Martina Frigge-Filbir, der Rechtsanwalt Jan Thomas Ockershausen und der Kommunalpolitiker Horst Roth (Grüne). Regelmäßig muss die Sendelizenz für das Stadtradio verlängert werden – einen entsprechenden Antrag für die nächste Lizenz-Periode hat die Geschäftsführung fristgerecht bei der Landesmedienanstalt eingereicht. „Wir gehen davon aus, dass Anfang 2020 über die Verlängerung entschieden wird, also etwa ein Jahr vor Ablauf der aktuellen Sendelizenz“, sagt Geschäftsführer Ulrich Kurzer. Er sei guter Dinge, dass die Verlängerung klappen wird – die aktuellen Querelen im Sender spielen diesbezüglich wohl kein Rolle. Ähnlich hatte sich auch schon ein Sprecher der Landesmedienanstalt geäußert.

Wie die Situation um Torsten Bussmann eskalierte

Aber was war eigentlich der Auslöser für die Eskalation? „Torsten Bussmann hatte aufgrund einer unüberlegten Aussage in einer seiner Livesendungen – nach Aufforderung der NLM – von uns die Auflage erhalten, vorläufig nur vorproduziert zu senden und erst nach zweimaliger Voraufzeichnung und Kontrolle dann wieder live auf Sendung zu gehen“, erklärt Vorstandsmitglied Martina Frigge-Filbir, die selbst auch Bürgerfunkerin beim Stadtradio ist.

Bussmann habe sich dann komplett zurückgezogen, bei der NLM aber eine Anfrage gestellt, ab wann er wieder live senden dürfe. „Gleichzeitig verweigert er aber jedes Gespräch mit uns und Uli Kurzer“, so Frigge-Filbir weiter. Sie gehe davon aus, dass dieser Sachverhalt in der Mitgliederversammlung im November noch einmal thematisiert werde, ebenso wie der offene Brief von Bürgerfunker Horst Reinert.

Podcast-Zugriffe verdreifacht, Stream mit stabilen Hörer-Zahlen

„Was uns an dem Brief von Herrn Reinert besonders ärgert, sind seine haltlosen Vorwürfe, dass das Stadtradio nicht gehört wird“, betont Frigge-Filbir. Es sei nachweisbar, dass zum Beispiel die Podcast-Abrufe in den vergangenen Jahren immens angestiegen seien – von 201 000 Abrufen in 2016 auf mehr als 630 000 Abrufe im Jahr 2018. Der Stream verzeichne zudem stabile Hörerzahlen – was auch Geschäftsführer Kurzer bestätigt: „Seit dem Weggang von Torsten Bussmann gab es da keine Einbrüche“, sagt er. Kurzer hofft weiterhin, dass sich alle Parteien nochmal an einen Tisch setzen – und auch, dass die Mitgliederversammlung zur Beruhigung der Situation beitragen wird: „Man muss dann gucken, ob man einen gemeinsamen Weg findet.“

Bussmann jedenfalls sieht dafür im Moment eher keine Chance: „Fakt ist: Ich habe nach 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit aufgrund einer E-Mail-Beschwerde Live-Sendeverbot bekommen. Als Sendeverantwortlichem ist mir die Original-Mail mit Text und Absender auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht zur Verfügung gestellt worden. Dass dies nicht zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit beiträgt, dürfte verständlich sein.“ Kurzer sagt hierzu, dass der Beschwerdeführer nicht wollte, dass seine Mail an Bussmann weitergeleitet werde. „Dies war dann so zu akzeptieren“, meint der Geschäftsführer.

Reinert will Vorschläge vorlegen – und vielleicht selbst kandidieren

Aber auch Reinert bleibt kritisch: „Der Vorstand hat mir gegenüber nach wie vor nicht auf den offenen Brief reagiert. Ich weiß nur aus einem Tageblatt-Artikel, dass die sich alle ganz toll finden und wieder kandidieren wollen. Von Rücktritt also keine Rede, eher von ,weiter so’.“ Dass der Vorstand bereits Mitte August zur Mitgliederversammlung Mitte November eingeladen und einen Aufnahmestopp verkündet habe, findet Reinert „sehr befremdlich“, wie er sagt. „Ich bleibe dabei, dass es so nicht weitergehen kann und werde daher der Versammlung ein paar Vorschläge zur Abstimmung vorlegen. Sollte sich dafür eine Mehrheit finden, werde ich auch für den Vorstand kandidieren, denn in den derzeitigen Vorstand habe ich kein Vertrauen, dass er das dann umsetzen würde“, wird Reinert deutlich. Sollte der aktuelle Vorstand im Amt bleiben, will auch Reinert „bei einem anderen Sender ,on air’ gehen.“

Ein längeres und konstruktives Gespräch mit Kurzer habe Reinert bereits vor ein paar Wochen geführt; auch mit der Landesmedienanstalt habe er kommuniziert. „Die Bürgerfunker, mit denen ich bisher gesprochen habe, sehen die Situation übrigens ähnlich wie ich“, so Reinert weiter.

Kommentar

Einfach mal miteinander reden?

Markus Riese Quelle: Christina Hinzmann

Wer beim Radio arbeitet, hat oft ein gewisses Mitteilungsbedürfnis. Das ist erstmal gut so, denn schließlich will der Hörer ja informiert und unterhalten werden. Beim Stadtradio Göttingen gibt es dafür zwei Plattformen: eine hauptamtliche Redaktion, die morgens und nachmittags ein journalistisch geprägtes Programm zusammenstellt – und den Bürgerfunk, bei dem nahezu jeder mitmachen und eigene Sendungen gestalten darf. Das wiederum sorgt für ein sehr buntes, vielfältiges Programm mit vielen spannenden Formaten.

Die Lizenzverlängerung scheint sicher, die Finanzierung weitestgehend auch – eigentlich alles gut, wenn da nicht die ständigen Querelen wären, die immer wieder für Unruhe sorgen. Dabei arbeiten doch eigentlich alle für dieselbe Sache: Vorstand, Geschäftsführung, Bürgerfunker, Redaktion, Techniker, Vereinsmitglieder.

Vielleicht braucht es eine unabhängige Instanz? Eine Schlichtungsstelle? Eine Interessenvertretung nur für die Bürgerfunker? Doch würde die wirklich die Interessen aller Bürgerfunker vertreten? Vermutlich würde es schon reichen, wenn es einigen Protagonisten gelänge, das eigene Mitteilungsbedürfnis darauf zu verwenden, mit den anderen zu reden statt über sie. Man muss ja nicht gleich eine Radiosendung daraus machen.

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Von Markus Riese

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